Das Buchbranchen-Update

Verlage klagen gegen Meta ++ RISE-Konferenz ++ Damentoilette vs. Scheck

11. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Diese Woche in der Nachlese: Hamburg fördert unabhängige Verlage, große Häuser in den USA klagen wegen KI-Training gegen Meta – und nach Denis Schecks Verriss gibt es einen literarischen Schnellschuss zur "Damentoilette".

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Wir starten diese Woche mit einem kulturpolitischen Signal aus Hamburg. Dort legt die Stadt als erstes Bundesland ein eigenes Fördermodell für unabhängige Verlage auf, den Hamburger Verlagspakt. Insgesamt stehen dafür 700.000 Euro bereit. Kultursenator Carsten Brosda und Volker Petri vom Börsenverein haben das Modell am 5. Mai vorgestellt. Offenbar wollte Hamburg nicht länger auf einer gemeinsamen Lösung von Bund und Ländern warten. Die Gespräche darüber seien, so Brosda, "zäh bis nicht aussichtsreich" gewesen. Also geht Hamburg jetzt voran, mit der Hoffnung, dass andere Länder nachziehen. Für die Branche ist das eine klare Botschaft: Unabhängige Verlage werden hier als Teil der kulturellen Infrastruktur behandelt. Gefördert werden bis zu 40 unabhängige Verlage mit Sitz in Hamburg, die maximal 2 Millionen Euro Jahresumsatz machen. Pro Verlag sind zwischen 10.000 und 25.000 Euro möglich; das Geld kann für Honorare, Gestaltung, Herstellung oder auch Messeauftritte eingesetzt werden. Eine strukturelle Verlagsförderung im großen Stil ist das zwar noch nicht – dafür ist das Programm zu lokal und begrenzt. Aber Hamburg zeigt: Man kann Verlage gezielt fördern, ohne auf die perfekte bundesweite Lösung zu warten. Das dürfte auch in anderen Ländern gehört werden.

USA: Große Verlage verklagen Meta wegen KI-Training

Während Hamburg die Buchkultur stärken will, kommt aus den USA eine Nachricht, die die Branche aufhorchen lässt. Dort ziehen jetzt mehrere große Verlagshäuser gegen Meta vor Gericht. Elsevier, Cengage, Hachette Macmillan und McGraw Hill haben eine Sammelklage eingereicht. Der Vorwurf: Meta soll Millionen urheberrechtlich geschützte Werke illegal genutzt haben, um sein KI-Sprachmodell Llama zu trainieren – ohne Genehmigung und ohne Entschädigung. Brisant ist die Klage nicht nur wegen der Kläger – sie formuliert den Vorwurf auch sehr direkt. Meta sei sich des Rechtsbruchs bewusst gewesen, und Mark Zuckerberg habe die Verletzungen persönlich genehmigt, heißt es. Meta weist das zurück und beruft sich auf die amerikanische Fair-Use-Doktrin. Für Verlage auch hierzulande ist der Fall deshalb entscheidend: Er verhandelt die Grundsatzfrage, dürfen geschützte Inhalte zum Rohstoff für KI-Modelle werden, ohne dass die Rechteinhaber zustimmen oder beteiligt werden? Das Urteil aus Manhattan wird den deutschen Markt nicht direkt regeln, aber seine Signalwirkung wäre enorm.

Buchhandel international: RISE Bookselling Conference in Verona

Vom globalen Rechtsstreit zur globalen Vernetzung. Am 19. und 20. April trafen sich 300 Buchhändlerinnen und Buchhändler aus über 30 Ländern in Verona zur RISE Bookselling Konferenz. RISE steht für Widerstandskraft, Innovation und Nachhaltigkeit im Buchhandel. Das Börsenblatt hat danach mit sieben deutschen Teilnehmenden gesprochen. Die Themen: Netzwerke, Diversität, Leseförderung – und die Erkenntnis, dass Buchhandlungen zwar sehr verschieden sind, aber oft an denselben Fragen arbeiten. Die Erfahrungsberichte gibt es online.

Börsenverein: Fokustage in Frankfurt

Und damit bleiben wir beim Thema Austausch- und Verbandsarbeit: Am 11. und 12. Juni lädt der Börsenverein zu den Fokustagen nach Frankfurt am Main ein. Die Interessensgruppen Digital, Nachhaltigkeit, Junge Verlage und Reise tagen zu Themen wie KI, Kreislaufwirtschaft und Trendforschung. Das komplette Programm steht jetzt online.

