Preis der Leipziger Buchmesse 2026

Katerina Poladjan, Marie-Janine Calic und Manfred Gmeiner gewinnen

19. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Eine Entscheidung, auf die alle äußerst gespannt waren: Am Messedonnerstag wurde der Preis der Leipziger Buchmesse in der Glashalle vor einem begeisterten Publikum mit viel Applaus vergeben. Hier erfahren Sie mehr über die drei Preisträger:innen in den drei Kategorien.

 

Katerina Poladjan, Autorin des Buches «Goldstrand», verlässt mit Blumen die Bühne, nachdem sie den Preis der Leipziger Buchmesse in der Belletristik-Sparte

Katerina Poladjan, Autorin des Buches «Goldstrand», gewann den Preis der Leipziger Buchmesse in der Belletristik-Sparte 

Nachmittags, am 19. März, wurde der wichtigste Buchpreis des Frühjahrs vergeben. In der Glashalle der Leipziger Buchmesse gab die Jury vor dem gespannten Publikum bekannt, welche drei herausragenden deutschsprachigen Neuerscheinungen sich durchgesetzt haben.

  • Katerina Poladjan erhielt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für ihren Roman "Goldstrand".
  • In der Kategorie Sachbuch/Essayistik ging der Preis an Marie-Janine Calic für "Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa".
  • Den Preis für Übersetzung erhielt Manfred Gmeiner für die Übersetzung von "Unten leben" aus dem Spanischen von Gustavo Faverón Patriau.

Insgesamt wurden 485 Titel von 177 Verlagen eingereicht.

Kategorie Belletristik: Katerina Poladjan

Katerina Poladjan wird für "Goldstrand" (S. Fischer) ausgezeichnet.
 
Begründung der Jury:
 
"Filmregisseur Eli lebt in einer bröckelnden römischen Villa, auf dem Sofa seiner Psychoanalytikerin schwelgt er in seinen Lebenserinnerungen; erzählt von den architektonischen Utopien seines Vaters in Bulgarien, von Schwiegereltern mit fragwürdiger Vergangenheit und von seiner Tochter, die von all dem nichts wissen will. Katerina Poladjans Roman ist ein Abgesang auf Europa als Kontinent der glamourösen Dichter und Denker – und erzählt uns mit einer leichten wie abgründigen Sprache von einem Mann, der sich auf einen Abschied vorbereitet und selbst noch nicht weiß, wohin ihn die Reise führt."
 
Die Autorin:
 
Katerina Poladjan wurde 1971 in Moskau geboren, wuchs in Rom und Wien auf und lebt in Deutschland. Für "Hier sind Löwen" (S. Fischer, 2019) erhielt sie Stipendien des Deutschen Literaturfonds, des Berliner Senats und von der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. 2021 wurde sie mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet. Mit "Zukunftsmusik" (S. Fischer) stand Katerina Poladjan auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022. 2025 erhielt sie den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds.

Marie-Janine Calic werden auf der Bühne Blumen und die Urkunde überreicht

Marie-Janine Calic bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch für "Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa"

Kategorie Sachbuch/Essayistik: Marie-Janine Calic

Marie-Janine Calic erhält den Preis für "Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa" (C.H. Beck)
 
Begründung der Jury:
 
"Südosteuropa ist bislang in der Exilforschung kaum beachtet – Marie-Janine Calic schließt eine Lücke mit diesem eindrucksvollen Werk. In ihrer breiten und akribischen Recherche erzählt sie die wechselvolle Geschichte der Balkanroute anhand vieler Einzelschicksale. Ob jüdisch, homosexuell oder kommunistisch – neben einigen prominenten Namen sind es vor allem die Schicksale der einfachen Leute, denen Marie-Janine Calic so ein Denkmal setzt. Anhand dieser Biografien erzählt Marie-Janine Calic Weltgeschichte. Sie erschließt politisch-historische Zusammenhänge und zeigt den Balkan als Region der Hoffnung und des Übergangs."
 
Die Autorin:

Marie-Janine Calic ist Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie war als Politische Beraterin u. a. am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag tätig. Unter ihren zahlreichen Publikationen sind u. a. die Monografien "Südosteuropa. Weltgeschichte einer Region" (C.H. Beck, 2016) und "Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert" (C.H. Beck, 2010).

