Als Wolfram Weimer ans Mikrofon trat, drohte die Stimmung für einen Moment zu kippen, "Rücktritt"- und "Buh"-Rufe ließen die ersten Worte des Zweimetermanns untergehen. Der Staatsminister war angefasst, man merkte es, als er das Wort direkt an Burkhard Jung in Bezug auf die Causa Erweiterungsbau richtete: "Normalerweise begrüßen Sie mich als Leipzig-Freund. Das habe ich heute nicht gehört. Aber wenn wir gemeinsam an dem Projekt ziehen, dann wird es ein Erfolg."
Wie schon bei seiner Rede zur Verleihung des Deutschen Verlagspreises kam Wolfram Weimer – diesmal mit Bezug auf den vor wenigen Tagen verstorbenen Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas – auf seine Frankfurter Studententage in den 1980er Jahren zurück. Wir sehen: Einen jungen Studenten in der letzten Reihe eines mäßig besetzten Hörsaals der Goethe-Universität, fasziniert von einem, der überzeugt war, dass "Verständigung wesentlich auf Vernunft angewiesen" ist: "Wenn ich heute an diesen Jürgen Habermas erinnere, plädiere ich zugleich mit aller Überzeugung für das Habermas-Verfahren, für die abwägende, die deliberative Demokratie." Puh. Ein Versuch in Selbstironie, ein verunglückter Kalauer? Oder war das Ganze eine allerletzte Post des seligen Franz-Josef Wagner, dessen "Bild", selbstredend, das Organ "herrschaftsfreien Diskurses" ist? Als der Kulturstaatsminister die Kategorie der "Freiheit" von jener der "Förderung" absetzte, erhielt er, erstmals an diesem Abend, sachten Applaus. "Mein Staat sollte alle Extremisten ablehnen – rechte, linke, Islamisten." Applaus. Am Ende schlägt Weimer vor, "den kommenden Buchhandlungspreis mit Börsenverein, Kurt-Wolff-Stiftung und anderen Stakeholdern neu zu beleben – und ihn vielleicht um einen Kinder- und Jugendbuchhandlungspreis zu ergänzen." Dass dieser Satz fällt, nachdem ein bestehender Preis (von dem auch Kinder- und Jugendbuchhandlungen profitierten) ohne Grund schwer beschädigt wurde, macht schon etwas sprachlos. Weimer: "Wir sollten reden".