Verlagspreis 2026: Erklärung von Jurorinnen und Juroren

"Unabhängigkeit von Fachjurys ist das höchste Gut"

3. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Fünf von sieben Jurorinnen und Juroren für den Deutschen Verlagspreis 2026 haben vor Beginn ihrer Jurytätigkeit eine Klarstellung vom BKM über die Unabhängigkeit und Verbindlichkeit ihrer Arbeit eingeholt - und Antwort von Wolfram Weimer bekommen. Die von Alexander Cammann, Isabele Cole, Ines Dettmann, Katharina Holzmann und Deniz Utlu unterzeichnete Erklärung im Wortlaut. 

5 Juror:innen des Deutschen Verlagspreises mit Logo

Fünf der sieben Jurymitglieder des Deutschen Verlagspreises 2026: Isabel Fargo Cole und Ines Dettmar (obere Reihe von links), Katharina Holzmann, Deniz Utlu und Alexander Cammann (untere Reihe von links). 

NIcht im Bild sind die Juroren Jörg Thadeusz und Friedhelm Marx

Die Jury des Deutschen Verlagspreises 2026 hat ihre Arbeit aufgenommen. Zunächst war es notwendig, die Voraussetzungen ihrer Arbeit zu klären. Die Vorgänge um den Deutschen Buchhandlungspreis 2025, bei dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Frühjahr 2026 drei von der Jury ausgewählte Buchhandlungen von der Auszeichnung ausschloss, haben das öffentliche Vertrauen in die Unabhängigkeit und Verbindlichkeit fachlicher Juryentscheidungen beschädigt. Vor diesem Hintergrund warfen die Formulierungen in der Pressemitteilung des BKM zur Auslobung des Deutschen Verlagspreises die Frage auf, ob auch das Votum dieser Jury uneingeschränkt Bestand haben wird. Die unterzeichnenden Jurorinnen und Juroren hielten es deshalb für notwendig, hierzu vor Beginn ihrer Beratungen eine verbindliche Klarstellung vom BKM einzuholen.

Mit Schreiben vom 16. Juli 2026 an die Jurymitglieder versicherte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, dass es keine Änderungen an der Arbeit und Entscheidungsfindung der Jury geben werde. Die anschließende Aufgabe des BKM beschränke sich auf die formale Bestätigung der Entscheidung und die Auszahlung der Preisgelder.

Mit Schreiben vom 16. Juli 2026 an die Jurymitglieder versicherte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, dass es keine Änderungen an der Arbeit und Entscheidungsfindung der Jury geben werde. Die anschließende Aufgabe des BKM beschränke sich auf die formale Bestätigung der Entscheidung und die Auszahlung der Preisgelder. Wir verstehen diese Zusicherung als verbindliche Grundlage der weiteren Juryarbeit.

Haber-Verfahren und Beratungsgremium

Das Haber-Verfahren, also die Einbeziehung des Verfassungsschutzes zur Prüfung von Preisträgern, ist von vielen Seiten, u. a. vom Bundesbeauftragten für Datenschutz, wegen Intransparenz, Datenschutzbedenken, fehlender Rechtsgrundlage und Unverhältnismäßigkeit kritisiert worden. Mit unserem Verständnis von einem unabhängigen und fachlich verantworteten Auswahlverfahren ist es nicht vereinbar. Zugleich haben sich Börsenverein, Kurt Wolff Stiftung und das Bundeskulturministerium auf die Möglichkeit eines Beratungsgremiums geeinigt. Dieses kann auf Veranlassung der Jury oder des BKM bei sogenannten »Zweifelsfällen« ausschließlich beratend aktiv werden. Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Einrichtung der Beratungsgruppe ohne Beteiligung der Jury vereinbart wurde. Wir akzeptieren die Möglichkeit der Einberufung eines solchen Beratungsgremiums als vorläufige Absicherung gegen die Anwendung des Haber-Verfahrens und die Einbeziehung des Verfassungsschutzes, solange die gerichtliche Klärung des Haber-Verfahrens noch abzuwarten ist.

Voraussetzung ist, dass das Gremium ausschließlich beratend tätig wird und weder die Unabhängigkeit der Jury noch die Verbindlichkeit ihres Votums berührt. Sobald für das BKM die Möglichkeit des Haber-Verfahrens entfällt, sollte auch ein solches Gremium obsolet werden.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Einrichtung der Beratungsgruppe ohne Beteiligung der Jury vereinbart wurde. Wir akzeptieren die Möglichkeit der Einberufung eines solchen Beratungsgremiums als vorläufige Absicherung gegen die Anwendung des Haber-Verfahrens und die Einbeziehung des Verfassungsschutzes, solange die gerichtliche Klärung des Haber-Verfahrens noch abzuwarten ist.

Wir werden unserer Arbeit gewissenhaft nachgehen, politische Einflussnahme nicht hinnehmen und zu einer unabhängigen Entscheidung kommen. Die Unabhängigkeit von Fachjurys ist das höchste Gut, um das gesellschaftliche Vertrauen in Preisverfahren und daran anschließende Vergabe öffentlicher Mittel (wieder) herzustellen.

Alexander Cammann, Isabele Cole, Ines Dettmann, Katharina Holzmann und Deniz Utlu