Der Buchblog-Flaneur: Zehn Leseempfehlungen

Zeit für die Klassiker!

9. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Blogger Uwe Kalkowski, besser bekannt als "Der Kaffeehaussitzer", flaniert monatlich durch die Buchblogs und stellt bei uns besprochene Titel vor. Hier kommt seine literarische Netzauslese für Dezember.

Uwe Kalkowski

Uwe Kalkowski

Die langen Winterabende im Dezember scheinen sich bestens dafür zu eignen, Klassiker zu lesen. Zumindest ist dies der Eindruck beim Flanieren durch die Buchblogs im letzten Monat des Jahres 2025. Zehn Fundstücke habe ich hier wieder zusammengestellt und es ist erneut eine bunte Mischung geworden - mit einem leichten Klassiker-Schwerpunkt, wie angedeutet. 

Pageturner

"Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi ist ein wahrer Pageturner - so die (wie ich finde absolut zutreffende) Einschätzung von Andrea Breuer, die das großartige Werk in ihrem Blog danares.mag vorstellt. Eine mitreißende, zeitgemäße Rezension, die ich sehr empfehle.

Im Blog Miss Booleana schreibt Stefanie Höfig über den Roman "Emma" von Jane Austen. Ein wunderbarer Text, der zu diesem Fazit kommt: "Ich bin sehr froh, dass Jane Austen gelebt hat. Dass sie Unterstützung bekam (und leider bekommen musste), damit ihre Bücher 'by a lady' veröffentlicht werden können. Dass sie uns diese Heldinnen geschenkt hat, die die Zeit überdauern und uns erinnern, dass Frauen und Frauenschicksale nie wieder unsichtbar sein dürfen."

Blogger Eugen Tews beschäftigt sich in seinem Blog Bücherbriefe - bei dem Klassiker ohnehin einen thematischen Schwerpunkt darstellen - mit "Die Brüder Karamasow" von Fjodor M. Dostojewski in der Übersetzung von Swetlana Geier. Und meint dazu: "Was Dostojewski hier abliefert, ist besser als vieles, was gegenwärtig unsere Buchhandlungen bevölkert." 

Buchhandelsbummel

Apropos Buchhandlungen: Im Blog Lit:affin gibt es einen kleinen, aber feinen Buchhandelsbummel durch Berlin. Verschiedene Buchhandlungen werden auf unterschiedliche Weise vorgestellt, das macht großen Spaß zu lesen. Lit:affin ist der Blog von Studierenden des Masterstudiengangs Angewandte Literaturwissenschaft und Gegenwartsliteratur der Freien Universität Berlin, ein Besuch lohnt sich immer. 

Wer eine sehr bunte Mischung an Büchern mag, dem seien regelmäßige Besuche im Blog Mein Kunstbuch empfohlen. Hier gibt es immer etwas zu entdecken; im Dezember etwa ein Kochbuch. Aber nicht irgendeines, sondern: "Avatar. Das offizielle Kochbuch von Pandora". Eine originelle Idee aus dem Hause Dorling Kindersley. 

Und da wir gerade beim Essen sind: Im Blog Bleisatz bespricht Bettina Schnerr das Buch "Die Weltgeschichte in zwölf Bohnen" von Joël Broekaert, der darin durch 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte stromert - anhand von zwölf Bohnensorten. Ich habe die Besprechung gelesen und das Buch sofort auf die Wunschliste gepackt.

Lesehighlights

Die Romane von Vea Kaiser sind stets ein großes Lesevergnügen. Ihr neuester, "Fabula Rasa" liegt hier schon bereit. Und nach der schönen Rezension von Antje Tomfohrde in ihrem Blog Das Buchzuhause freue ich mich noch mehr darauf.  

"Die Stunde der Raubtiere" ist der Titel des Buches von Giuliano da Empoli, in dem er den Zustand unserer Welt seziert. Keine erbauliche Lektüre, aber eine wichtige. In ihrem Blog Trouvailles Litteraires stellt Lisa Evertz das Buch in einer großartigen Besprechung vor. Starker Text, unbedingt lesen. 

Eines meiner Lesehighlights des vergangenen Jahres war "Aufrecht" von Lea Ypi. Viele werden es bereits kennen; denen, die noch unentschlossen sind, sei die Buchvorstellung im Blog LiteraturReich empfohlen. 

Zum Abschluss

In zahlreichen Blogs gibt es Rückblicke auf das letzte Lesejahr. Spannend ist dabei, wie unterschiedlich oft die Titelauswahl ist - diese Rückblicke bilden die Vielfalt der Lesevorlieben ab. Besonders gut gefallen hat mir der Text von Marius Müller in seinem Blog Buch-Haltung, der nicht nur über die Bücher schreibt, die ihm am besten gefallen haben, sondern sich auch mit Entwicklungen des Buchmarkts beschäftigt - angefangen von Covern, die mit Hilfe von KI "gestaltet" werden bis zur dramatischen Ausdünnung der medialen Vielfalt und der öden Überrepräsentanz geypter Titel in den sozialen Medien. Große Leseempfehlung. 

Und in meinem eigenen Blog Kaffeehaussitzer habe ich über das kurze Gespräch mit einem Fensterputzer geschrieben, das mir Stoff zum Nachdenken über das Lesen gegeben hat. Und über die Bilder, die dabei im Kopf entstehen. 

Das war nun die zwölfte Kolumne des Buchblog-Flaneurs. Ein Jahr ist vergangen, insgesamt wurden 120 Texte aus 56 Blogs vorgestellt. Auf die nächsten zwölf Monate - ich wünsche Ihnen einen guten Start im neuen Jahr. 

Über den Kaffeehaussitzer

Uwe Kalkowski ist seit über dreißig Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus verschiedenen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit 2019 arbeitet er für den Eichborn Verlag in Köln. Auf seinem privaten Literaturblog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher und Leseerlebnisse. Als Buchblog-Flaneur stellt er monatlich zehn Fundstücke aus der Welt der Literaturblogs vor.