Deutsche Buchhandlung in Paris

Gisela Kaufmann schließt librairie buchladen

Nach Marissal und der Librairie Allemande schließt am 14. Juli die vorletzte deutsche Buchhandlung in Paris. Seit 1968 war „librairie buchladen“ ein nicht wegzudenkender Treffpunkt für deutschsprachige Literatur im Montmartre.

Ob klassische Romane oder Kinderbücher, ob aktuelle Krimis oder nachdenkliche Essays, Wörterbücher oder Debattenbücher: Inhaberin Gisela Kaufmann sorgte für eine breite Auswahl an deutschsprachiger Lektüre. Rund 10.000 Titel hatte sie in ihrem 30 Quadratmeter großen Buchhandlung in der Rue Burq 3, gleich um die Ecke der belebten Rue Abesses im Montmartre gelegen. Schon vor einigen Jahren haben ihr die hohen Versandgebühren und das veränderte Kaufverhalten der Kunden zu schaffen gemacht, gerne wäre sie schon früher in Rente gegangen. 190.000 Euro hätte sie für die Übernahme des Pachtvertrags gebraucht, hatte sie im März 2015 Deutschlandfunk-Reporterin Anne Raith in einem Interview verraten, was für die Immobilienpreise in Montmartre noch günstig ist. Das hätte mit ihrer monatlichen Rente von 670 Euro bis ans Lebensende reichen sollen. Aber keiner der elf ernsthaft bemühten Interessenten habe bei der Bank einen Kredit dafür bekommen. Am 14. Juli nun lädt Kaufmann ihre Kunden zum Abschiedsfest, das der Komponist Jean-Marc Zelwer musikalisch begleiten wird.

Der Tag der Schließung ist der französische Nationalfeiertag, und vor genau einem Jahr, am 14. Juli 2017, hatte die Librairie Allemande im Pariser Quartier Latin geschlossen − der Umsatz im Rechnungsgeschäft war zu gering. Inhaberin Iris Mönch-Hahn hatte die 40 Quadratmeter große deutsche Buchhandlung in der Rue Frédéric Sauton im Mai 2015 eröffnet. Dabei leben mehr als 50.000 Deutschsprachige in und um Paris, die allerdings kaum in die deutschen Buchläden gehen, wie die Erfahrung gezeigt hat; der überwiegende Anteil der Kunden sind Franzosen mit einem Faible für die deutschsprachige Literatur. Mönch-Hahn hat in den Monaten danach jedoch 200 Meter weiter ein kleineres Ladenlokal in der Rue Sommerard 2, ebenfalls im Quartier Latin, zu günstigeren Mietkonditionen gefunden. Auf 20 Quadratmetern Verkaufsfläche hat sie am 1. Februar 2018 wiedereröffnet und offeriert neben deutschsprachigen Titeln Geschenkgutscheine und Firmen- und Bibliothekservice und organisiert Lesungen und Büchertische. Die Buchhandlung, die Mönch-Hahn auch als Ort der Begenung sieht, ist von Mittwoch bis Samstag geöffnet, und oft ist auch die liebenswerte Hündin Mlle Amélie da. 

Anfang 2015 hatte bereits die Buchhandlung Marissal direkt gegenüber des Centre Pompidou geschlossen, eine Filiale der Hamburger Marissal Buchhandlung. Mehr als 30 Jahre war auch sie ein Anlaufpunkt für deutschsprachige Bücher, und Petra Kringel, die die Buchhandlung in der Rue Rambuteau seit 1986 geleitet hatte, eine Institution. Bei ihr lasen Autoren wie Ingrid Noll, Martin Mosebach und Hans Pleschinski. Durch all die Jahre waren vor allem die Klassiker beliebt, Joseph Roth etwa und Stefan Zweig, andere Titel wurden erst interessant, wenn Medien darüber berichten: "'Der Vorleser' von Bernhard Schlink etwa war schwierig zu verkaufen, bis die Zeitungen darüber geschrieben haben. Darüber kann ich mich ärgern: Wenn wir uns den Mund fusselig reden, aber man den Journalisten mehr glaubt", sagte Kringel 2011 im Börsenblatt. Wenige Monate später, am 30. Mai 2015, hatte der Buchladen L’Alinéa geschlossen, den das deutschsprachige Paar Catherine Houssay und Abel Gerschenfeld im Viertel von Bercy geführt hatte.

Mit Gisela Kaufmanns "librairie buchladen" geht die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begründete Ära der bekannten deutschsprachigen Buchhandlungen zu Ende, die oft großen Klang hatten. Der 1992 geschlossene Le Roi des Aulnes etwa, den Nicole Bary nach Goethes "Erlkönig"-Ballade benannt hatte; die Übersetzerin, Veranstalterin und Lektorin der Editions Métailié war eine große Vermittlerin zwischen der französischen und deutschen Literatur. Oder Calligrammes im 5. Arrondissement, und die legendäre Buchhandlung des Schriftstellers Martin Flinker am Quai des Orfèvres mit seinen bibliophilen Schätzen. Iris Mönch-Hahn ist nun die einzige, die die Tradition mit der Librairie Allemande fortführen wird.

