Studie der Universität Cambridge

Romanautoren fürchten Verdrängung durch KI

25. November 2025
Redaktion Börsenblatt

Jede zweite britische Romanautor:in hält es für wahrscheinlich, dass KI ihre Arbeit verdrängt. Zugleich fordern sie neue Regeln, damit ihre Bücher nicht heimlich als Futter für KI-Modelle dienen.

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Die Angst ist real

Eine von der Universität Cambridge veröffentlichte Studie zeigt, wie tief die Verunsicherung im britischen Literaturbetrieb sitzt. Viele veröffentlichte Romanautor:innen befürchten, dass generative KI ihre Arbeit entwertet oder sogar ersetzt, und dass ihre Werke ohne Erlaubnis zum Training großer Sprachmodelle genutzt wurden. Besonders betroffen sind Tätigkeiten rund um das Schreiben, etwa Übersetzung, Lektorat oder Copywriting, die wichtige Zusatzeinkommen sichern.

Zentrale Ergebnisse der Untersuchung im Überblick:

  • 51 % der veröffentlichten Romanautor:innen glauben, dass KI ihre Arbeit vollständig ersetzen könnte.
  • 59 % gehen davon aus, dass ihre Texte bereits ohne Erlaubnis und Vergütung in KI-Trainingsdaten gelandet sind.
  • 39 % berichten von Einkommenseinbußen durch generative KI.
  • 85 % erwarten, dass sich ihre Einnahmen in Zukunft weiter verschlechtern.
  • 80 % erkennen an, dass KI der Gesellschaft grundsätzlich Nutzen bringen kann.
  • Rund 33 % nutzen KI bereits, vor allem für nicht-kreative Aufgaben wie Recherche.
  • 83 % halten ein Opt-out-Modell bei Text-Mining für schädlich für die Branche.
  • 93 % würden in einem Opt-out-System "wahrscheinlich" oder "definitiv" der Nutzung ihrer Werke widersprechen.
  • 86 % bevorzugen ein Opt-in-Prinzip mit vorheriger Zustimmung und Bezahlung.
  • 48 % befürworten eine kollektive Lizenzierung über Verbände oder Gewerkschaften.
  • 97 % stehen der Idee, dass KI ganze Romane schreibt, "extrem negativ" gegenüber.
  • 87 % bewerten auch den Einsatz von KI für einzelne Textpassagen "extrem negativ".

Schutz vor KI

Durchgeführt wurde die Studie von Dr. Clementine Collett am Minderoo Centre for Technology and Democracy der Universität Cambridge. Befragt wurden 258 veröffentlichte Romanautor:innen und 74 Branchenprofis aus dem britischen Fiction-Sektor. Besonders gefährdet sehen die Befragten Genreautor:innen, etwa in den Bereichen Liebesroman, Thriller und Krimi. Gleichzeitig betonen viele, dass sie KI für bestimmte Routineaufgaben als nützlich ansehen, nicht jedoch als Ersatz für kreative Arbeit.

Im Zentrum der Kritik stehen Urheberrecht, Vergütung und Transparenz. Viele Autor:innen haben das Gefühl, dass ihre Rechte seit dem Aufkommen generativer KI systematisch missachtet werden. Sie lehnen Modelle ab, bei denen KI-Unternehmen Texte standardmäßig nutzen dürfen, solange keine ausdrückliche Sperre erfolgt. Stattdessen fordern sie klare Regeln, Transparenz über Trainingsdaten und faire Bezahlung – etwa über kollektive Lizenzmodelle.

Gleichzeitig geht es den Befragten um die Zukunft des Romans als Kunstform. Sie befürchten eine Verflachung und Vereinheitlichung von Literatur, wenn KI verstärkt verwendet wird und vor allem vorhandene Muster reproduziert. Autor:innen warnen vor einem Vertrauensverlust zwischen Schreibenden und Lesenden, insbesondere wenn der Einsatz von KI nicht offengelegt wird oder gar KI-generierte Bücher unter echten Autor:innen-Namen auftauchen. Die zentrale Botschaft der Studie: Der Roman gilt vielen als schützenswerte, menschliche Kunstform, deren Wert auch im KI-Zeitalter rechtlich und kulturell abgesichert werden muss.