Buchhandlungen in Baden-Württemberg über die Corona-Vorgaben

"Wer 3G nicht nachweisen kann, wird draußen bedient"

22. November 2021
von Börsenblatt

In den Hotspots wie Biberach gilt seit heute sogar 2G: Buchhandlungen in Baden-Württemberg müssen jetzt kontrollieren, ob Kund*innen geimpft, genesen und gegebenenfalls getestet sind. Wie ist der Samstag mit der neuen Regelung gelaufen? Und war der Laden trotzdem voll? Kolleginnen und Kollegen über ein anlaufendes Weihnachtsgeschäft unter sehr speziellen Bedingungen.

Nur 3G: Hinweisschild vor der Ladentür

Nur 3G: Hinweisschild vor der Ladentür

Markus Schneider, Buchhandlung Taube, Marbach

Markus Schneider, Buchhandlung Taube, Marbach

Aus der Handelsperspektive macht uns der Papiermangel bei den Nachdrucken aktuell mehr Sorgen als die Corona-Lage.

Markus Schneider, Buchhandlung Taube, Marbach

„Die 3G-Kontrollen sind bei uns komplett unproblematisch verlaufen. Unsere Kunden wussten Bescheid und haben sich sehr professionell verhalten – die meisten hatten direkt ihr Handy mit dem Zertifikat oder ihren Impfpass parat. Da gab es keine Schwierigkeiten. Der erste Samstag ist bei uns gut verlaufen, wir sind zufrieden. Beim Umsatz sind wir wieder auf Vor-Corona-Niveau, wobei wir bereits im Vorjahr ein gutes Weihnachtsgeschäft hatten. Dass die Kunden jetzt schon Geschenke hamstern, merkt man nicht. Allerdings macht uns der Papiermangel bei den Nachdrucken aktuell mehr Sorgen als die Corona-Lage.“

Porträtbild Sabina Kratt

Sabina Kratt

Es gab einige wenige, ungeimpfte Kunden, die wütend den Laden verlassen haben.

Sabina Kratt: Buchhandlung Klein, Rottweil:

„Die 3G-Kontrollen sind relativ gut verlaufen. Es gab einige wenige, ungeimpfte Kunden, die wütend den Laden verlassen haben. Aber die meisten hatten schon ihr Handy mit dem Impfnachweis parat. Nach dem Nachweis haben wir an der Kasse, aber auch auf der Ladenfläche gefragt. Da haben uns die Hinweise vom Landesverband des Börsenvereins weitergeholfen (Anmerkung der Redaktion: mehr dazu und ein Plakatmotiv zum Download hier). Der Samstag lief bei uns gut, es wurden schon viele Weihnachtsgeschenke gekauft. Die Schließung im Dezember 2020 hat bei den Kunden zu einem Lerneffekt geführt – sie kaufen lieben etwas früher ein, weil sie die Angst haben, dass wieder alles geschlossen wird.“

Die Innenstadt von Biberach ist menschenleer.

Helen Gimple, Buchhandlung Gimple, Biberach:

„Die neue 2G-Regel gilt bei uns erst am heutigen Montag. Bei 3G waren wir einer der ersten Landkreise, in denen der Handel kontrollieren musste. Der Effekt war deutlich. Die Innenstadt ist menschenleer und die Umsätze sind entsprechend richtig schlecht. Ähnliches Feedback bekomme ich auch von den anderen Kollegen im Einzelhandel. Die Stammkunden akzeptieren die Kontrollen beim Beratungsgespräch oder an der Kasse. Unbekannte Kunden lassen ihren Ärger bei uns schon mal raus und beginnen mit uns zu diskutieren. Das kann auch daran liegen, dass wir der erste Laden nach dem Bahnhof in Biberach sind.“

Porträtfoto Pia Ziefle

Pia Ziefle

Wir nutzen die Kontrolle direkt für den Einstieg ins Gespräch.

Pia Ziefle, Unser Buchladen, Mössingen:

„Bei uns gab es wegen der 3G-Kontrollen keine Proteste. Wir sind ein sehr kleiner Laden und überprüfen jeden direkt, wenn er reinkommt. Die meisten haben ihr Handy mit dem Zertifikat schon in der Hand und wir können dann die QR-Codes einscannen. Das funktioniert sehr gut. Es gibt auch noch einige ältere Kunden mit dem Impfpass und auch das klappt. Wir nutzen die Kontrolle direkt für den Einstieg ins Gespräch mit den Kunden. Die Kundenfrequenz und der Umsatz wurden durch die neue Regelung nicht negativ beeinflusst. Da sind wir zufrieden. Wir bekommen eher positives Feedback, weil wir so streng sind. Die Leute kaufen schon seit Wochen ihre Geschenke für Weihnachten, da spielen wohl die Erfahrungen aus dem Vorjahr eine Rolle. Wir haben zum Beispiel schon Mitte Oktober so viele Kalender wie noch nie verkauft.“

Porträtfoto Sabine Schlag

Sabine Schlag

Wir hatten uns das schwieriger vorgestellt.

Sabine Schlag, Buchhandlung am Obertor, Radolfzell:

„Bei uns laufen die 3G-Kontrollen sehr gut. Wir hatten uns das schwieriger vorgestellt, auch weil es hier um sehr persönliche Dinge geht. Wir haben am Eingang eine Tafel aufgestellt, auf der wir die Kunden bitten, uns die Nachweise zu zeigen. Das klappt sehr gut, es gibt keine Proteste. Und wer 3G nicht nachweisen kann, wird draußen vor dem Laden bedient. Mit dem Weihnachtsgeschäft sind wir bislang sehr zufrieden. Es hat in diesem Jahr deutlich früher angezogen. Da merkt man die Verunsicherung der Leute wegen möglicher Schließungen.“