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5 Kommentar/e

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  • Gisela Kaufmann

    Gisela Kaufmann

    Am 1-6 lese ich die erste Version ihres Artikels , der sehr viele völlig veraltete und unrichtige Angaben macht.
    Wieso informieren Sie sich nicht direkt bei mir ?
    Auch ist die Auflistung der Vorgänger nicht richtig. Sie übernehmen einige Falschmeldungen der S.Z., z.B.
    - De Buchladen Alinéa hat nie deutschsprachige Bücher geführt wie fälschlicherweise von Herrn Hanimann angegeben wurde ;
    - auch fehlt die ausgezeichnetz Buchhandlung Infobuch , die Frau Scholten-Pusch immerhin 13 Jahre hier in Parie führte.

    Ich kann nicht verstehen, dass nicht ordentlich recherchiert wurde.

  • P.-F.G.

    P.-F.G.

    Wie schön, dass die Buchhandlung am Quai des Orfèvres und ihr großartiger Herr Flinker hier erwähnt werden. Kaum von außen zu merken,mußte man drei Stufen heruntergehen, um in die Höhle des großartigen Herrn Flinkers hineinzukommen. Dieser Buchhändler war uns, eifrige Germanistikstudenten, ein wertvoller Ansprechpartner und Berater. Die Dankbarkeit war so groß, dass man, wie knapp bei Kasse auch immer, nicht ohne mindestens ein Buch herausging. Heute noch weiß ich, welche Bücher in meiner Bibliothek aus seinem urigen Laden stammen und wie ich mich mit einer Träne von meinem alten Wahrig trennte. Also freue ich mich besonders darüber, dass noch an Herrn Martin Flinker erinnert wird. Ob es ihn genauso stolz machen würdeW wie das Photo mit Heinrich Böll, worauf er gern hinwies ?

  • Ursula Scholten-Pusch

    Ursula Scholten-Pusch

    Mit einigem Erstaunen lese ich den Artikel über die Schliessung der Librairie Buchladen. Ich habe immer noch die Vorstellung, dass journalistische Berichte einigermassen recherchiert werden, dies stimmt wohl heute nicht mehr. Wenn man einen kleinen Überblick über die deutschen Buchhandlungen in Paris gibt, dürfte Infobuch (rue des Blancs-Manteaux 4.Arr.) nicht fehlen. Eine Buchhandlung, die immerhin fast 15 Jahre eine nicht unwichtige Rolle gespielt hat. Alinéa dagegen wird zu einer deutschsprachigen Buchhandlung - merkwürdig.
    Ein Artikel, der offensichtlich aus verschiedenen Quellen zusammengestellt wurde.

  • Elisabeth HUMBERT

    Elisabeth HUMBERT

    Als Deutsche lebe ich seit dreissig Jahren in Paris und habe mich so auch für die deutschen Buchhandlungen interessiert. Leider haben Sie in einer Übersicht der deutschen Buchhandlungen in Paris die Buchhandlung Infobuch, rue des Blanca Manteaux, geführt von Frau Ursula Pusch, nicht aufgeführt. Diese Buchhandlung war für die Deutschen in Paris 15 Jahre lang sehr wichtig mit Lesungen und Büchertischen bei literarischen Veranstaltungen und ist für ihre vielen deutschen Kunden über lange Jahre ein Treffpunkt und ein kleines Kulturzentrum gewesen.

  • Hedwig Sastre

    Hedwig Sastre

    Schade, dass nun auch der « Buchladen » in Montmartre schliesst. Frau Kaufmann geht nun in die wohlverdiente Rente, aber ihre Pariser Kunden und Geschäftspartner freuen sich gar nicht darüber, denn nun gibt es in Paris so gut wie überhaupt keine deutsche Buchhandlung mehr.
    Als Bibliothekarin einer deutschen Institution in Paris war es mir über Jahrzehnte hin eine grosse Freude, mit Frau Kaufmann zusammenzuarbeiten. Genauso exzellent war aber auch die Zusammenarbeit mit Ursula Pusch, der Besitzerin von « Infobuch » . Diese deutsche Buchhandlung wird in Ihrem Artikel überhaupt nicht erwähnt, obwohl ihre kleine, aber feine Buchhandlung im Marais bei deutschen und französischen Kunden sehr beliebt war und des öfteren mit Lesungen ihren Beitrag zum deutsch-französischen Kulturleben leistete, oder auch an Veranstaltungen der deutschen Pariser Institutionen mit diverse Büchertischen teilnahm.

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