Schreiben im Widerstand und Exil

Kramer-Preis 2026 geht an Helene Maimann

20. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Helene Maimann wird mit dem österreichischen Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil 2026 ausgezeichnet. Sie habe maßgeblich zum heutigen Wissen über das humanistische, kritische und weltoffene 'Andere Österreich' beigetragen.

Porträtfoto von Helene Maimann

Helene Maimann

Das meldete die Theodor Kramer Gesellschaft. "Helene Maimann hat sich seit frühen Jahren mit Exil und Widerstand auseinandergesetzt", heißt es in der Begründung. "Sie kommt aus einem Milieu, dem in der Nachkriegszeit kaum Beachtung geschenkt wurde: den Rückkehrern aus der Emigration. Ihre Eltern waren jüdische Flüchtlinge, ihr Vater kam als britischer Besatzungssoldat nach Wien zurück. Über das lebenslange Trauma der Eltern, der Verlust fast der ganzen großen Familie in der Schoah, herrschte Schweigen. Es galt, nach vorne zu schauen und auf ein besseres Leben zu hoffen. Helene Maimann ging den Spuren der Eltern bereits in ihrer Dissertation über die österreichische Emigration in Großbritannien nach und schrieb eine Reihe von Essays über die sozialen, kulturellen und sprachlichen Probleme von Widerständigkeit, Verfolgung, Flucht und Exil, aber auch über die Möglichkeiten, die ein stürmisches Leben eröffnen kann. Als Historikerin, Schriftstellerin, Ausstellungs- und Filmemacherin erreichte sie ein breites Publikum und trägt maßgeblich zum heutigen Wissen über das humanistische, kritische und weltoffene 'Andere Österreich' bei."

Die Preisverleihung findet am 4. September in Niederhollabrunn statt.

Zur Person:

Helene Maimann wurde in Wien geboren und ist Historikerin, Autorin und Filmemacherin. Sie kuratierte mehrere große Ausstellungen zur österreichischen Zeitgeschichte. 2023 erschien bei Zsolnay ihre autobiographische Erzählung "Der leuchtende Stern. Wir Kinder der Überlebenden", eine Geschichte von Überlebenden der Konzentrationslager, Exil und Résistance. 

Sie erhielt für ihre Arbeiten den Victor-Adler-Preis (1981), den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis (2011), das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2013), den Käthe Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung der Arbeitswelt (2017), den Rosa-Jochmann-Preis (2017), den Axel-Corti-Preis (2019) und das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2023).

Die ausführliche Biografie findet sich: hier

Zum Preis:

Die 1984 gegründete Theodor Kramer Gesellschaft vergibt seit 2001 jährlich den Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil. Gewürdigt werden soll mit ihm nicht die literarische Qualität allein, sondern darüber hinaus die Haltung und das Schicksal der Preisträgerin oder des Preisträgers. Mit diesem Preis wird erstmals in Österreich eine große Literatur gewürdigt, die im Widerstand und im Exil entstanden ist und entsteht. Der Preis ist nicht allein Österreichern und Menschen, die aus Österreich vertrieben wurden, vorbehalten. Auch das Schreiben in deutscher Sprache ist keine Bedingung.

Das Preisgeld beträgt 8.000 Euro, bzw. zwei Mal 4.000 Euro bei zwei Preisträger:innen. Der Preis wird vom Land Niederösterreich, der Stadt Wien und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport gefördert. Die Preisträgerin oder der Preisträger werden vom Vorstand der Theodor Kramer Gesellschaft bestimmt. Es ist ein Würdigungspreis, um den man sich nicht bewerben kann oder muss. Die Theodor Kramer Gesellschaft ist aber für Vorschläge, von welcher Seite immer, offen.