Für den Beitrag "Wie immer" wurde Marie Rüscher am Ende der Veranstaltung am 12. März vom Publikum als Gewinnerin gekürt und mit dem von Flossbach von Storch initiierten und geförderten Preis ausgezeichnet. Eine Fachjury hatte im Vorfeld aus zahlreichen Einsendungen, unter anderem aus Wien, Paris und Prag, die Texte der drei Finalistinnen İrem Demirci, Klara Felixberger und Marie Rüscher zum Thema "Echo" nominiert, teilt die lit.COLOGNE mit.
Im Vorfeld der Preisverleihung erhielten alle drei die Gelegenheit, an einem professionellen Schreib-Workshop mit der Autorin Rasha Khayat teilzunehmen und gemeinsam an ihren Einreichungen zu arbeiten. Bei der Preisverleihung im Rahmen der lit.COLOGNE (7.–22. März) berichteten die Teilnehmerinnen in einem Werkstattgespräch über ihren Schreibprozess. Ihre Texte wurden im Anschluss vorgetragen von Schauspielerin Nellie Thalbach. Die Journalistin Charleen Florijn moderierte den Abend im COMEDIA-Theater.
Die Fachjury schrieb in ihrer vorangegangenen Auswahl zur Preisträgerin: "Mit 'Wie immer' entwirft Marie Rüscher ein ebenso beklemmendes wie gegenwärtiges Zukunftsszenario, das erschreckend nah an unserer Realität operiert. Ausgehend von einer intimen Trauersituation entwickelt der Text eine dystopische Dynamik: Die Protagonistin speist die digitalen Überreste ihrer verstorbenen Freundin in eine KI ein und erhält ein scheinbar authentisches Abbild zurück. Was als Trostversuch beginnt, kippt zunehmend in Abhängigkeit und Kontrollverlust. Rüscher verbindet Spannungselemente der Science-Fiction mit hochaktuellen Fragestellungen nach Identität, Selbstbestimmung und digitalem Nachleben. Das digitale Echo wird dabei zur literarischen Metapher einer Gegenwart, in der Erinnerung technisch reproduzierbar scheint und gerade dadurch ihre Unverfügbarkeit verliert – eine Zuspitzung, die die ethische Dimension des Textes eindrucksvoll offenlegt."
Marie Rüscher, 2001 in Österreich geboren, arbeitet freiberuflich in der Wissenschaftsvermittlung und im Journalismus. Sie studierte Neurowissenschaften in Köln und Wien und ist ein festes Mitglied der Kreativfunk-Redaktion des jfc Medienzentrums, einem jungen Radiokollektiv, welches monatlich eine Sendung für Radio Köln produziert. 2025 wurde eine Kreativfunk-Sendung mit dem Preis der Medialen Partizipation ausgezeichnet. Neben gesellschaftspolitischen Themen interessiert sie sich auch für die Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Kunst. Zurzeit lebt sie in Köln.