Gastspiel von Dietrich zu Klampen
Fördert die Verlage!
1. Oktober 2021
Was bleibt, wenn qualitativ herausragende Bücher nicht gemacht werden können, weil die Erlöse aus Verkäufen sie nicht mehr refinanzieren? Dietrich zu Klampen sieht hier die Kulturpolitik in der Pflicht zu helfen.
Andererseits: Der Staat - Bund, Länder und Gemeinden, ggf. via EU - subventioniert mit Milliardenbeiträgen die Landwirtschaft, darunter viele ertragreiche Großkonzerne. Er subventioniert mit hunderten Millionen € die Autoindustrie durch Forschungsmittel (die die Autokonzerne aus ihren Milliardenerträgen problemlos selberaufbringen könnten) und Abwreackprämien wie in der Finanzkrise. Dito den Flugverkehr (durch steuerfreies Kerosin), den Export von Maschinenbauern etc. (durch Hermes-Bürgschaften), die "Hochkultur" wie den Betrieb von Opernhäusern, Theatern und Orchestern mit aberhunderten Millionen € und durch Neubau und Sanierung (Gasteig: 450 Mio, Elbphilharmonie: 877 Mio, die Sanierung der Alten Oper Berlin, der Opern in Stuttgart und Köln etc. etc.), den Massen- und den Leistungssport, die Apotheken (Stichwort Gratisabgabe von Mund-Nasenschutz-Masken etc.) u.v.m.
Gleichzeitig entzieht der Staat, die öffentliche Hand der Branche der Buchbranche insgesamt nicht unerhebliche Umsatz- und Ertragspotentiale, z.B. durch Zwangsrabatte auf Schulbücher, durch stetige Reduzierung der Ankaufsetats von Bibliotheken, durch die "Enteignung" von Urheberrechten insbesondere zu Lasten von Wissenschaftsverlagen. (Es seien aber auch positiv erwähnt: Der reduzierter MwSt,-Satz für Bücher, die vor einigen Jahren ins Leben gerufenen Verlags- und Buchhandelspreise - die freilich keine "kalkulierbare" Größe darstellen! die zahlreichen Literaturpreise für AutorInnen...)
Vor diesem Hintergrund finde ich für eine Kulturnation (die sie ja immer noch ist) wie Deutschland den Ruf nach einer verlässlichen, kalkulierbaren und breiteren Verlags- und Literaturförderung nicht unangemessen. Als beispielhaft könnte z.B. Österreich gelten.