Jugendbuchmesse Bologna

"Ein Buch schreit nicht alle drei Minuten 'Breaking News!'"

13. April 2026
Stefan Hauck

Bei Nieselregen treffen sich die deutschsprachigen Verleger:innen zur Internationalen Jugendbuchmesse, die sie im nächsten Jahr dann mit einer Tram erreichen können. Erste Impressionen aus Bologna.

Im Garten des Istituto die Cultura Germanica: Beim avj-Empfang kommen stets so viele Gäste, dass der Garten mitgenutzt werden muss - im Vordergrund Michael und Andrea Schnepf von der österreichischen "Buchkultur" und Autor Mathias Siebel, früher Verlagsleiter bei Bastei Lübbe

Im Garten des Istituto die Cultura Germanica: Beim avj-Empfang kommen stets so viele Gäste, dass der Garten mitgenutzt werden muss - im Vordergrund Michael und Andrea Schnepf von der österreichischen "Buchkultur" und Autor Mathias Siebel, früher Verlagsleiter bei Bastei Lübbe

Zum Auftakt der 63. Internationalen Jugendbuchmesse in Bologna hat Sänger Vasco Rossi über Instagram aufgerüttelt: "Lesen macht euch nicht perfekt … aber wenigstens ein bisschen weniger ferngesteuert. Und das ist heute schon rock", meint Rossi und zeigt in einem ersten Post ein Buch mit weißem Cover. Und schreibt in weiteren Posts: "Ein Buch vibriert nicht, schickt keine Benachrichtigungen, schreit nicht alle drei Minuten 'Breaking News!' – aber es bringt zum Nachdenken. Und manchmal versteht man dadurch sogar etwas. Es ist leiser, aber sehr viel gefährlicher."

Kristy Koth eröffnet den avj-Empfang

Kristy Koth eröffnet den avj-Empfang

"Was können wir besser als andere?"

"Wir kommen hier traditionell am Vorabend zur sympathischsten Messe der Welt zusammen", begrüßte Kristy Koth vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen avj die rund 130 Verlagsmitarbeiter:innen, Autor:innen, Illustrator:innen und Literaturagent:innen im Istituto di Cultura Germanica. In schwierigen Zeiten wie diesen habe man oft ein Gefühl der Machtlosigkeit; dabei sei es sinnvoll, sich auf das zu konzentrieren, was man am besten könne. "Und was können wir besser als andere? Mit Leidenschaft Kinder- und Jugendbücher produzieren, die perfekten Bücher auf der Messe entdecken, mit Bedacht das exakt richtige Papier aussuchen und mit Sorgfalt lektorieren." Auch wenn der Markt derzeit schrumpfe: "Viele Eltern suchen qualitativ hochwertige Bücher von 'echten' Autor:innen" und schauten auf die Verlagsnamen, die sichtlich nachvollziehbar mit guten Titeln geglänzt hätten. Derzeit arbeite die avj intensiv an einem Button, der zeige, dass ein Buch von Menschen entwickelt worden sei, erläuterte Koth und dankte insbesondere Nina Grünberger von NordSüd und Frank Kühne von Carlsen. Für den rund zweistündigen Empfang hatte die lettische Druckerei Livonia dankenswerterweise das Büffet gesponsort, überall gab es ein großes Hallo und intensive Gespräche, manch neues Projekt wurde mitgeteilt.

Blick in die Menge: Im Vordergrund (v.i.)  avj-Geschäftsführerin Barbara Müller, Illustratorin Marion Goedel, Lektorin Natalie Tornai, das Illustratorenpaar Moni Port und Philip Waechter

Blick in die Menge: Im Vordergrund (v.i.)  avj-Geschäftsführerin Barbara Müller, Illustratorin Marion Goedel, Lektorin Natalie Tornai, das Illustratorenpaar Moni Port und Philip Waechter

Mehr Titel zur emotionalen Bildung von Jungen

Die Fiera del Libro per Ragazzi setzt in diesem Jahr Schwerpunkte auf Fabeln und Märchen, neue Formen des Lesens, Kindheitswelten und auf Künstliche Intelligenz als narrative Praxis. Innocenzo Cipolletta, Präsident der italienischen Verlegervereinigung AIE, sieht KI als einen längst laufenden Prozess: "Die Frage ist nicht, ob KI in unsere Verlagsarbeit einzieht, sondern wie sich ihre Auswirkungen so steuern lassen, dass sie mit Qualität, Verantwortung und Nachhaltigkeit des Sektors vereinbar sind." Ein Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit Geschlechterstereotypen, in Zusammenarbeit mit UN Women. Derzeit erscheinen mehr Titel zur emotionalen Bildung von Jungen, diskutiert werden gerade Claudia De Lillos "Esseri maschi. Istruzioni per macchine apparentemente semplici" (Feltrinelli, eine Reise durch die Welt der Jugendlichen von heute und der Erwachsenen von morgen) und die Graphic Novel "Del buio non ho paura" (Il Castoro) von Silvia Vecchini und Sualzo, beide Titel ab 12 Jahren.

Derzeit werden in Bologna die Schienen für eine Straßenbahn gebaut

Derzeit werden in Bologna die Schienen für eine Straßenbahn gebaut

Norwegen ist Ehrengast

Erwartet werden in Bologna 1.503 Aussteller aus 90 Ländern und Regionen; als neue teilnehmende Länder sind u. a. Barbados, Kamerun, Nepal, Ruanda, Trinidad und Tobago, Uruguay, Usbekistan und Sambia dabei. Norwegen ist Ehrengastland und präsentiert sich unter dem Motto "What if?" – "Was wäre, wenn oben unten wäre? Wenn außen innen wäre? Wenn ich du wäre?", ein Zugang zu Meinungsfreiheit und Gleichheit, der Kinder als Individuen mit eigener Perspektive ernst nimmt und sie ermutigt, Antworten selbst zu suchen. Zu den Programmpunkten zählt eine Ausstellung mit Arbeiten von 49 Illustrator:innen. Im Verlag Iperborea erscheint zudem das Bilderbuch "Il giorno del gigante" des norwegischen Literaturnobelpreisträgers Jon Fosse, illustriert von Akin Düzakin. Als Ereignis gilt, dass Italiens Bestsellerautor Gianrico Carofiglio, einer der meistverkauften italienischen Autoren, am 16. April mit "Accendere i fuochi" (Mondadori) sein erstes Buch für junge Leser:innen (und "eigentlich für alle") vorstellt.

Derzeit werden übrigens in Bologna Schienen für eine Straßenbahn verlegt: Ab Juni sollen dann die Linea Rossa und die Linea Verde für weniger verstopfte Straßen sorgen und den ÖPNV stärken. Zur Jugendbuchmesse 2027 wird die Tram dann bis zum Messegelände fahren.