Konkreter Anlass für die Veranstaltung: Der Tag der Demokratiegeschichte, der 18. März zum ersten Mal bundesweit gefeiert worden ist – und der laut aktuellem Bundestagsbeschluss von Donnerstag (19. März) nun jährlich stattfinden soll. Für ihn sei das geschichtsträchtige Datum „der Valentinstag zwischen Deutschland und der Demokratie“, so Wolfram Weimer, der tagsüber zur Abstimmung im Parlament in Berlin war und dann wieder zurück nach Leipzig fuhr, um einen kurzen Vortrag im Rahmen der DNB-Veranstaltung zu halten. Den geplanten Messerundgang hatte er dagegen abgesagt.
Der Druck auf die Freiheit der Medien, so der Kulturstaatsminister, sei weniger politischer als algorithmischer und ökonomischer Natur. Vielfalt erodiere, die freie Öffentlichkeit werde eingehegt in einen digitalen Käfig – für den die großen Tech-Konzerne den Schlüssel haben. Es dürfe nicht sein, dass Google & Co. zu „Schleusenwärtern unseres Bewusstseins“ würden, warnte Weimer.
Auf das Thema Deutscher Buchhandlungspreis ging er in seiner Rede über Medien- und Meinungsfreiheit dagegen nur mit einem kleinen Schlenker zum Schluss ein, eingepackt in ein Lob an die Stadt Leipzig: Man könne sich so wunderbar streiten in dieser Stadt – "und sich sogar ausbuhen lassen“, so Weimer mit Blick auf die Eröffnung im Gewandhaus am Mittwoch.
Ein "irrer Auftritt": So kommentierte der "Spiegel" das kurze Gastspiel in der DNB, das Weimer noch vor Diskussion und Aussprache wieder verließ. Man könnte auch sagen: Da spielt ein Kulturstaatsminister "Business as usual" auf einer Buchmesse - die das nach seinen Entscheidungen der vergangenen Wochen einfach nicht ist. Zumindest nicht, wenn es um Meinungsfreiheit und um die Rolle der Nationalbibliothek geht.