Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Staatsbibliothek zu Berlin dabei mit rund 1,2 Millionen Euro, teilt die Staatsbibliothek zu Berlin mit. Das geförderte Projekt "Sammlungsdigitalisierung und Standardentwicklung – Bestände aus kolonialen Kontexten der Staatsbibliothek zu Berlin (1800–1919)" knüpft an die Ergebnisse des Vorprojekts "IN_CONTEXT: Colonial Histories and Digital Collections" an, das von 2023 bis 2025 durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz finanziert wurde. Im Rahmen des Vorprojekts wurden erstmals systematisch Bestände der Staatsbibliothek identifiziert, die für die Erforschung kolonialer Verflechtungen relevant sind. Die nun bewilligte Förderung ermögliche es, diese Materialien digital zugänglich zu machen und zugleich neue Standards für den Umgang mit Bibliotheksbeständen aus kolonialen Kontexten zu entwickeln.
Die Staatsbibliothek verfügt aufgrund ihrer historischen Rolle als zentrale wissenschaftliche Bibliothek Preußens und später des Deutschen Reiches über umfangreiche Bestände mit Bezügen zum europäischen Kolonialismus. Dazu zählen Werke aus den Bereichen Ethnologie, Missionsgeschichte, Verwaltung, Recht, Medizin und Staatswissenschaften ebenso wie Quellen zur Alltags- und Wissensgeschichte der kolonisierten Gesellschaften.
Die 10.000 ausgewählten Monografien stammen überwiegend aus dem Zeitraum zwischen 1800 und dem Ende des Ersten Weltkriegs. Sie dokumentieren koloniale Herrschaftsverhältnisse, wissenschaftliche Perspektiven ihrer Zeit sowie die vielfältigen Verflechtungen zwischen Europa und den kolonisierten Gesellschaften. Nach der Digitalisierung werden die Werke im Open Access über die Digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek frei zugänglich sein.
Die Staatsbibliothek will mit diesem Projekt wichtige Voraussetzungen für die Erforschung kolonialer Verflechtungen schaffen und zugleich die internationale Diskussion über den verantwortungsvollen Umgang mit Beständen aus kolonialen Kontexten stärken.