Die Nachlese: Was war los in KW 33?

Deutscher Buchpreis ++ PPWR-Unmut ++ starkes US-Marktwachstum

17. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Jede Woche blickt die Börsenblatt-Redaktion zurück und fasst im Podcast "Die Nachlese" zusammen, was in der Buchbranche wichtig war. Dieses Mal geht's um den Deutschen Buchpreis, PPWR-Unmut und starkes US-Marktwachstum bei den Verlagsumsätzen.

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Deutscher Buchpreis

Anfang der Woche war es so weit: Die Longlist zum Deutschen Buchpreis ist veröffentlicht worden. Vorab hatten wir euch auf boersenblatt.net und auf Social Media gefragt, welche Titel eurer Meinung nach unbedingt draufstehen sollten – und haben viele Antworten erhalten. Aus den zehn von euch meistgenannten Büchern haben es drei tatsächlich auf die Longlist geschafft, und zwar „Nelka“ von Svenja Leiber, „Sanditz“ von Lukas Rietzschel und „Unerwünschte Töchter“ von Miriam Carbe. 

Insgesamt hat die Jury 20 Romane nominiert und 205 Titel gesichtet. Auf der Longlist stehen außerdem unter anderem Shida Bazyar mit „Die Lücken“, Tomer Gardi mit „Liefern“, Ingo Schulze mit „Das Wasser im August“, Heinz Strunk mit „Memories of Heidelberg“ und Karosh Taha mit „Gulistan“. Die Autor:innen sind damit im Rennen um den Deutschen Buchpreis, der mit 25.000 Euro dotiert ist und zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 5. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers vergeben wird. 

Zunächst wird aber am 8. September die Shortlist mit sechs Titeln bekanntgegeben. Und wer gewinnt, erfahren die Finalist:innen erst am Abend der Preisverleihung. 

EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung

Zum Start der neuen EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung, kurz PPWR, fordern Verbände aus der Druck- und Medienwertschöpfungskette mehr Zeit und Rechtssicherheit. Sie kritisieren, dass das überarbeitete FAQ der EU-Kommission erst kurz vor Geltungsbeginn veröffentlicht wurde und viele Fragen zur Umsetzung weiterhin offen seien. 

Nach Ansicht der Verbände bleibt Unternehmen dadurch zu wenig Vorbereitungszeit, um Rollen und Pflichten rechtssicher in Prozesse zu übersetzen. Besonders schwierig sei das beim grenzüberschreitenden Versand im EU-Binnenmarkt, vor allem für Betriebe, die nur Kleinstmengen versenden. Gefordert werden deshalb ein Übergangszeitraum, Vertrauensschutz für bereits umgesetzte Maßnahmen, Zurückhaltung bei Kontrollen und Sanktionen zum Start sowie eine einheitliche Auslegung der PPWR in der EU und pragmatische Lösungen bei Registrierung, Systembeteiligung und der Bestellung von Bevollmächtigten. Unterzeichnet ist die Forderung unter anderem vom Börsenverein sowie weiteren Verbänden aus Presse, Druck und Medien.

US-Buchmarkt

Der US-Buchmarkt ist 2025 um 2,5 Prozent auf umgerechnet 29 Milliarden Euro gewachsen. Getragen wurde das Plus vor allem vom Publikumsmarkt. Besonders kräftig legten religiöse Verlage zu. Auch die Erwachsenen-Belletristik wuchs deutlich, während Sachbücher für Erwachsene und Kinder- und Jugendbücher nur leicht zulegten. Ein weiterer Wachstumstreiber waren Lehrmaterialien für Hochschulen. Im Schulbereich gingen die Erlöse dagegen zurück. Bei den Formaten spielt Print weiterhin die Hauptrolle: Gedruckte Bücher stehen für gut die Hälfte der gesamten Verlagserlöse. Sowohl Hardcover als auch Taschenbücher legten zu. Digital wuchs vor allem das Audio-Geschäft, aber auch E-Books erzielten ein Plus. Wichtig für den Vertrieb: Der Onlinehandel blieb mit umgerechnet 10,7 Milliarden Euro der größte Kanal. Dynamischer entwickelte sich allerdings der stationäre Handel. Dort stiegen die Erlöse um 7,2 Prozent. 

Verlage

Bei den Europa Verlagen gibt es nach dem Insolvenzverfahren eine Lösung für zwei Imprints. Christian Strasser übernimmt mit seiner Europa Medien Beteiligungs mbH den Europa Verlag, Golkonda hatte er bereits vor der Insolvenz erworben. Scorpio geht an den Next Level Verlag. Autor:innen sollen individuell informiert werden, und sobald die nötigen Unterlagen vorliegen, kann der Vertrieb wieder anlaufen. Vorbestellungen über Prolit sind laut Mitteilung schon wieder möglich. 

supposé startet zum bevorstehenden 30-jährigen Jubiläum erstmals ein Buchprogramm. Dafür werden vier bisher nur als Audio-Eigenproduktionen veröffentlichte Erzählformate nun auch als Buch herausgebracht. Verlagsleiter Klaus Sander spricht von einem "Experiment, ob der Text auch nach dem Wechsel vom akustischen ins schriftlich fixierte Medium noch funktioniert". Die mündliche Diktion sei im Abschlusslektorat beibehalten worden. Die Reihe soll Anfang 2027 fortgesetzt werden. 