Nachwuchs: Zukunftsparlament und aktuelle Ausbildungszahlen

Am Anfang der Karriere gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Die Bewerbungsfrist fürs Zukunftsparlament am Mediacampus Frankfurt wurde verlängert. Jungprofessionals können sich noch bis zum 31. Mai für einen der 80 Plätze bewerben. Anreise, Unterkunft und Programm werden getragen.

Wir kommen zu den aktuellen Ausbildungszahlen. Die klassische Ausbildung im Buchhandel bleibt stabil. Laut DIHK wurden insgesamt 450 neue Verträge zur Ausbildung zur Buchhändlerin oder zum Buchhändler abgeschlossen. Da sind nur sechs weniger als vor der Corona-Pandemie. Bildungsdirektorin Monika Kolb spricht deshalb von einem Ausbildungsklima auf hohem Niveau; deutlich rückläufig bleibt hingegen die Zahl der Ausbildungen für Medienkaufleute.

Landesverbände: Berlin-Brandenburg will wachsen

Auch in den Landesverbänden bewegt sich was: Bei seiner Jahreshauptversammlung am 6. Mai hat der Landesverband Berlin-Brandenburg um mehr Mitglieder und mehr Mitarbeit geworben. Geschäftsführerin Miriam Gabriela Müller sagte: "Wir müssen mehr werden!" Mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sprach der Verband außerdem über die großen Themen Buchhandel, Kreativwirtschaft und steigende Gewerbemieten.

Schnellschuss: "Die Damentoilette"

Nachdem Denis Scheck in druckfrisch Bücher von Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy negativ bewertet hatte – Zitat: "Geschnatter von der Damentoilette auf einer Hochzeit" – wurde jetzt ein Schnellschuss zum Thema angekündigt. Am 25. Juni erscheint "Die Damentoilette" bei park X ullstein, herausgegeben von Friederike Schielbach. Zwanzig Autorinnen schreiben über einen Ort, den der Verlag als unterschätzten politischen Raum beschreibt, und Passmann liefert den Claim dazu: "Geschnatter auf der Damentoilette für immer."

Weitere News aus der Buchbranche aus KW 19

Frankfurter Buchmesse: Kostenfreie digitale Fachformate starten: Vom 18. bis 21. Mai laufen Masterclasses zu KI, Personal Branding und digitalem Publizieren, am 28. Mai folgt ein The-Hof-Event über Leser-Communities.

Personalie: Eileen Sprenger, langjährige Lektorin bei Piper, Penguin Random House und Bastei Lübbe, hat eine Literaturagentur gegründet. Sie vertritt mit Sitz im Ruhrgebiet Autorinnen und Autoren aus allen Bereichen der Belletristik.

Schweiz: Die Nominierten für Buchhandlung und Verlag des Jahres stehen fest; das Publikum kann abstimmen, verliehen wird am 8. Juni in Bern.

Großhandel: Music Distribution Services übernimmt Graal und Niklas aus Frankfurt; zum 1. Juli werden Kunden, Mitarbeitende und Services integriert.

Buchhandel: In Hamburg schließt die Buchhandlung am Mühlenkamp (Inhaberin Kerstin Westphal geht in den Ruhestand); am 13. Juni eröffnet Heymann dort eine neue Filiale, Mitarbeitende können wechseln.

Neuer Laden: Am Bodensee hat mit Droste & Co. am 1. April eine neue unabhängige Buchhandlung eröffnet. Inhaberin Lili Ludwig erfüllt sich damit den Wunsch, nach vielen Jahren auf Verlagsseite wieder näher an Leser:innen zu arbeiten. Die Buchhandlung in Meersburg ist 60 Quadratmeter groß; ihr Name ist eine Hommage an Annette von Droste-Hülshoff, die eng mit der Stadt verbunden ist.

Literaturpreise: Anna-Seghers-Preis an Daniela Catrileo und Sonja M. Schultz (je 12.500 Euro), Thomas-Mann-Preis an David Grossman (25.000 Euro).

Außerdem: Wörtersee zieht innerhalb von Brühl um und vergrößert die Fläche; am 28. Mai ist in Berlin wieder Comic-Fachtag in der Bibliothek am Luisenbad; der Berliner Verlagspreis ist ausgeschrieben (Bewerbung bis 10. Juli).