Am 12. Juli wurde der französisch-marokkanische Journalist Ali Lmrabet bei seiner Einreise am Flughafen Tanger festgenommen und nach Casablanca gebracht. Ali Lmrabet zählt laut PEN Berlin seit Jahrzehnten zu den bekanntesten regierungskritischen Journalisten Marokkos; bereits 2003 wurde er wegen kritischer Berichterstattung über das Königshaus zu einer Haftstrafe verurteilt, seine Zeitungen wurden verboten, später durfte er in Marokko jahrelang nicht als Journalist arbeiten und berichtet seit 2015 aus dem Exil in Spanien.
PEN Berlin verurteilte die Festnahme und forderte seine "sofortige und bedingungslose Freilassung". PEN-Berlin-Boardmitglied Daniela Sepehri erklärte: "Die marokkanischen Behörden sollen Ali Lmrabet unverzüglich freilassen und davon absehen, das Justizsystem zu instrumentalisieren, um gegen unabhängige Stimmen vorzugehen."
Inzwischen wurde Lmrabet nach Angaben von PEN Berlin wieder freigelassen. Die grundsätzliche Sorge um die Pressefreiheit in Marokko bleibe jedoch bestehen. PEN Berlin verweist zudem darauf, dass nur einen Tag nach Lmrabets Festnahme auch der marokkanische Filmemacher und Musiker El Mahdi Lyoubi in Casablanca festgenommen worden sei – laut seinem Umfeld wegen regimekritischer Äußerungen in den sozialen Medien und wegen seiner Unterstützung der Jugendbewegung GenZ 212.
Die Schriftstellervereinigung fordert: "Deutschland unterhält enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Marokko. Gerade deshalb sollte die Bundesregierung die Pressefreiheit und den Schutz unabhängiger Journalist:innen in ihrem Dialog mit Marokko konsequent zum Thema machen. Journalismus ist kein Verbrechen."