Der Kunstmann Verlag wird 50. Gegründet wurde er 1976 in München von Antje Kunstmann, anfangs als Frauenbuchverlag. Seit 2023 führt ihr Sohn Moritz Kirschner den Verlag als Verleger weiter. Zum Jubiläum ist ein besonderes Herbstprogramm angekündigt, mit Titeln wie „Menopause Turbosause“ von Ella Carina Werner, Irvine Welshs „Men in Love“ als Fortsetzung von „Trainspotting“ und „Diaries of Note“ von Shaun Usher in bibliophiler Ausstattung. Im Kinderbuchprogramm ist außerdem „Der Kater mit Hut“ von Dr. Seuss geplant, passend zum Filmstart im Dezember.  

Buchhandel

In Neumünster hat Ende Juli die neue Buchhandlung „Bücherwald“ eröffnet. Gründerin Uta Riemer ist Quereinsteigerin und hat den Laden gemeinsam mit ihrem Partner aufgebaut, unterstützt von eBuch und Libri. Auf rund 100 Quadratmetern verbindet „Bücherwald“ Buchhandlung und Café, mit Leseecken, Sitzplätzen und einer Kinderabteilung samt Aquarium. Zum Konzept gehören auch Mitmach-Elemente: Kund:innen können am Schreibpult Buchempfehlungen für andere hinterlassen, und an einem „Mitmachbaum“ Zitate, Zeichnungen oder Botschaften. Schwerpunkt sind Romane sowie Kinder- und Jugendbücher, ausdrücklich auch weniger bekannte Klassiker. Dazu kommen familienfreundliche Extras wie Wickeltisch und Kund:innentoilette – und ein Klavier im Verkaufsraum, das zum Spielen einladen soll. 

In Frankfurt kooperiert Hugendubel zum Neustart der renovierten Filiale am Steinweg mit dem LYX Verlag. Für sechs Wochen zieht das Café deLYX als Pop-up in „Henris Bistro“ ein, mit ausgewählten LYX-Titeln, Getränken und Aktionen rund um New Adult. Auch eine zusätzliche Café-deLYX-Merch-Serie ist angekündigt. Zu den geplanten Programmpunkten zählen der erste Deutschlandbesuch der englischen Bestsellerautorin Tillie Cole sowie Veranstaltungen mit Lena Kiefer, Selina Mae und Anna Lane. Nach dem Pop-up kehrt „Henris Bistro“ wieder als fester Bestandteil der Filiale zurück.  

Die Penguin Random House Verlagsgruppe veranstaltet am 6. und 7. November wieder ein lit.Love-Festival im eigenen Haus in der Neumarkter Straße in München. Angekündigt sind 26 Romance-Autor:innen, darunter E L James und Sarah A. Parker. Los geht’s am Freitag mit einem Abendevent, am Samstag folgt eine ganztägige Convention. 

Kurz notiert

  • Der Reiseführerverlag Edition Elch stellt seine Tätigkeit zum 31. August ein. Seit fast 29 Jahren erschienen dort Skandinavien-Reiseführer. 
  • Vom 9. bis 13. September findet das „gute aussichten: Festival der Fotografie, Poesie & KI“ mit über 20 Veranstaltungen in Neustadt/W., Edenkoben, Hambach und Karlsruhe statt.  
  • Das Dresdner Literaturfestival „Literatur Jetzt!“ wird am 23. September eröffnet. Es läuft bis 27. September im Zentralwerk statt. 
  • Vom 22. bis 27. September wird zum 2. Mal das internationale literaturfestival graal-müritz an der Ostsee gefeiert – mit internationalen Top-Autor:innen wie Boualem Sansal und Dorota Maslowska. 
  • Vom 2. bis 18. Oktober lädt Berlin wieder zum lateinamerikanische Literaturfestival Barrio | Bairro Berlin ein. Geplant sind Lesungen und Workshops an verschiedenen Orten, mit Fokus auf Austausch und Schreiben in der Diaspora. 
  • Beim digitalen „Herbstrascheln“ im September treffen unabhängige Buchhandlungen 34 Autor:innen und Verlage online, die Teilnahme ist kostenlos. Zum Auftakt schaltet sich Florian Huber live von einem Forschungsschiff dazu. 
  • In Schwelm wird ab Oktober aus der Buchhandlung Köndgen eine Thalia-Filiale. Die Mitarbeitenden werden übernommen. 
  • Für den Illustrationsnachwuchspreis Serafina sind fünf Illustratorinnen nominiert, darunter Barbara Drobny und Hanna Harms. Verliehen wird der mit 2.500 Euro dotierte Preis am 7. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse.

Über die Nachlese

Das Fachmagazin Börsenblatt gibt es jetzt auch zum Hören: Im Podcast "Die Nachlese. Das Buchbranchen-Update" fassen Jule Heer und Kai-Uwe Vogt von der Börsenblatt-Redaktion ab sofort jeden Montagmorgen um 05:00 Uhr die zentralen Neuigkeiten der Vorwoche zusammen und ordnet sie ein. 

Was hat Verlage, Buchhandlungen & Co. bewegt? Welche Preise wurden vergeben? Wie geht es bei aktuellen Verbandsthemen weiter? Welche Termine stehen an? Das neue Kompaktformat bringt alle wesentlichen Entwicklungen in sieben bis acht Minuten auf den Punkt.