Börsenblatt Young Excellence Award

Clara Trumpf: Buchhandel macht Schule

10. Juni 2026
Nele Marggraf

Nach ihrem VWL-Studium entscheidet sich Clara Trumpf, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten und Buchhändlerin zu werden. Heute setzt sie sich neben ihrer Arbeit in der Buchhandlung Taube in Marbach für den Buchhändler:innen-Nachwuchs ein: Sie unterrichtet Betriebswirtschaft an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart und sitzt im Prüfungserstellungskomitee. Clara Trumpf ist für den #yeaward26 nominiert.

Clara Trumpf

Clara Trumpf

Was macht mich wirklich glücklich?

"Viele Leute sind zu pessimistisch und behaupten, dass junge Leute nicht mehr lesen würden – und wenn, dann E-Books. Ja, die Buchbranche ist nicht mehr das, was sie vor 20 oder 30 Jahren war, aber es ändert sich nun mal ständig alles. Ich glaube nicht, dass das Buch ein totes Produkt sein wird." Dass Clara Trumpf eine Lanze für die Branche bricht, ist kein Wunder. Ihre Verbundenheit zu Büchern und Literatur besteht bereits seit ihrer frühen Kindheit: "Meine Mama ist Buchhändlerin, ich bin also mitten im Buchhandel aufgewachsen", erzählt sie. Nach dem Abitur geht es für Clara trotzdem nicht schnurstracks in die Buchhändler:innen-Ausbildung, sondern zunächst nach Mannheim und Trier, wo sie VWL studiert und ihren Master macht. Das Ende ihrer Studienzeit fällt in die Corona-Pandemie, wo sich ihr die essenziellen Fragen aufdrängen: "Was will ich mit meinem Leben anfangen? Und was macht mich wirklich glücklich?" Kurz darauf scheint sie die Antwort auf diese Frage zu finden – und beginnt ihre Ausbildung zur Buchhändlerin in der Buchhandlung Taube in Marbach, in der sie auch heute noch arbeitet. 

Meine Mama ist Buchhändlerin, ich bin also mitten im Buchhandel aufgewachsen.

Rückzugsort Taube

Die "Taube" befindet sich in einem ganz besonderen Gebäude – der Wendelinskapelle. Die speziellen Gegebenheiten vor Ort stellen das Team vor logistische Probleme: "Die alte Kapelle ist sehr schön, aber eben auch denkmalgeschützt. Wir haben eine Treppe und der obere Bereich wurde irgendwie nie so richtig angenommen." Das will Clara ändern. Zusammen mit einer Kollegin baut sie dort einen neuen Jugendbereich auf: "Ganz barrierefrei geht es aus Denkmalschutzgründen leider einfach nicht. Da die Nachfrage für englische Titel, New-Adult und Mangas zu der Zeit stark gestiegen ist, wollten wir dem ganzen sowieso mehr Raum geben. Jetzt haben wir die gemütliche Jugendecke mit genau diesen Titeln – also einen Raum für die Zielgruppe, die da am besten hochkommt", schmunzelt sie. “Eine kreative Lösung zu finden und diesen Bereich frei zu gestalten, hat mir super viel Spaß gemacht."

Nachfolgerin gesucht

Ihre Erfahrung und Begeisterung für den Beruf kann sie bereits kurz nach ihrer Ausbildung an die nächste Generation weitergeben. Claras ehemalige Berufsschule, die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart, bietet ihr nach dem Abschluss eine Stelle an. In Baden-Württemberg unterrichten Menschen mit Berufserfahrung Berufsschüler:innen als sogenannte "Nebenlehrer:innen": "Das Konzept ist toll, weil wir natürlich Erfahrungen aus dem Beruf mitbringen, die andere Lehrkräfte nicht haben", findet Clara. "Diese Nähe zum Buchhandel ist ein wichtiger Faktor. Dass man auf der einen Seite eine fundierte Ausbildung bietet, aber eben auch Freude und eine Zukunftssicht für den Beruf vermittelt – und die Leute damit dann auch in der Branche hält. Ich unterrichte jetzt schon seit einem Jahr Betriebswirtschaft und es macht mir nach wie vor sehr viel Freude!" Seit kurzem ist Clara außerdem Teil des Prüfungserstellungsausschusses.

Die Nähe zum Buchhandel ist ein wichtiger Faktor. Dass man auf der einen Seite eine fundierte Ausbildung bietet, aber eben auch Freude und eine Zukunftssicht für den Beruf vermittelt.

