Lesetipp: Interview mit Deniz Yücel zum PEN-Streit

Yücel: "Was mich nervt, ist diese Bratwursthaftigkeit"

13. April 2022
von Börsenblatt

PEN-Präsident Deniz Yücel äußert sich in der "Zeit" erstmals in einem ausführlichen Interview zu den an ihn gerichteten Rücktrittsforderungen. Grund waren seine Forderungen bezüglich des Ukraine-Kriegs.

Deniz Yücel arbeitet als Journalist bei der »Welt« und ist Präsident des deutschen PEN-Zentrums 

Wegen seines Plädoyers für eine Flugverbotszone über der Ukraine auf einem Podium der lit.Cologne war Deniz Yücel von fünf ehemaligen PEN-Präsidenten kritisiert worden – sie forderten Ende März seinen Rücktritt (siehe Börsenblatt online: "Abwahlantrag gegen Deniz Yücel und PEN-Präsidium eingereicht"). Anfang April reichten 36 PEN-Mitglieder einen Abwahlantrag ein (siehe Börsenblatt online: "Streit um PEN-Präsident Deniz Yücel geht weiter").

Nun äußert sich Deniz Yücel in einem ausführlichen Interview in der "Zeit" vom 13. April zur Sache.

Als Grund für den Streit nennt Yücel einmal die politische Frage, was der in der PEN-Charta festgeschriebene Einsatz für den Frieden angesichts eines Angriffskrieges bedeute. Und die andere Ebene sei Vereinsknatsch, "zu dem ich bislang gesagt habe: Interna klären wir intern". So würden etwa die Kollegen vom ukrainischen PEN viel eindeutiger als er eine Flugverbotszone fordern, weil sie den "Frieden zurückgewinnen wollen, ohne die Freiheit zu verlieren".

Wie hat er auf die drastische Rücktrittsforderung reagiert? Hier sei ihm einmal der Satz rausgerutscht: "Ich habe mich schon mit ganz anderen Präsidenten angelegt." Das hätte er erst bedauert, dann habe er gedacht: "Ist doch wahr." Seine Antwort sei gewesen: "Nö, zurücktreten ist nicht. Aber lasst uns über diese Fragen diskutieren, dafür ist dieser Verein doch da. Das werden wir auf unserer Mitgliederversammlung im Mai in Gotha tun".

Zu den Vorwürfen gegen seinen Führungsstil sagt Yücel: "Beim Schreiben brauche ich Autonomie, aber nicht beim Handeln als Präsident. Da bin ich sehr für Demokratie, Professionalität und Arbeitsteilung. Was mich nervt, ist diese Mischung aus dünkelhafter Bratwursthaftigkeit und Kolonialherrengehabe, auf die ich neben vielen tollen Dingen und Menschen im PEN auch gestoßen bin."

Das komplette Interview von Jana Hensel ("Ich bin kein Tätschelausländer") ist auf Zeit online zu lesen – allerdings hinter einer Zahlschranke.