Thalia, Hugendubel, Mayersche und Osiander im Expansionsmodus

Da kommt was zusammen

So viel Aufsehen die Übernahme der Buchhandlung Viola Taube in Nordhorn auch erregt hat: Zukäufe aus dem Kreis der inhabergeführten Sortimente stehen bei Thalia schon länger auf der Agenda. Welche Expansionsstrategie das Unternehmen hier verfolgt und wie die drei anderen großen Filialisten – Hugendubel, die Mayersche und Osiander – derzeit vorgehen: ein Bericht. TAMARA WEISE

Hübscher in Bamberg, Taube in Nordhorn, Herwig in Göppingen: Übernahmen der jüngsten Zeit

Hübscher in Bamberg, Taube in Nordhorn, Herwig in Göppingen: Übernahmen der jüngsten Zeit © privat

Win-win im Kleinen: Die Expansionsstrategie von Thalia

Die Buchhandlung Viola Taube passt gut ins Schema von Thalia. Das Unternehmen betreibt derzeit bundesweit 222 Buchhandlungen und ist seit der Übernahme durch Herder (Juli 2016; siehe Archiv) wieder verstärkt dabei, sein Filialnetz zu verdichten. Und fest steht: Übernahmen von inhabergeführten Buchhandlungen sind keine Zufälle.

Ingo Kretzschmar und Michael Busch (v.l.)

Ingo Kretzschmar und Michael Busch (v.l.) © Matthias Graben

Thalia macht daraus auch gar kein Geheimnis. Schon vor einem Jahr erklärte Ingo Kretzschmar, für das stationäre Geschäft verantwortlich, gegenüber boersenblatt.net: "Verdrängung ist nicht mehr der richtige Weg." Man müsse nicht, koste es, was es wolle, einen Standort mit einer weiteren Buchhandlung besetzen, der bereits gut besetzt sei. Im besten Fall, so Kretzschmar, laufe es an solchen Standorten auf eine Win-win-Situation hinaus – hier die lokal verwurzelte Buchhandlung, dort Thalia mit seinem Omnichannel-Know-how. Kretzschmar: "Wichtig ist uns, gemeinsam mit den Inhabern auszuloten, wie die ideale Lösung für einen einzelnen Standort aussehen kann.“ Hier gebe es eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten, betonte er. Und: "Wir sind offen für Gespräche." (das Interview im Archiv von boersenblatt.net: Persönlich werden)

Diese Offenheit ist manchen recht – längst aber nicht allen, zumal Thalia im Wettbewerb nach wie vor und durchaus auch mit der Brechstange hantiert. Inhaber ausgewählter Buchhandlungen informierte der Filialist unlängst per Serienbrief darüber, dass man ganz in der Nähe nach einem Mietobjekt suchen würde – "alternativ zur Eröffnung einer neuen Filiale besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, mit lokalen Buchhändlern im jeweiligen Expansionsgebiet hinsichtlich einer Übernahme in ein Gespräch einzutreten".  Klingt so ein Angebot zur Kooperation und freundschaftlichen Übernahme? (Bericht im Archiv von boersenblatt.net: Dürfen wir Sie übernehmen?)

Wie viele Inhaber über diese Offerte dennoch nachdenken, angesichts der Nachfolgemisere: Dazu hat sich Thalia bislang nicht weiter geäußert, möglicherweise warten viele aber auch erst noch mal ab. So zeigt es sich zumindest im Rückblick: Die wenigsten Filialbewegungen der letzten beiden Jahre (2016, 2017) waren Übernahmen geschuldet, Zukäufe aus dem Kreis der inhabergeführten Buchhandlung gab es fünf – den Standort Nordhorn von Viola Taube schon mit eingerechnet. Die Übernahmen im Überblick, in chronologischer Reihenfolge:

  • Peine (50.000 Einwohner, Niedersachsen)
    Das Stammhaus von Gillmeister in Peine kam am 1. Oktober 2016 unter die Haube (1.000 Quadratmeter) – Thalia machte dabei sogar eine Ausnahme von der sonst strikt eingehaltenen Regel: Der Name Gillmeister bleibt an der Tür (im Archiv: Thalia übernimmt Gillmeister). 
  • Einbeck (ca. 33.000 Einwohner, Niedersachsen)
    Zeitgleich mit Gillmeister wird zum 1. Oktober 2016 auch die Buchhandlung EIN-Buch von Christel Glass zur Thalia-Filiale – die Buchhandlung heißt heute Thalia (250 Quadratmeter). Glass erklärte zur Übernahme: "Ich bin überzeugt davon, dass Thalia die richtige Wahl für Einbeck ist, denn ich habe schon in den ersten Gesprächen gemerkt, dass Thalia die Buchhandlung in meinem Sinne weiterführen wird." (im Archiv: Neue Filiale in Niedersachsen)
  • Andernach (30.000 Einwohner, Rheinland-Pfalz):
    Seit Juni 2017 gehört Buchen Bücherwelten (300 Quadratmeter) zu Thalia – Inhaber und Name wechselten, der bisherige Inhaber Peter Buchen nicht: Er agiert heute als Geschäftsführer. "Dass ein bundesweiter Buchhändler wie Thalia unser Geschäft weiterführt, ist ein Glücksfall – nicht nur für mich, sondern auch für Andernach", kommentierte er die Übernahme gegenüber boersenblatt.net. "So bleibt unsere Buchhandlung, die bereits seit mehr als 120 Jahren existiert, auch langfristig bestehen und bereichert unsere Innenstadt." (im Archiv von boersenblatt.net: Buchen geht, Buchen bleibt).
  • Raum Karlsruhe
    Volker Lenz verkauft seine BIB-Buchhandlungen in Ettlingen (200 Quadratmeter) und Karlsruhe-Mühlburg (100 Quadratmeter) an Thalia – zum 1. Oktober 2017; die Sortimente werden umbenannt. Vorteil für Thalia: Das Unternehmen, ohnehin bereits mit zwei Flächen in Karlsruhe vertreten, gewinnt durch die seine neuen Satelliten an Reichweite (im Archiv: Thalia übernimmt BIB-Buchhandlungen).


Fazit:
Thalia verdichtet sein Filialnetz an ausgewählten Standorten, besonders in Klein- und Mittelstädten und abseits der Shoppingcenter. Inhabergeführte Buchhandlungen zu übernehmen, ist dabei nicht die einzige Option – seit Anfang 2016 gab es fünf Übernahmen (mit sechs Standorten) aus diesem Kreis.

Zukauf nicht ausgeschlossen: Hugendubel

Für Hugendubel (ca. 100 Standorte bundesweit, inklusive Karstadt) scheinen andere Themen aktuell bestimmender zu sein als Übernahmen: Die letzte erfolgte 2015 – und hatte mit Standort- und Filialpolitik allenfalls mittelbar etwas zu tun.

Bei dem Zukauf ging es um die Libri-Tochter ebook.de. Hugendubel erwarb die Mehrheit an dem Unternehmen und brachte diese Beteiligung in die neu gründete Hugendubel Digital GmbH & Co. KG ein. Von Hamburg aus steuert der Dienstleister das Digitalgeschäft der Buchhandelskette – verantwortet die Online-Shops (hugendubel.de, eBook.de) und strickt an der Multichannelstrategie mit (im Archiv: Mehrheit an ebook.de übernommen).  

