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Weiterleben

9. Juli 2026
TONI HECHT

Zwischen Schicksalsschlag und Neuanfang: Patrick Charnleys Romandebüt "Weiterleben" erzählt von der Kraft der Natur, der Schönheit des Augenblicks und dem Hineinwachsen in ein verändertes Leben.

Das Cover zu Patrick Charnley: Weiterleben, vor einem blauen Himmel.

Was passiert, wenn zwischen Terminen, Nachrichten und Erwartungen der Kontakt zu uns selbst verloren geht? Und wie finden wir zur Ruhe, wenn wir vor unseren eigenen Gefühlen auf der Flucht sind? Wir verlieren schnell den Blick dafür, was im Leben wesentlich ist. Und manchmal werden wir dazu gezwungen, alles zu überdenken.

Im Mittelpunkt des Romans "Weiterleben" von Patrick Charnley steht der zwanzigjährige Jago Trevarno.  Nach dem frühen Tod seiner Mutter und der Trennung von seiner Freundin führt er ein Leben auf der Überholspur. Doch dieses Leben ist plötzlich vorbei: Jago erleidet einen Herzstillstand und ist vierzig Minuten lang klinisch tot.

Geborgenheit in der Veränderung

Als er wieder aufwacht, ist nichts mehr wie zuvor: Sein Gedächtnis funktioniert nur eingeschränkt, Reize überfordern ihn, Erinnerungen fehlen. Für seinen Onkel Jacob ist es keine Frage: Er holt ihn auf seinen abgelegenen Bauernhof in Cornwall – und gemeinsam mit Jacob und Jago tauchen die Leserinnen und Leser ein in eine Welt, in der es viel Raum gibt, um zur Ruhe zu kommen: Onkel Jacob im Morgenmantel, der gemächlich zubereitete Kaffee, die gemeinsame Reparatur des Weidezauns, der Mittagsschlaf – der Alltag auf dem Bauernhof wird für Jago zu einem entschleunigten Zufluchtsort.

Inmitten der Schönheit der Natur findet er Kontakt mit der Kraft, die in seiner ungewohnten Langsamkeit liegt – und damit Kontakt zu sich selbst. Ein Konflikt mit dem skrupellosen Bill Sligo bringt Unruhe in diese fragile Ordnung und fordert Jago heraus, Verantwortung für das zu übernehmen, was ihm wichtig geworden ist.

Patrick Charnley

Patrick Charnley

Schreiben aus eigener Erfahrung

Mit fließender Sprache und großer Empathie für seinen Protagonisten gelingt es Patrick Charnley, nicht nur Jago, sondern auch seine Leserinnen und Leser zur Ruhe kommen zu lassen. Das mag daran liegen, dass der Autor Jagos Erfahrung selbst kennt: Er erlitt 2021 einen Herzstillstand, seither mit den Folgen einer Hirnschädigung. Viele Eindrücke und Empfindungen, die Jago erlebt, beruhen auf seinen eigenen Erfahrungen. Im Gespräch beschreibt der Autor seinen Roman als "Meditation über die Schönheit der Natur und ihre heilende Kraft". Ihn interessierte die Frage, was sichtbar wird, wenn ein Mensch das Tempo im eigenen Leben drosseln muss und beginnt, den gegenwärtigen Moment neu wertzuschätzen. "Weiterleben" ist seine Antwort auf diese Frage – und sie ist eine Bereicherung für alle, die sich danach sehnen, aus dem Hamsterrad des Lebens auszusteigen.

Cornwall als Ort der Ruhe

Es ist auch die Landschaft Cornwalls – das Meer, uralte Granitklippen, Wildblumen, Pferde, Weiden – die Jago dabei hilft, die eigene Veränderung zu akzeptieren. Da, wo Himmel, Meer und Weite grenzenlos wirken, und scheinbar alles gleich bleibt, wird ein Umgang mit der eigenen Begrenztheit möglich. Und während Jago lernt, die Welt neu zu ordnen, verändert sich der Blick der Leserinnen und Leser: Charnley lädt auch sie ein, die Schönheit des Augenblicks bewusster wahrzunehmen und den kleinen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken.

Ein Roman, der sich Zeit nimmt

Die britische "Daily Mail" nennt "Weiterleben" einen "authentischen und bewegenden Roman über Fürsorge und Hoffnung". Es stimmt: Wer diesen Roman liest, begleitet nicht nur Jago auf einem neuen Weg – sondern auch sich selbst. Es ist ein Weg, der von persönlichem Wachstum und von Zuversicht erzählt. "Weiterleben" nimmt sich Zeit – und schenkt sie seinen Leserinnen und Lesern.

 

Weiterleben
Patrick Charnley
Übersetzt von Michaela Grabinger
24,00 € (DE)
ISBN 978-3-7558-0050-7
288 Seiten
ET: 11.08.2026
DuMont Buchverlag

3D Cover zu Patrick Charnley: Weiterleben.