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Emotionale Ansprache

22. Januar 2021
von Marcus Schuster

Wie hält man Mitarbeiter in Zeiten von Corona und Homeoffice bei der Stange und erzeugt trotz Distanz ein Wir-Gefühl? Arbeitgeber haben sich dazu in diesem Jahr einiges einfallen lassen.

Eine Besprechung im Jahr 2020 geht so: 9 bis 9.30 Uhr, alle Punkte abgearbeitet, keine Fragen mehr offen. Klingt gut? Nein. Denn worüber man nicht geredet hat: das Wochenende. Die Kinder. Den Flurfunk. Weil das aber wichtig ist, um ein Team zusammenzuhalten, wie Rüdiger Stadler weiß, wurden die Onlinemeetings bei Continental auf 45 Minuten erweitert. »Damit auch Zeit für das Persönliche bleibt.« Für den lockeren Austausch, der früher am Kaffeeautomaten, auf dem Gang oder in der Kantine stattfand. 

Stadler leitet die globale interne Konzernkommunikation des Technologieunternehmens. Eine Disziplin, die sich in vielen Unternehmen in diesem Jahr vom ewigen Schatten der externen PR-Arbeit emanzipiert hat. Mehr noch: »Interne Kommunika­tion ist zu einem zentralen Erfolgsfaktor geworden« – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Sie beschreibt die immensen Herausforderungen, vor denen die Verantwortlichen seit nunmehr fast einem Jahr stehen: »Wie kommt die Firmenkultur nach Hause? Wie gelingt eine authentische Kommunikation, die nah an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden ist und gleichzeitig Strategie und Werte der Organisation vermittelt?«

Corona hat die Digitalisierung auch in der Mitarbeiterkommunikation beschleunigt. Belegschaften wollen in der Krise möglichst täglich mit neuen Informationen über die Pandemie und organisatorische wie arbeitsrechtliche Folgen informiert werden. Das funktioniert nur über gut gepflegte Intranets oder Mitarbeiter-Apps. Bei der Allianz zum Beispiel war das Social Intranet als Informationsplattform in diesem Jahr so wichtig, dass die regelmäßig aktualisierte Corona-Seite mit den gültigen Regelungen zu Meetings, Dienstreisen und dergleichen inzwischen mehr als 2,5 Millionen Mal aufgerufen wurde. Bei Volkswagen hat sich die Nutzerzahl der »360°-App« zuletzt mehr als verdoppelt.

Neben den Fakten sei die »emotionale Ansprache in einer Zeit voller Unsicherheit« wichtig, sagt Tobias Geiger, Leiter der internen Kommunikation bei der Deutschen Bahn. Ein Arbeitgeber müsse Sicherheit vermitteln und den Zusammenhalt hervorheben. Mit der Serie »Bahner für Bahner« hat die Bahn Menschen aus den eigenen Reihen als Held*innen der Krise porträtiert. 

Das Spontane planen

Homestorys aus dem Homeoffice, Corona-Bingo und vieles mehr – zahlreiche Unternehmen waren in diesem Jahr kreativ, um den Kontakt zu ihren Mit­arbeiter*innen stabil zu halten. Die Allianz, die sich für exzellente Kantinen rühmt, hat Köche an den 13 deutschen Unternehmensstandorten ihre Lieblingsrezepte fürs Homeoffice vorstellen lassen. »Diese wöchentliche Serie ist super angekommen«, sagt die Kommunikationschefin der Allianz Deutschland, Christina Bersick. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten die Vorschläge nachgekocht und Fotos von ihren Gerichten veröffentlicht. »Leichte Themen sind in solchen Zeiten sehr wichtig, das hat die große Resonanz gezeigt, die wir dafür bekommen haben«, sagt Bersick.

Virtuelle Zusammenarbeit hat in diesem Jahr manche neue Facette bekommen – und gezeigt, dass sie funktionieren kann, findet Rüdiger Stadler von Continental. Und selbst manch  ­traditionelle, auf den ersten Blick banale Maßnahme, hat den richtigen Ton getroffen: Nach Ende des ersten Lockdowns im Frühjahr begrüßte VW die Frühschicht mit großen Plakaten an den Werkstoren, auf denen rote Herzen und ein Gruß aufgedruckt waren: »Willkommen. Ihr seid mit Abstand die bes­ten Kollegen!«.

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