Manfred Gmeiner am Rednerpult

Manfred Gmeiner bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung für "Unten leben" aus dem Spanischen von Gustavo Faverón Patriau

Kategorie Übersetzung: Manfred Gmeiner

Manfred Gmeiner wird für seine Übersetzung aus dem Spanischen von "Unten leben" von Gustavo Faverón Patriau (Droschl)
 
Begründung der Jury:
 
"Als multiperspektivischer Horror- und Schelmenroman entfaltet sich Gustavo Faverón Patriaus 'Unten leben‘: Dutzende Erzählstimmen fügen sich zu einem Mosaik der düsteren Geschichte Lateinamerikas. In dieser labyrinthischen Erzählung verlieren sich Wahrheit, Erinnerung und literarische Anspielungen ineinander. Manfred Gmeiner übersetzt den Roman mit spielerischer Eleganz ins Deutsche und bewahrt dabei den Blick für eigensinnige Figuren und den Zauber der Poesie. Seine ebenso furchtlose wie packende Übersetzung macht die Lektüre zu einer intensiven, unvergesslichen Erfahrung."
 
Der Übersetzter:

Manfred Gmeiner, geboren 1964 in Wien, war lange als selbstständiger Buchhändler in einer gemeinsam mit seiner Partnerin gegründeten spanischsprachigen Buchhandlung tätig. Nach Weitergabe der Buchhandlung ist er nun als Scout und Übersetzer aus dem Spanischen tätig. Er gab mehrere Anthologien heraus und übersetzte u. a. Jordi Peidro, Francisco Álvarez und Federico García Lorca.

Preisverleihung zum Nachschauen:

Die Aufzeichnung der Preisverleihung kann im Nachgang in der Mediathek der Buchmesse angeschaut werden.

Nominiert waren 2026:

Belletristik

  • Helene Bukowski: "Wer möchte nicht im Leben bleiben" (Claassen, 26.02.2026)
  • Norbert Gstrein: "Im ersten Licht" (Hanser, 17.02.2026)
  • Anja Kampmann: "Die Wut ist ein heller Stern" (Hanser Verlag, 19.08.2025)
  • Katerina Poladjan: "Goldstrand" (S. Fischer, 27.08.2025)
  • Elli Unruh: "Fische im Trüben" (Transit, 01.09.2025)

Sachbuch/Essayistik

  • Marie-Janine Calic: "Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa" (C.H.Beck, 15.10.2025)
  • Ines Geipel: "Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung" (S. Fischer, 11.03.2026)
  • Jan Jekal: "Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten. 1941–1953" (Matthes & Seitz Berlin, 26.02.2026)
  • Ulli Lust: "Die Frau als Mensch: Schamaninnen" (Reprodukt, 09.02.2026)
  • Manfred Pfister: "Englische Renaissance" (Galiani Berlin, 09.10.2025)

Übersetzung

  • Ulrich Faure übersetzte aus dem Niederländischen "Das Lied von Storch und Dromedar" von Anjet Daanje (Friedenauer Presse, 28.08.2025)
  • Tina Flecken übersetzte aus dem Isländischen "Eden" von Auður Ava Ólafsdóttir (Insel, 28.10.2025)
  • Manfred Gmeiner übersetzte aus dem Spanischen "Unten leben" von Gustavo Faverón Patriau (Droschl, 22.08.2025)
  • Timea Tankó übersetzte aus dem Ungarischen "Die Aussiedlung" von András Visky (Suhrkamp, 28.10.2025)
  • Petra Zickmann übersetzte aus dem Katalanischen "Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis" von Irene Solà (S. Fischer, 27.08.2025)

Zum Preis:

Mit dem Preis der Leipziger Buchmesse werden alljährlich herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und wird seit 2005 von einer siebenköpfigen Jury vergeben. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis. Partner ist das Literarische Colloquium Berlin. Als Medienpartner fungieren der Deutschlandfunk Kultur und die WELT AM SONNTAG.

Die siebenköpfige Jury setzt sich aus deutschen Journalist:innen und Literaturkritiker:innen zusammen. 

Weitere Informationen unter www.preis-der-leipziger-buchmesse.de