Der Buchblog-Flaneur: Zehn Leseempfehlungen aus dem Mai 2026

"Einige Titel sind direkt auf dem Einkaufszettel gelandet" 

28. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Blogger Uwe Kalkowski, besser bekannt als "Der Kaffeehaussitzer", flaniert monatlich durch die Buchblogs und stellt bei uns besprochene Titel vor. Hier kommt seine neue literarische Netzauslese – in der er verrät, warum der Mai für Bücherfans "spannend und furchtbar zugleich" ist. 

Uwe Kalkowski

Uwe Kalkowski

Doppelte Vorschau-Freude

Der Mai ist die Zeit im Bücherjahr, in der noch nicht einmal alle Bücher aus den Frühjahrsprogrammen erschienen sind, aber gleichzeitig bereits die Herbsttitel angekündigt werden. Als Leser wie als Verlagsmitarbeiter finde ich diese Zeit spannend und furchtbar zugleich. Furchtbar wegen des viel zu schnellen Veröffentlichungsrhythmus unserer Branche, bei dem viel zu viele lesenswerte Bücher zwangsläufig unter dem Radar bleiben müssen. Und spannend, weil ich es natürlich liebe, von neuen Büchern zu erfahren und zu sehen, welche Titel bei wem erscheinen. Bei den Blogfundstücken im Mai spiegelt sich diese Zeit wider, steigen wir also gleich voll ein.

Es ist ein halbjährliches Ritual: Bloggerin Petra Reich wertet für ihren Blog LiteraturReich die Vorschauen zahlreicher Verlage aus und stellt in einem langen Beitrag die Bücher vor, die sie aus den nächsten Programmen interessieren. Und das ist jedes Mal ein wunderbarer Überblick über die kommende Literatursaison; im Mai ist jetzt ganz aktuell der Beitrag zum Herbst 2026 bei ihr erschienen.

Ein thematischer Schwerpunkt des Blogs Bücherbriefe sind Klassiker. Daher gibt es dort ebenfalls einen Überblick: Die Klassikervorschau Herbst 2026, also eine Vorstellung der geplanten Klassikerausgaben quer durch alle Verlage. Eine tolle Liste, von der einige Titel direkt auf dem Einkaufszettel gelandet sind.

Und noch ein wenig spezieller, aber nicht weniger reizvoll wird es im Blog Bleisatz. Dort ist ein thematischer Schwerpunkt Literatur aus Japan – daher gibt es nun einen sehr lesenswerten Beitrag über japanische Bücher in den kommenden Herbstprogrammen deutscher Verlage. Quer durch die Genres.

Memoiren dreier leidenschaftlicher Büchermenschen

"Von der Bücherliebe: Über 'Shakespeare and Company' zur '84, Charing Cross Road' bis 'Sunwise Turn'" – Das ist der Titel eines starken Textes im Blog von Birgit Böllinger. Es geht darin um die Memoiren dreier leidenschaftlicher Büchermenschen und Buchhändlerinnen: Madge Jenison, Sylvia Beach und Helene Hanff.

Im Blog Booknapping stellt Bloggerin Sandra Wiegratz den Roman "Die Geister von La Spezia" von Oliver Plaschka vor. Ein Buch, das nach einem hochspannenden Genremix klingt: Mit Hilfe einer gedankenreisenden Chronistin taucht man als Leser tief in die Gedankenwelt Mary Shelleys ein und erhält einen faszinierenden Einblick in jene Literaturepoche. Das Fazit: "Dieser Roman verdient eine große Bühne."

Jahrestag der Bücherverbrennung 1933

1933 brannten in vielen deutschen Städten die Bücher. Am 10. Mai war Jahrestag, im Blog danares.mag gibt es einen sehr beeindruckenden Beitrag dazu, der an die entrechteten, gedemütigten, beraubten, verbotenen, ermordeten, ins Exil und in den Selbstmord getriebenen Autorinnen und Autoren erinnert.

Im September wird im Kampa Verlag der Roman "So far gone" von Jess Walter unter dem Titel "So weit weg" auf Deutsch erscheinen, übersetzt von Georg Deggerich. Im Blog Buchpost wird das Buch bereits jetzt in der Originalausgabe vorgestellt und das klingt ziemlich gut.

Ein Geheim-Tipp der Horror-Literatur

Arthur Machen war ein walisischer Autor, der von 1863 bis 1947 gelebt hat. Er gilt als ein Geheimtipp der Horror-Literatur und ich hatte den Namen noch nie gehört – bis ich den Beitrag im Blog von Lena Riess gelesen habe, in dem sein Werk "Die drei Häscher" vorgestellt wird. Danke dafür, das macht neugierig.

Der Roman "Brooklyn soll mein Name sein" von Eduardo Lago ist eines dieser Bücher, die schon sehr lange ungelesen bei mir im Regal stehen. Nach der Rezension im Blog schiefgelesen könnte sich das bald ändern. Bloggerin Marion Rave schreibt darin: "Es ist kein Pageturner, sondern eine fortwährende Suchbewegung durch ein paar wilde Jahrzehnte, eine fast mythische Stadt und ein außergewöhnliches Leben. Der Roman erzählt vom Bürgerkrieg in Spanien, von der Literaturszene in New York und von der Komplexität des Erzählens an sich. (...) Ein manchmal sperriger, außergewöhnlich konstruierter Roman, der alle Anstrengungen wert ist."

"Familienromane wie diese sind es, die in hundert Jahren mehr über das Heute verraten als die Geschichtsbücher." So urteilt Blogger Stefan Härtel in seinem Blog Bookster HRO über den Roman "Wir könnten alles sein" von Jami Attenberg. Eine kurze, perfekt auf den Punkt gebrachte Buchbesprechung, sehr lesenswert.

Und in meinem eigenen Blog Kaffeehaussitzer schreibe ich über das Gefühl, in einer Zeitschleife festzustecken. Auslöser war der Fund einer Tageszeitung aus dem Jahr 1968, deren Texte fast exakt so klingen wie die Nachrichten unserer Zeit. Faszinierend und erschreckend zugleich.

Über den Autor

Uwe Kalkowski ist seit über dreißig Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus verschiedenen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit 2019 arbeitet er für den Eichborn Verlag in Köln. Auf seinem privaten Literaturblog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher und Leseerlebnisse. Als Buchblog-Flaneur stellt er monatlich zehn Fundstücke aus der Welt der Literaturblogs vor.