Mit dem Wegzug von etablierten Standorten geht oft auch der Verlust gewachsener regionaler Netzwerke, Expertise und Ausbildungsstrukturen einher, die primär in großen Verlagshäusern bestehen. Nicht jede:r kann oder möchte sich in einer der großen Städte eine Existenz aufbauen. Damit riskieren Verlage, wertvolle Perspektiven zu verlieren, was sich langfristig auf die Programmgestaltung und die redaktionelle Vielfalt auswirkt. Denn wenn Belegschaften zunehmend aus denselben privilegierten, urbanen Milieus stammen, werden andere Sichtweisen und Erfahrungswerte ausgeklammert und damit weniger repräsentiert.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass es in Frankfurt und Leipzig – den beiden großen Buchmessestädten Deutschlands und zugleich Standorte buchnaher Studiengänge – immer weniger Verlage und damit fast keine Praktikumsplätze, Werkstudierendenstellen Volontariate oder Anschlussstellen gibt. Studierende, die sich für einen dieser Studienorte entscheiden, um dort die Grundlage für ihren Berufseinstieg zu legen, finden nur begrenzte Möglichkeiten vor, praktische Erfahrungen und Zukunftsperspektiven vor Ort zu sammeln.
Wer sich umfassend auf den Einstieg in die Branche vorbereiten will, muss also Umzüge in Kauf nehmen, nicht selten in Städte mit den höchsten Lebenshaltungskosten Deutschlands. Gleichzeitig riskiert man dadurch den Wegfall wichtiger Einkünfte durch zuvor bestehende Werkstudierendenstellen oder Minijobs. Auch Jule Heer thematisiert in ihrem Artikel vom 3. Juli 2026 auf boersenblatt.net die Hürden beim Berufseinstieg. Dort berichten junge Berufseinsteiger:innen davon, dass ihnen bei ohnehin niedrigen Einstiegsgehältern oft schlicht das Geld fehlt, um sich ein Leben in den großen Verlagsstädten überhaupt leisten zu können.