Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Nada Assaad (freie Journalistin, Moderatorin, Autorin), Uwe Kalkowski (Produktmanager Eichborn Verlag und Literaturblogger: kaffeehaussitzer.de) und Christa Morgenrath (Literaturvermittlerin, Lektorin, Kuratorin) sichtete 28 Einsendungen. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury waren die eingereichten Exposés und Textproben. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren wurde ein anonymisiertes Auswahlverfahren angewendet.
Son Lewandowski (Jg. 1988) ist Autorin und Kuratorin. Sie ist Mitbegründerin der Kölner unruly readings und der Initiative Insert Female Artist. Literarische Texte schrieb sie u. a. für Edit, Lampe Verlag, BELLA triste und 54books. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor:innenwerkstatt des LCB eingeladen. Im Januar 2026 erschien ihr Debütroman "Die Routinen".
Ihr im Entstehen begriffener Roman "Die Fische wässern" überzeugte die Jury, die ihre Wahl so begründet:
"'Die Fische wässern' schickt uns mitten hinein in die Welt der Geheimdienste, hinein in die drei Jahrzehnte der 1990er, 2000er und 2010er-Jahre. Doch es ist kein klassischer Spionage-Roman; vielmehr nähert er sich dem Thema auf eine ungewöhnliche Art an. Im Mittelpunkt steht die Perspektive der Frauen, die in dieser maskulin geprägten Welt als Sekretärinnen arbeiteten und deren Leben von einem ungebremsten Autoritarismus, Machismus und Sexismus geprägt wurde. Der Text erzählt von einem Arbeitsumfeld, in dem Übergriffigkeit, subtile strukturelle Gewalt und Alkoholmissbrauch an der Tagesordnung waren. Die Ich-Erzählerin Jasna ist die Enkelin einer der Sekretärinnen. Aus ihrer kindlichen Perspektive werden das gesellschaftliche Klima der Zeit ebenso wie die erschreckende Geheimniskrämerei der Erwachsenen – im beruflichen wie im privaten Umfeld – tabubrechend, präzise und entwaffnend eingefangen. Diese Erzählperspektive macht die Raffinesse des Textes aus, der auf einer weiteren Ebene von vergessenen widerständigen Frauen berichtet. Und angesichts der neueren politischen Entwicklungen ist der Roman von einer ebenso drängenden wie mahnenden Aktualität."