Buchcharts – die aktuellen Bestsellerlisten

Klaus-Peter Wolf mit "Rupert 2" sofort Spitze

9. Juni 2021
von Matthias Glatthor

Von Null auf Eins, das schaffen in dieser Woche zwei Titel: Der Abschlussband der "Fifty Shades"-Variante von E L James und der zweite "Rupert undercover" von Klaus-Peter Wolf. Journalist Stefan Aust blickt in seiner Autobiografie auf 50 bewegte Berufsjahre zurück.

Neue Titel, die viel zu bieten haben

Die Wochencharts auf Börsenblatt Online

Ermittlungszeitraum: 31 Mai bis 6. Juni 2021

Von Null auf Eins: Klaus-Peter Wolf

Wie schon mit "Rupert undercover – Ostfriesische Mission" (Fischer Tb.), das in der KW 25/2020 neu auf Platz 1 in unsere Belletristik-Taschenbuchcharts eingestiegen war, gelingt Klaus-Peter Wolf (seine Website: https://www.klauspeterwolf.de/) auch mit dem zweiten Band seines Rupert-Spin-offs, "Rupert undercover – Ostfriesische Jagd" (Fischer Tb.; ET: 1. Juni) sofort der Sprung an die Spitze der Taschenbuchliste.

"Neben einer umfangreichen Publikumskampagne auf allen Kanälen – sowohl speziell in Ostfriesland als auch allgemein deutschlandweit – haben wir uns für den zweiten Rupertband folgendes Gimmick ausgedacht", sagt Marketingleiter Thomas Reisch: "in den 160.000 Exemplaren der 1. Auflage liegt ein Lesezeichen mit abtrennbarer 'Kundenkarte' der Kompensan-Bank. Ein kleiner Spaß, der gute Laune macht." Die Fans würden dieses Lesezeichen lieben.

Worum geht es in "Rupert 2"? "Rupert übernimmt mit Geldern des BKA eine Online-Bank, in der international operierende Verbrecherbanden ihr Geld waschen. So will das BKA die Geldströme kontrollieren", sagt Klaus-Peter Wolf im Interview mit Börsenblatt online. "Ruperts naiver Blick auf die Welt ermöglicht sehr klare, grundsätzliche Fragen zu gesellschaftlichen Problemen."

Der 15. Fall von Ann Kathrin Klaasen, "Ostfriesenzorn" (Fischer Tb.; ET: 11. Februar), belegt in den aktuellen TB-Charts Platz 9 (Vorwoche: 8). Auch mit diesem war Wolf in der KW 6/2021 neu auf Platz 1 eingestiegen.

Platz 1 für "Fifty Shades"-Variante

Ebenfalls den Sprung von Null auf Eins – bei der Belletristik Paperback – schafft E L James mit dem dritten Teil der Neusicht ihrer Megaseller-Trilogie "Fifty Shades": "Freed – Fifty Shades of Grey. Befreite Lust von Christian selbst erzählt" (Goldmann; ET: 1. Juni; Ü: Jeannette Bauroth, Andrea Brandl, Karin Dufner, Sonja Hauser, Christine Heinzius und Ulrike Laszlo). Christian Grey und Anastasia Steele haben geheiratet, doch große Herausforderungen stellen ihre Ehe vor eine Zerreißprobe. In einem Interview mit der "Welt" sagt die Autorin zu "Freed": "Die Geschichte in einem Satz: Der Mann kommt endlich zur Vernunft."

Die britische Autorin hat laut Verlagswebsite mit ihrer erotischen "Fifty Shades of Grey"-Trilogie, erschienen 2011/2012, weltweit mehr als 150 Millionen Exemplare verkauft. Die Bände wurden in 52 Sprachen übersetzt und verfilmt. Goldmann nennt auf Anfrage eine Gesamtzahl von 14,3 Millionen Exemplaren aller Romane von E L James, die bei den Münchnern auf Deutsch erschienen sind, inklusive "The Mister" (der nichts mit der "Fifty Shades of Grey"-Reihe zu tun habe) und in allen Formaten (Hardcover, Paperback und E-Book). Aktuell habe Goldmann keine Infos bezüglich eines neuen Buchprojektes von E L James.

