Auswirkungen der Coronavirus-Krise

Weniger Kunden im Einzelhandel

13. März 2020
von Börsenblatt Online
Viele mittelständische Handelsunternehmen leiden wegen der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus unter sinkenden Kundenfrequenzen und Nachfrage. Das zeigt eine aktuelle Trendumfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE). Ausnahme sind Waren des täglichen Bedarfs.

An der HDE-Umfrage hatten rund 700 Handelsunternehmen teilgenommen. Fast zwei Drittel der Unternehmen berichten aktuell von sinkender Nachfrage der Kunden aufgrund des Coronavirus, teilt der HDE mit. Der Einzelhandel sei damit massiv von Nachfrageausfällen betroffen.

Ausnahme sind die Anbieter von Waren des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittelhändler und Drogerien, die eine erhöhte Nachfrage nach einzelnen Produkten feststellen.

Einzelhandel rechnet mit weiterer Verschlechterung

  • Die negativen Effekte werden nach Einschätzung der Händler deutlich zunehmen. So rechnen für die kommenden Wochen drei Viertel der befragten Unternehmen mit einer sinkenden Nachfrage der Kunden, davon knapp die Hälfte mit deutlichen Rückgängen.
  • Die nachfrageerhöhenden Effekte im Lebensmittelbereich würden dagegen eher nachlassen.
  • Mit Ausnahme des Handels mit Waren des täglichen Bedarfs sprechen die Einzelhandelsunternehmen überwiegend von sinkenden Kundenfrequenzen. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten spürt sogar deutlich sinkende Kundenzahlen.  

Unterstützung gefordert

Um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzufedern, fordert bereits heute schon ein Viertel der Handelsunternehmen Maßnahmen, um die Situation dauerhaft meistern zu können. Die vom Bundeskabinett bereits beschlossenen Maßnahmen seien laut HDE daher begrüßenswert.

Insbesondere werde auch der Einzelhandel auf die Möglichkeiten von Kurzarbeitergeld angewiesen sein, dass aber erst im April Wirkung entfalten könnte.

Um kurzfristig die Liquidität der Handelsunternehmen, auch zum Erhalt von Arbeitsplätzen, zu unterstützen, seien konkrete Maßnahmen erforderlich, wie insbesondere die Stundung von Steuervorauszahlungen bei der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer. Nicht nur dem (mittelständischen) Einzelhandel würden derartige Maßnahmen auch kurzfristig die notwendige Luft zum Atmen verschaffen, um parallel auch Anpassungsmaßnahmen und Maßnahmen zur mittel- bis langfristigen Finanzierung einzuleiten und umzusetzen.  

Noch keine ernsten Lieferschwierigkeiten
 
Mit dem Erhalt der Unternehmen und der Arbeitsplätze stehe auch die Versorgungssicherheit für die Bevölkerung im Vordergrund. Mit ernstzunehmenden Lieferschwierigkeiten habe der Einzelhandel derzeit jedoch noch nicht zu kämpfen. Der HDE-Umfrage nach sehen die Handelsunternehmen überwiegend nur geringe Einschränkungen bei der Beschaffung von Waren. Aktuell sieht es so aus:

  • 41 Prozent der Befragten sind nach eigener Einschätzung bisher nicht betroffen,
  • die Hälfte spricht von geringen Einschränkungen.
  • Lediglich neun Prozent haben mit deutlichen Beschaffungsproblemen zu tun.

Ausblick: Mehr Lieferschwierigkeiten erwartet

Diese Lage allerdings könnte sich in den kommenden Wochen verschlechtern. Für die bevorstehenden vier Wochen erwartet dann ein knappes Drittel der befragten Händler deutliche Einschränkungen auf der Beschaffungsseite.