VFLL

Lektorenverband gibt Empfehlungen zum KI-Einsatz

23. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e.V. (VFLL) empfiehlt in einer Positionierung seinen Mitgliedern, beim Einsatz von künstlicher Intelligenz im Lektorat folgende Grundsätze zu beachten. Und: "Ohne menschliches Lektorat geht es nicht!", so das Credo.

"Warum ein menschliches Lektorat unverzichtbar ist", lautet die Überschrift der Mitteilung des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) zu künstlicher Intelligenz im Lektorat (23. Juni). Er empfiehlt seinen Mitgliedern, beim Einsatz von künstlicher Intelligenz im Lektorat folgende Grundsätze zu beachten – hier im Wortlaut:

  1. Der VFLL steht für Qualität. Unabhängig davon, ob freie Lektor:innen bei ihrer Arbeit KI-Modelle verwenden oder diese Technologie bewusst nicht nutzen, ist eine hohe Textqualität ihr oberstes Ziel.
  2. Der VFLL steht für Verantwortung. Freie Lektor:innen im VFLL entscheiden eigenverantwortlich über den Einsatz von KI. Sofern KI verwendet wird, geschieht dies unter Berücksichtigung von Datenschutz, Urheberrecht und DSGVO-konformen Tools.
  3. Der VFLL steht für Kompetenz. VFLL-Mitglieder sind erfahrene Lektor:innen und zeichnen sich durch eine hohe fachliche Kompetenz aus. Falls KI-Anwendungen eingesetzt werden, dann nur mit Kenntnis ihrer Möglichkeiten, Grenzen, Schwächen und Risiken. Ergebnisse von KI-Systemen werden niemals ungeprüft übernommen.
  4. Der VFLL steht für Transparenz. VFLL-Mitglieder setzen LLMs nur nach vorheriger Absprache mit den Urheber*innen ein.
  5. Der VFLL steht für menschliche Intelligenz. Wenn KI im Lektorat eingesetzt wird, erfahren menschliche Kreativität und künstlerische Leistungen weiterhin die ihnen gebührende Wertschätzung. KI ersetzt niemals ein professionelles menschliches Lektorat und kann lediglich als Hilfsmittel dienen.
  6. Der VFLL steht für persönliche Verbindungen. Kommunikation, Beratung und Zusammenarbeit im Lektorat beruhen auf menschlicher Beziehung, Vertrauen und Verständnis. KI kann die persönliche Verbindung zwischen Lektor:in und Autor:in nicht ersetzen.

Die Grenzen von KI

Generative KI-Systeme hätten ihre Grenzen, so der VFLL, die sich auch auf die Qualität von Texten und deren Überarbeitung auswirken würden. Als einige der wichtigsten Schwächen listet der Verband auf (im Wortlaut):

  • KI generiert Ergebnisse auf Basis von Wahrscheinlichkeit. Sie ist nicht kreativ.
  • KI vertritt keine Haltung oder ethische Überzeugung.
  • KI reproduziert Bekanntes. Sie schafft nichts Neues.
  • KI kann halluzinieren, die Korrektheit von Aussagen muss daher immer geprüft werden.
  • KI reproduziert Klischees und kann Vorurteile verfestigen.
  • KI ist kein verlässlicher Sparringpartner, denn Kritik muss aktiv eingefordert werden.
  • KI kann die Intention eines Textes nur bedingt entschlüsseln.
  • KI hat kein Einfühlungsvermögen.

Dafür braucht es Lektorinnen und Lektoren

Diese Liste ließe sich weiter verlängern. Klar sei: Es brauche auch weiterhin qualifizierte Lektor:innen! Denn:

  • Lektor:innen erkennen, ob ein Text originell ist. 
  • Lektor:innen handeln verantwortungsvoll bei der Beurteilung von Texten. 
  • Lektor:innen übernehmen die Qualitätskontrolle. 
  • Lektor:innen sind vertrauenswürdige Ansprechpersonen. 

Sophie Niemann, Vorstandsmitglied (Ressorts Fortbildung und künstliche Intelligenz), erklärt: "Die Haltungen zu künstlicher Intelligenz gehen weit auseinander – auch im VFLL. Gerade diese Vielfalt ist eine Stärke unseres Verbands. Wir als Vorstand hören die unterschiedlichen Meinungen, Sorgen und Wünsche unserer Mitglieder und sind uns der Verantwortung – gegenüber unseren Mitgliedern, Kund:innen sowie der Gesellschaft und Umwelt – bewusst. Mit unserer Positionierung setzen wir ein wichtiges Zeichen: Ohne menschliches Lektorat geht es nicht!"

Über den VFLL

Der im Jahr 2000 gegründete VFLL e. V. ist der Berufsverband für freiberuflich arbeitende Lektor:innen im deutschsprachigen Raum. Er kümmert sich um die beruflichen Interessen seiner rund 1.300 Mitglieder, zu denen auch (Schluss-)Redakteur:innen und Korrektor:innen zählen.