Die Startauflage von "Freed" lag bei 200.000 Exemplaren, so der Verlag. Man musste noch nicht nachdrucken, habe aber bereits jede Menge Nachbestellungen.

Auch in Großbritannien hat "Freed" sich in der ersten Verkaufswoche sofort an die Spitze der Charts gesetzt, wie "The Bookseller" am 8. Juni berichtet hat. Dabei seien 35.516 Exemplare abgesetzt worden.

Zeruya Shalevs neuer Roman

Die israelische Autorin Zeruya Shalev kann mit "Schicksal" (Berlin Verlag; ET: 31. Mai; Ü: Anne Birkenhauer) den einzigen Neueinsteiger in den Belletristik-Hardcovercharts lancieren – auf Platz 7. Atara lebt in zweiter Ehe mit Alex, der sich neuerdings von ihr zurückzuziehen scheint. Und ihr gemeinsamer Sohn, ein Elitesoldat, scheint traumatisiert. Um ihre Familie besser zu verstehen, trifft sie sich mit Rachel, der ersten Frau ihres Vaters. Doch die Begegnung der beiden Frauen mündet in eine Katastrophe in der Gegenwart, so der Klappentext über den Roman. Die auf der Website zitierten Feuilletons überschütten diesen mit Lobeshymnen: "Schicksal" handle von Fehlentscheidungen und unglücklichen Verkettungen, schreibt etwa der "Tagesspiegel", und: "Die Lektüre dieses welthaltigen Romans schmerzt geradezu körperlich. Er ist ein Ereignis." Die "Süddeutsche Zeitung" spricht von einem "zeitgenössischen Meisterwerk".

Shalevs vielfach ausgezeichnete Trilogie über die moderne Liebe – "Liebesleben", "Mann und Frau", "Späte Familie" – wurde in über zwanzig Sprachen übertragen. "Liebesleben" hatte 2007 Maria Schrader, die 2020 für ihre Netflix-Miniserie "Unorthodox" (nach der gleichnamigen Buchvorlage von Deborah Feldman) einen Emmy Primetime Award gewinnen konnte, verfilmt.

Sachbuch: Stefan Aust erinnert sich

Bei den Sachbuchcharts zeigt sich einmal mehr die positive Wirkung, die der Besuch einer Talkshow offenbar für den Absatz mit sich bringt. Der Journalist Stefan Aust, der unter anderem am 2. Juni bei "maischberger. Die Woche" (ARD) zu Gast war, steigt mit seiner Autobiografie "Zeitreise" (Piper; ET: 31. Mai) neu auf Platz 7 in der Hardcoverliste ein. Der 1946 in Stade geborene Aust, Autor von "Der Baader-Meinhof-Komplex" (1985), begann bei der Zeitschrift "konkret", arbeitete für das TV-Magazin "Panorma", war Chefredakteur des "Spiegel" und ist aktuell Herausgeber der "Welt". Sein Buch ist vor allem ein Rückblick auf seine journalistische Laufbahn, eine Geschichte des bundesrepublikanischen Journalismus. Eine Autobiografie sei "Zeitreise" im engeren Sinne nicht, meint der "Tagesspiegel", denn: "Vom Innenleben des Menschen Aust erfährt man auf diesen über 600 Seiten wenig."

Bei Markus Lanz (ZDF) war am 3. Juni Harald Lesch zu sehen, der gerade zusammen mit Klaus Kamphausen den Titel "Denkt mit!" (Penguin; ET: 24. Mai) veröffentlicht hat. Die beiden machen sich laut Untertitel Gedanken darüber, "Wie uns Wissenschaft in Krisenzeiten helfen kann". Sie steigen neu auf Platz 15 bei den Hardcovern ein. Am 2. Juni war die junge CDU-Politikerin Diana Kinnert zu Gast bei Markus Lanz und die Thesen aus ihrem Buch (zusammen mit Marc Bielefeld) "Die neue Einsamkeit" (Hoffmann und Campe; ET: 2. März) wurden ausführlich diskutiert – in unseren Hardcovercharts kommt es in dieser Woche als Wiedereinsteiger auf Platz 20