Nina Hugendubel

Nina Hugendubel © Daniel Hintersteiner

Ganghofer, Schmorl & von Seefeld, Weiland: Die Zeit der großen Übernahmen mögen vorbei sein (und so auch nicht wiederkommen). Abgeneigt ist Hugendubel aber nicht, erhält Offerten wie alle anderen. Gefragt nach ihrer Expansionsstrategie, erklärt die geschäftsführende Gesellschafterin Nina Hugendubel:

"Die Übernahme von unabhängigen Buchhandlungen durch Hugendubel, wie z.B. Schmorl und von Seefeld, Weiland, Buch Habel und ebook.de, hat sich für unser Unternehmen sowie für die Kunden und Mitarbeiter vor Ort bis heute bewährt. Von daher freuen wir uns immer über neue Übernahmemöglichkeiten und führen hier auch interessante Gespräche. Darüber hinaus suchen wir an allen wichtigen Standorten immer auch nach Opportunitäten für geeignete Flächen. Dabei geht in erster Linie um eine gute Lage, die für uns richtige Größe und Aufteilung der Fläche und um passende Mietbedingungen."

Von 54 auf 100 in fünf Jahren: Die Pläne der Mayerschen

Übernahmen von Unabhängigen? Für Geschäftsführer Hartmut Falter ist das der Normalfall – nicht die Ausnahme. Und er geht dabei stets nach dem gleichen Muster vor: Falter baut die von ihm übernommenen Läden zwar im Corporate Look der Mayerschen um, signalisiert jedoch zumindest im Namen Beständigkeit – der Firmenname des Vorgängers wird an den Unternehmensnamen wie selbstverständlich angehängt.    

Die nächste Buchhandlung, bei der das passieren wird, ist die Buchhandlung am Chlodwigplatz in Köln: Inhaber Johann Schumandl geht im März in den Ruhestand, übergibt seine Buchhandlung dann (nach fast 42 Jahren) an die Mayersche. Danach wird sie Mayersche – Buchhandlung am Chlodwigplatz heißen.

Die Strategie dahinter erklärte Hartmut Falter im Interview mit boersenblatt.net unlängst so: "Interessant wird eine Buchhandlung für uns, wenn diese vor Ort Marktführer ist, sich in guter Lage befindet und mindestens 500.000 Euro Umsatz verbuchen kann." Falter sagte außerdem: "Derzeit haben wir sehr viel mehr Angebote auf dem Tisch als wir realisieren könnten. Wir hoffen aber, viele davon in die Tat umsetzen zu können." Sein selbsterklärtes Expansionsziel: Bis Ende 2018 soll das Netz der Mayerschen auf 60 Standorte anwachsen, bis 2022 auf 100 (Anzahl der Filialen aktuell: 54). 

Die letzten Übernahmen der Mayerschen: 

  • Februar 2017: Moewes, Filialen in Bergheim, Kerpen und Puhlheim (Mayersche Moewes; Archiv)
  • Dezember 2016: Bücherinsel von Linda Broszeit in Rheinhausen, (Mayersche Bücherinsel)
  • September 2016: Filiale der Buchhandlung Köhl in Köln-Rodenkirchen (Mayersche Buchhandlung Köhl)
  • September 2016: Buchhandlung Sommer in Ahlen (Mayersche Sommer)

Hochtourig unterwegs, nicht nur im Südwesten: Osiander

Geht es um Übernahmeaktivitäten von Filialisten, ist Osiander sicher ein besonderer Fall: Kein Unternehmen investiert derzeit mehr in Zukäufe. Auch 2017 blieb Osiander hochtourig unterwegs, hinzu kamen: 

  • Carl Liehner Hofbuchhandlung in Sigmaringen (März 2018)
  • Buchhandlung Ritter in Wangen (Februar 2018)        
  • Buchhandlung Hübscher, 5 Standorte in Nordbayern (Januar 2018)
  • Buchhandlung Herwig, 4 Standorte im Südwesten (September 2017)

Aktuell kommt Osiander auf 49 Läden, will – wie die Mayersche – allerdings mehr: Der Filialist sieht sich langfristig bei 60 bis 70 Standorten. Zum Wachstum werden sicher auch Übernahmen beitragen. Gegenüber boersenblatt.net erklärte Geschäftsführer Christian Riethmüller im Mai 2017: "Ich glaube, die Umsatzrückgänge, die wir überall verzeichnen, werden dazu führen, dass uns in den nächsten Monaten weitere attraktive Buchhandlungen angeboten werden."(im Archiv: Osianders Zukunft).

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