dbv und VÖB legen Leitfaden vor

Wie umgehen mit Kolonialem?

11. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Deutsche Bibliotheksverband und die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare haben einen Leitfaden zu kolonialen Kontexten veröffentlicht. Er richtet sich an Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken im deutschsprachigen Raum.

Außenansicht der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig in der Abenddämmerung

Außenansicht der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig 

Orientierung für Bibliotheken

Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) und die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB) haben den Leitfaden "Koloniale Kontexte in Bibliotheken" veröffentlicht, wie der dbv mitteilte.

Er soll Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken im deutschsprachigen Raum beim Umgang mit kolonialen Beständen unterstützen. Ziel ist es, Bibliotheken bei der Entwicklung eigener Strategien zu begleiten und einen reflektierten Umgang mit "historisch gewachsenen" Beständen zu fördern, wie dvb und VÖB schreiben.

Der Leitfaden berücksichtigt rechtliche Rahmenbedingungen sowie ethische und institutionelle Fragen.

Konkrete Empfehlungen

Neben grundlegenden Einordnungen enthält die Veröffentlichung Handlungsempfehlungen zu Provenienzforschung, Erwerbung, Bestandspräsentation sowie digitaler Bereitstellung und Metadaten.

Reinhard Altenhöner, Bundesvorstandsmitglied des dbv, sagte, Bibliotheken bewahrten nicht nur Wissen, sondern prägten auch "dessen Ordnung und Vermittlung". Bestände aus kolonialen Kontexten seien Teil historischer Macht- und Gewaltverhältnisse, deren Aufarbeitung an Bedeutung gewinne.

Kollaborativ erarbeitet

Seit 2024 wurde der Leitfaden in einem kollaborativen Prozess von Kolleg:innen aus Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken, Museumsbibliotheken sowie Forschungsinstituten erarbeitet.

Er versteht sich laut Mitteilung als praktische Orientierungshilfe und als Beitrag zu einer fortlaufenden Diskussion.

Unterstützt wurde die Entwicklung von der ETH Zürich, der dbv-Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung, den Fachinformationsdiensten Sozial- und Kulturanthropologie und Afrika Studien sowie der Staatsbibliothek zu Berlin.

Der Leitfaden kann hier heruntergeladen werden.