Die Hardcoverliste glänzt in dieser Woche mit weiteren interessanten Neueinstiegern. Im Überblick:

  • Platz 9: "Vegan ist Unsinn!" (Becker Joest Volk; ET: 31. Mai) von Niko Rittenau, Patrick Schönfeld ("Der Artgenosse") und Ed Winters ("Earthling Ed"). Das hier keine Vegan-Gegner am Werk sind, zeigt schon der Untertitel: "Populäre Argumente gegen Veganismus und wie man sie entkräftet".
  • Platz 10: "Freiheit in mir" (Knaur; ET: 1. Juni) von Gil Ofarim. Der Sohn des israelischen Sängers Abi Ofarim und dessen dritter Ehefrau Sandra Reichstadt, ist hierzulande als Rockmusiker, Musicaldarsteller und Schauspieler bekannt. Sein Album "Alles auf Hoffnung" (2020) holte Platz 5 in den deutschen Charts. Nun legt der 39-Jährige seine Autobiografie (mit Co-Autorin Lara Höltkemeier) vor und klettert damit als Top-Aufsteiger der Woche 70 Plätze nach oben in der Sachbuchliste. Enthalten sind Fotos von Ina Bohnsack – auch das starke Coverbild stammt von ihr.
  • Platz 17: "Abendflüge" (Hanser; ET: 17. Mai; Ü: Ulrike Kretschmer) von Helen Macdonald. Das neue Buch der Autorin des Bestsellers "H wie Habicht". In Anspielung auf die frühneuzeitlichen, fürstlichen Wunderkammern, schreibt sie im Vorwort, worum es ihr geht: "Ich hoffe, dieses Buch funktioniert ein wenig wie eine Wunderkammer. Es steckt voller seltsamer Dinge und beschäftigt sich mit der Eigenschaft des Staunens." Staunen über Phänomene in der Natur.

Beim Paperback und Taschenbuch können sich neu in den Top 10 platzieren:

  • Platz 10 (PB): "Fairknallt – Mein grüner Kompromiss" (Ullstein Pb., ET: 31. Mai) von der Bloggerin Marie Nasemann. Sie erzählt, wie sie versucht ihren eigenen grünen Kompromiss zu leben – was dabei gut gelingt und wo sie gescheitert ist. Für das Buch hat sie eine eigene Website eingerichtet: https://www.fairknallt.de/
  • Platz 7 (TB): "San Francisco liegt am Rhein – Eine Weltreise durch Deutschland" (Ullstein Tb.; ET: 31. Mai) des Reisejournalisten Christoph Karrasch.

Der Link zu den Wochenlisten:

https://www.boersenblatt.net/news/bestseller

Insgesamt haben unsere aktuellen Wochencharts 18 Neueinsteiger und elf Wiedereinsteiger.

Höchstplatzierter Rückkehrer ist Peter Modler mit "Mit Ignoranten sprechen" (Campus) auf Platz 18 in den Sachbuchcharts (PB). Der Titel ist am 21. August 2019 erschienen und war seither drei Wochen in den Top 25, jetzt kommt die vierte Woche hinzu. Der Coach und Unternehmensberater (seine Website) formuliert zehn konkrete Widerstandsregeln im (verbalen) Umgang mit Machtspielern.

Über die Bestsellerlisten

Die Börsenblatt-Bestsellerlisten basieren auf Verkaufszahlen, die von unserem Kooperationspartner Media Control erhoben werden. Hierzu werden wöchentlich, elektronisch die Verkaufszahlen aus den Warenwirtschaftssystemen von deutschlandweit mehr als 6.550 Verkaufsstellen ausgelesen: Sortimentsbuchhandlungen inklusive eCommerce, Bahnhofsbuchhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie Elektro- und Drogeriemärkte. Bezogen auf das Umsatzvolumen bilden die Daten 88 Prozent des gesamten deutschen Buchmarktes ab. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.