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Authentisch führen

3. April 2021
von Marcus Schuster

Die frühere »Bravo«-Chefredakteurin Nadine Nordmann (40) berät und coacht Unternehmen und ihre Führungskräfte in Sachen Changemanagement, insbesondere beim Thema Gender Diversity.

Nadine Nordmann

Changemanagement und Gender Diversity dürften mittlerweile in jedem größeren Unternehmen ein ­Begriff sein, manchmal vielleicht zur Phrase verkommen. Wo setzen Sie mit Ihren Trainings an?
Wir brauchen mehr Lösungsmanagement und weniger Konfliktmanagement. Speziell beim Thema Gender Diversity. Männliche Manager frage ich: Wie könnt ihr von euren Mitarbeiterinnen und konkret von weiblicher Führung profitieren? Frauen gehen viele Dinge anders an, das eröffnet neue Perspektiven. Umgekehrt kenne ich viele Frauen, die schon Führungskraft sind oder werden wollen und die verun­sichert sind, weil sie ihre Rolle noch nicht gefunden haben. Das liegt meist am männlich dominierten Umfeld. Bei vielen Frauen passiert dann etwas Interessantes.

Was denn? 
Sie fangen an, männliches Führungsverhalten zu übernehmen, sind dabei aber gar nicht glücklich – weil es nicht zu ihnen passt. Sie haben irrtümlicherweise das Gefühl, ohne Unterlass stark sein zu müssen für ihr Team. Natürlich ist eine Führungskraft immer ein Vorbild, aber es gibt einen Unterschied zwischen Stärke und Kraft. Auch eine Chefin – wie auch ein Chef – muss sagen dürfen: Ich komme hier nicht weiter, ich brauche Unterstützung. Dazu gehört auch, Fehler zuzugeben, was Frauen – so meine Beobachtung – oftmals leichter fällt. Nur dann entsteht Augenhöhe, und genau das macht eine Führungskraft wirklich kraftvoll. Mit meinen Klientinnen arbeite ich im Coaching gezielt daran, ihren eigenen, authentischen Stil zu finden, der es ihnen erlaubt, ihre weiblichen Stärken und Kompetenzen bewusst und erfolgreich einzubringen.

Eine gute Führungskraft hat permanent eine Art Coach- und Trainerfunktion.

Nadine Nordmann

Wie haben Sie früher als Chefredakteurin Ihren Führungsstil gefunden?
Das Wissen von heute hätte ich gern vor zehn Jahren gehabt. Eine professionalisierte Führungspersönlichkeit zu werden, war ein Prozess. 

Haben Sie sich deshalb entschieden, selbst Coach zu werden?
Menschen zu coachen liegt mir nicht fern. Ich habe Psychologie studiert und mich berufsbegleitend zu meiner Tätigkeit bei der Bauer Media Group schon vor einigen Jahren zum systemischen Coach ausbilden lassen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass eine gute Führungskraft permanent eine Art Coach- und Trainerfunktion hat. Ich selbst habe dies in meinen Positionen gelebt.

Als Verlegerin ist Ihre frühere Chefin Yvonne Bauer noch immer eine Exotin in einem von Männern dominierten Geschäft.
Das stimmt. Und es zeigt, dass Frauen und Männer noch nicht wirklich gleichgestellt sind. Das Gefühl, als junge erfolgreiche Frau in einen Raum voller älterer Herren zu kommen, kenne ich aus eigener Erfahrung. Gender Diversity ist in den vergangenen Jahren zum Glück zu einem wichtigen Thema geworden, aber für mich ist es an vielen Stellen zu konfrontativ. Das ist schade, denn ich glaube, dass Zusammenarbeit nur funktioniert, wenn man kooperiert. Der Weg sollte uns weg vom alten Macht- und Hierarchiedenken hin zu einer neuen Unternehmenskultur führen, die auf Vertrauen, Chancengleichheit, Partizipation und Kollaboration basiert. In einer solchen Veränderung liegt die größte Chance – für Frauen und Männer.  
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