Fehlende Umsätze durch Schwund der Buchkäufer:innen

Buchmarkt 2025: Die offiziellen Zahlen

9. Juli 2026
Christina Schulte

Die Buchbranche hat das Jahr 2025 mit einem Umsatzminus abgeschlossen. Laut Börsenverein spielen dabei vor allem sinkende Lesekompetenz, Bürokratie und die gesamtwirtschaftliche Lage eine Rolle. Hier sind die Zahlen.

Ein Kind neben einem Stapel Bücher mit dem Handy in der Hand.

Digitale Ablenkung: Die 10- bis 15-Jährigen gaben im vergangenen Jahr 23,8 Prozent weniger für Bücher aus als 2024

Der Bericht "Buchmarkt kompakt 2025/2026", den der Börsenverein am 9. Juli veröffentlicht hat, zeigt, welche Entwicklungen der Buchbranche zu schaffen machen – und wie sie sich klar und deutlich in den Zahlen niederschlagen. Zunächst ein Blick auf die Buchkäufer:innen – denn wo sie fehlen, fehlen Umsätze. Nach Angaben des Verbands ist die Zahl der Buchkäufer:innen im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent zurückgegangen (siehe Grafik 1). Vom Schwund besonders betroffen ist die Zielgruppe der 10- bis 15-Jährigen: Hier hat die Zahl der Buchkäufer:innen sogar um 30,6 Prozent abgenommen. Auch die 20- bis 29-Jährigen verzeichneten einen hohen Rückgang von 17,8 Prozent. Bei den 16- bis 19-Jährigen ist die Lage noch stabil (plus 7,7 Prozent). Der Einbruch bei der jungen Zielgruppe zeigt sich auch bei den Ausgaben. So investierten die 10- bis 15-Jährigen im vergangenen Jahr 23,8 Prozent weniger in Bücher als 2024, die 20- bis 29-Jährigen 8,5 Prozent weniger. Die 16- bis 19-Jährigen sind mit plus 6,3 Prozent bislang nicht betroffen. 

 

Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins, wird angesichts dieser Entwicklung deutlich: "Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt. Das Ergebnis lässt sich nun unmittelbar an den Marktzahlen ablesen." Diese Zahlen müssten auch ein Weckruf an die Politik sein, es brauche umgehend konsequente Maßnahmen, um Bildung und Lesekompetenz zu verbessern.

Porträt von Sebastian Guggolz mit grünem Pulli vor grauem Hintergrund

Sebastian Guggolz

Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt.

Sebastian Guggolz

Gesamtumsatz sinkt

Die Branche hat 2025 nach Berechnungen des Börsenvereins einen Gesamtumsatz von 9,62 Milliarden Euro erzielt (2024: 9,88 Milliarden Euro). Das entspricht einem Minus von 2,7 Prozent (Grafik 2). Dieses Mal hat auch der Sortimentsbuchhandel (ohne E-Commerce) Umsatz verloren. Die Einnahmen des größten Vertriebswegs lagen mit 3,93 Milliarden Euro um 3,7 Prozent unter Vorjahreslevel, der Marktanteil beläuft sich auf 40,8 Prozent (Grafik 3). Das Onlinegeschäft, bei dem etwa die Hälfte auf die Shops der stationären Buchhandlungen entfällt, ist mit einem minimalen Minus von 0,1 Prozent aus dem Jahr gegangen (Umsatz 2,51 Milliarden Euro, Marktanteil 26,1 Prozent). 

Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, analysiert: "Zusätzlich zur eklatant rückläufigen Lesekompetenz sorgen die schwache Konjunktur und hohe Verbraucherunsicherheit für Umsatzrückgänge." Überbordende bürokratische Anforderungen würden Ressourcen in den Unternehmen binden. "Für viele Buchhandlungen und Verlage bedeutet das eine nochmalige Zunahme des bereits hohen Kostendrucks."

Peter Kraus vom Cleff

Peter Kraus vom Cleff

Zusätzlich zur eklatant rückläufigen Lesekompetenz sorgen die schwache Konjunktur und hohe Verbraucherunsicherheit für Umsatzrückgänge.

 

Peter Kraus vom Cleff

New und Young Adult im Plus

Die meisten Warengruppen haben 2025 ihre Vorjahreswerte nicht erreicht. Stabil zeigte sich die Belle­tristik mit einem Umsatzplus von 1,2 Prozent. Ausreißer nach oben waren die Genres Young Adult und New Adult, die einen Aufschwung erlebten. Der Umsatz mit Young-Adult-Titeln erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent, mit New-Adult-Titeln wurden sogar 9,6 Prozent mehr eingenommen. Die Zahl der Käufer:innen kletterte hier ebenfalls nach oben – um 8,8 Prozent im Vergleich zu 2024 und um 47,5 Prozent seit 2021.

Grafiken zu den Branchenzahlen

Verlage halten sich zurück

Die Zahl der Erstauflagen ist 2025 abermals gesunken, die Verlage haben ihren Titelausstoß spürbar reduziert (Grafik 4). Alles in allem kamen 52.644 Novitäten auf den Markt, das sind 9,8 Prozent weniger als 2024 (58.346). Die Gründe: Die Verlage planen in unsicheren Zeiten vorsichtiger, zudem sind Backlist-Titel ein wichtiger Umsatzbringer. Mehr als die Hälfte der 2025 verkauften Bücher (57 Prozent) waren älter als zwölf Monate.

Weniger Lizenzen verkauft

Die Zahl der Übersetzungen ins Deutsche lag im vergangenen Jahr bei 8.465 Titeln. Der Anteil übersetzter Titel an allen Neuerscheinungen stieg – wegen des Rückgangs der gesamten Titelproduktion – von 15,0 auf 16,1 Prozent. Der Lizenzverkauf nahm 2025 ab. 6.137 Buchrechte verkauften deutsche Verlage 2025 ins Ausland (Grafik 5). Die wichtigsten Abnehmer waren China, Russland und Spanien.

Hörbücher machen Freude

Weiterhin auf Erfolgskurs befinden sich die Hörbücher. Die Einnahmen gingen mit einem Plus von 13,2 Prozent gleich zweistellig in die Höhe (Grafik 6). Das Wachstum wird nach wie vor vom Digitalgeschäft getrieben: Streaming gewann 23,1 Prozent dazu, Downloads legten um 9,2 Prozent zu.

Erstes Halbjahr im Minus

Das schwache Konsumklima hält auch im laufenden Jahr an, entsprechend fallen die Umsätze im Buchhandel aus. Von Januar bis Juni 2026 sind die Einnahmen in den zentralen Vertriebswegen im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent zurückgegangen, der Absatz ist um 4,5 Prozent gesunken (Grafik 7).