Die Unabhängigen

In ihrem Klassenzimmer sitzen hauptsächlich Schüler:innen aus unabhängigen Buchhandlungen, da die Cotta-Schule als einzige in Baden-Württemberg keinen Blockunterricht abhält. "Bei uns haben die Schüler:innen zwei Tage pro Woche Unterricht. Deswegen sind halt viele aus den ganz kleinen Buchhandlungen bei uns, die es sich nicht leisten können, wochenlang auf ihre Azubis zu verzichten. Darum ist diese Form des Unterrichts auch so wichtig", erklärt Clara. "Die entsprechenden Buchhandlungen könnten ansonsten nicht mehr ausbilden, zumindest nicht in Baden-Württemberg. Und um den unabhängigen Buchhandel zu erhalten, muss man auch im unabhängigen Buchhandel ausbilden, finde ich."

Eine bunte Truppe

Was macht so eine buntgemischte Buchhändler:innen-Klasse eigentlich aus? "Man bekommt ganz viel aus anderen Buchhandlungen mit", schwärmt die Lehrerin. "Ich habe tatsächlich eine Schülerin, bei der der Betrieb noch Buchlaufkarten zur Kontrolle des Lagerbestandes nutzt, was ich crazy finde. Eine andere kommt aus einer reinen Comic-Buchhandlung. Man nimmt gegenseitig so viel an Ideen und Input mit. Wie machen die anderen Veranstaltungen? Wie dekorieren sie ihre Schaufenster? Und wie gestalten sie ihre Websites? Das ist super spannend für die Auszubildenden." Für Clara ist auch der Austausch zwischen den verschiedenen Betrieben von großer Bedeutung: "Selbst wenn man in der gleichen Region und damit irgendwo auch Konkurrenz ist –  Ich finde es schön und wichtig, dass im Buchhandel Gatekeeping kein so großes Ding ist."

Ich finde es schön und wichtig, dass im Buchhandel Gatekeeping kein so großes Ding ist.

Miteinander statt Gegeneinander

Clara erzählt, dass eine Buchhandlung in der Region einen Escape Room gekauft hat, den die Buchhandlung Taube jetzt ebenfalls übernimmt: "So läuft das eben, Ideen im Buchhandel werden weitergegeben. Es wird gefördert, dass andere Buchhandlungen auch tolle, schöne Orte sind. Orte, an denen eben nicht nur Bücher verkauft werden, sondern die auch als Kulturstandorte funktionieren. Diese Grundhaltung ist im unabhängigen Buchhandel einfach noch ein bisschen mehr da. Ich will gar nicht schlecht über die großen Häuser reden, die haben ihre Daseinsberechtigung und ihren Platz – nur ist das nicht meiner." Ihr ist es sehr wichtig, dass Diversität in der Buchbranche und im Buchhandel erhalten bleibt, da unabhängige Buchhandlungen zusätzlich kleinere Verlage unterstützen und deren Erhalt sichern. "Und deswegen finde ich die Ausbildung in unabhängigen Buchhandlungen extrem relevant. Als ich gefragt wurde, ob ich ein Teil davon sein möchte, habe ich natürlich sofort zugesagt. Ich denke, dass der Nachwuchs, wenn die Ausbildung richtig gut ist, eher dabei bleibt." Clara wünscht sich diesen Optimismus von mehr Leuten in der Branche: "Wir haben so tolle, junge Leute, die die Ausbildung anfangen – die auch in der Buchbranche bleiben wollen!"

Es wird gefördert, dass andere Buchhandlungen auch tolle, schöne Orte sind.

Kurzvita

 

Clara Trumpf  
1996 geboren in Karlsruhe
2014–2015 Au Pair in England
2015–2022 Studium VWL in Mannheim und Trier
2022–2024 Ausbildung zur Buchhändlerin in der Buchhandlung Taube in Marbach
Seit 2022 Buchhändlerin in der Buchhandlung Taube in Marbach
Seit 2025 Nebenlehrerin an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart
Seit 2026 Teil des Landesfachausschusses Prüfungserstellungskomitee für Buchhändler:innen

Über den Börsenblatt Young Excellence Award 

Der Börsenblatt Young Excellence Award ehrt herausragende Persönlichkeiten bis 35 Jahre, die in der Buchbranche etwas bewegen – sei es in einer Buchhandlung, im Verlag, bei einem Dienstleistungsunternehmen oder in Selbständigkeit. Das Fachmagazin Börsenblatt vergibt die Auszeichnung zusammen mit den Unternehmen der Börsenvereinsgruppe: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Frankfurter Buchmesse, Mediacampus Frankfurt und MVB. Die future!publish unterstützt den #yeaward26 als Partner. 10 Young Professionals sind nominiert: www.young-excellence-award.de