"Kleine Buchhandlung in romantischer Umgebung sucht Nachfolger:in" – so lautete die Anzeige in der Buchhandlungsbörse des Börsenvereins. Das Besondere: Hier suchte nicht ein bisheriger Inhaber eine Nachfolge – sondern der Vermieter Klauspeter Hack.
Sein Fachwerkhaus in Meersburg, erbaut im 16. Jahrhundert, hatte jahrelang den Buchhandel beherbergt: fünf Jahre die Buchhandlung Wälischmiller aus Markdorf, 25 Jahre die Buchhandlung Kuhn und anschließend fünf Jahre eine Filiale der Linzgau-Buchhandlung Michael Schlageters, bis Schlageter sich auf sein Geschäft in Salem konzentrieren wollte und die Filiale in Meersburg aufgab. Der Buchladen wurde im Sommer 2024 verkauft, nach einer zweiwöchigen Schließungszeit wollte ein neuer Inhaber das Geschäft in der Steigstraße wieder öffnen. Doch dazu kam es nicht. Der Quereinsteiger ohne bisherige buchhändlerische Erfahrung änderte kurzfristig seine Pläne und übergab an eine ehemalige Mitarbeiterin der Linzgau-Buchhandlung, die allerdings nach einem Jahr das Geschäft wieder aufgab.
Für den Vermieter begann eine unruhige Zeit. Hack sorgte sich. Mehr als der Mietausfall schmerzte ihn, dass der Ort am Nordufer des Bodensees mit seinen rund 5.600 Einwohnern seine einzige Buchhandlung verloren hatte. Die nächsten Buchhandlungen auf der Nordseite des Bodensees liegen in Markdorf und Friedrichshafen, zehn bzw. 18 Kilometer entfernt. Und Hack, ein in der Wolle gefärbter Kulturmensch, der auf ein jahrzehntelanges Engagement für Geschichte, Literatur und Theater zurückblickt, konnte sich keine andere Branche in seinem Haus vorstellen – ganz abgesehen davon, dass die Vollholzregale immer noch vollgepackt mit Büchern waren. Meersburg braucht doch eine Buchhandlung, so seine Überzeugung.