Das Buchbranchen-Update

Zahlen zu Denis Schecks Verrissen ++ ChatGPT und das Urheberrecht ++ Bologna

20. April 2026
Redaktion Börsenblatt

In dieser Folge der Nachlese blicken wir auf eine ereignisreiche Woche in der Buchbranche – mit einem bestürzenden Experiment rund um KI, frischen Eindrücken aus Bologna und einigen Neuigkeiten, die zum Nachdenken anregen.

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Penguin Random House klagt ja gegen OpenAI, das war das Thema in unserer letzten Ausgabe. Jetzt gibt es neue Einblicke aus der Rechtsperspektive. Rainer Dresen, der Justiziar der Verlagsgruppe, hat getestet, wie schnell ChatGPT Inhalte aus "Der kleine Drache Kokosnuss" reproduziert.

Das Ergebnis ist verblüffend. Mit nur ein paar einfachen Befehlen hat die KI in nur 60 Minuten ein fertiges KI-Buch ausgespuckt. Wir reden hier von 8 Farbtafeln und 20 Seiten Text, bereit zum Hochladen bei Amazon. Dresen stellt fest, das sei eindeutig kein bloßer Zufall und keine Inspiration. Die KI hat aber nicht nur den Stil und die Inhalte kopiert.

Sie hat auch ungefragt den Namen des Nutzers aufs Cover gesetzt, eine Autorenvita erfunden und gleich noch den Sternfunke Verlag dazu. Die Forderung der Verlagsgruppe ist deshalb klar: Diese Art der Reproduktion ist unzulässig. KI-Unternehmen sollen ihre Trainingsdaten transparent machen und Lizenzen für geschützte Werke einholen.

Das ganze Interview dazu findet ihr auf boersenblatt.net.

Kinder- und Jugendbuchmesse Bologna

Letzte Woche war wieder die internationale Kinderbuchmesse in Bologna. An den Ständen ging es vor allem um Markttrends und Leseförderung. Viele aus der Branche sehen das größte Potenzial weiterhin bei den Büchern für die Jüngsten, also für die Kinder von 0 bis 6 Jahren.

Sorgen bereitet aktuell eher das klassische Jugendbuch. Viele Verlage haben ihre Programme ausgedünnt, weil sie die Leser:innen schlechter erreichen. Auch über Romance und Romantasy wurde gesprochen. Klar ist, das Genre bleibt, aber viele sehen den Höhepunkt in diesem Jahr schon erreicht und finden zu viele Titel einfach austauschbar.

Insgesamt erweist sich das Kinder- und Jugendbuch aber als Stabilitätsfaktor. In Italien konnte das Segment im Vorjahr leicht zulegen, während der gesamte Buchmarkt dort rückläufig war. Begleitet wurde die Messe von einem gemeinsamen Appell vieler Branchenorganisationen: Leseförderung müsse stärker und langfristig unterstützt werden.

Thalia in Eberswalde und Berlin

Thalia hat eine neue Filiale in Eberswalde eröffnet. Auf 200 Quadratmetern gibt es dort jetzt Bücher, Spielwaren und Dekoartikel. In der brandenburgischen Kreisstadt gibt es bereits zwei unabhängige Buchhandlungen.

In Berlin geht es noch eine Nummer größer. Dort hat Thalia einen besonderen Flagship-Store in der Tauentzienstraße aufgemacht. Das Konzept ist im Stil der Goldenen Zwanziger gehalten, mit Art-déco-Elementen und sogar einem Karussell in der Kinderabteilung. Die Verkaufsfläche ist mit 1.800 Quadratmetern riesig.

Umfrage: Self-Service-Kassen in Buchhandlungen

Wir haben Buchhändler:innen gefragt, was sie von Self-Service-Kassen halten. Das Ergebnis ist gespalten. Von 91 Teilnehmerinnen lehnt knapp die Hälfte solcher Kassen klar ab. 30 % hingegen können sie sich vorstellen oder nutzen sie bereits. Die Hauptargumente dagegen sind die Sorge vor Diebstahl und der Wunsch nach persönlichem Kundenkontakt.

Verlage: Karl-May-Verlag sucht Nachfolge

Der mehr als 100 Jahre alte Karl-May-Verlag sucht einen Nachfolger. Der Grund? Geschäftsführer Bernhard Schmidt will sich in den Ruhestand zurückziehen. Ihm ist wichtig, dass der Verlag im Sinne Karl Mays weitergeführt wird, wie er dem Börsenblatt verraten hat.

Innovation: Umweltfreundlicher Buchdruck mit Pilzfasern

Und eine spannende Innovation kommt aus Dresden. Das Unternehmen matabooks will den Buchdruck mit Pilzfasern umweltfreundlicher machen. Die Technologie namens Microfiber soll als Verstärkung im Papier dienen. So können alternative Rohstoffe wie Gras, Stroh oder Hanffasern besser eingesetzt werden, ohne dass die Qualität sinkt. Der Schritt vom Labor zur industriellen Fertigung ist laut Marta Buchs geschafft.

Denis Scheck in der Kritik

Wegen der ARD-Sendung "Druckfrisch" wird derzeit diskutiert, ob Kritiker Denis Scheck Bücher von Autorinnen häufiger negativ bewertet. Anlass waren seine Verrisse der Bücher von Ildikó von Kürthy und Sophie Passmann. Eine Auswertung der Wochenzeitung Die Zeit hat ergeben: Von 118 besprochenen Büchern von Autorinnen warf Scheck 53 in die Tonne. Das sind fast 45 Prozent. Bei 168 Büchern von Autoren waren es nur 50, also knapp 30 Prozent.

Die ARD erklärte, in der Sendung gäbe es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit. Doch die Zahlen und der Ton von Scheck sorgen für Diskussionen.

Börsenverein: Zukunftsparlament & Fachausschüsse

Bewerbungen für das Zukunftsparlament des Börsenvereins werden noch bis zum 4. Mai entgegengenommen. 80 junge Branchenkräfte bekommen hier die Chance, über die Zukunft der Branche zu diskutieren.

Die Fachausschüsse des Börsenvereins haben sich zu ihrer Frühjahrstagung in Frankfurt getroffen. Themen waren Wirtschaftlichkeit, Remissionsprozesse, KI und die Vorbereitung auf E-Rechnungen. Mehr dazu auf boersenblatt.net.

Kurz notiert

Wir kommen zu "Kurz notiert": Nach fast 60 Jahren musste die Buchhandlung Pia in Lieblau schließen. Grund sind gesundheitliche Probleme der Inhaberin, die noch bis 75 im Laden stand.

Sarah Welk wurde von der IG Leseförderung des Börsenvereins zur Lesekünstlerin des Jahres ernannt. Für ihren jahrzehntelangen Einsatz in der Leseförderung wird Kirsten Boie mit dem IBBY-iRead Outstanding Promoter Award ausgezeichnet. Und für sein Lebenswerk wurde der kanadische Autor und Illustrator Jon Klassen mit dem schwedischen Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet.

Bis zum 13. Mai können sich Verlage für die Hotlist bewerben.