Künstliche Intelligenz im Verlagswesen 2026

Effizienzbooster oder KI-Strategie? Große Unterschiede bei Verlagen

25. Februar 2026
Redaktion Börsenblatt

Die KI-Nutzung in deutschen Verlagen nimmt 2026 weiter zu. Auffällig sind deutliche Unterschiede hinsichtlich des erwarteten Potenzials und der Einsatzarten von KI zwischen kleinen und großen Unternehmen. Dies zeigt die aktuelle Studie, durchgeführt von IG Digital im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Unternehmensberatung Highberg, in Kooperation mit dem Börsenblatt. 

Aufgeschlagenes Buch digital illustriert

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  • 62 % der KI-Nutzung erfolgt über formale Unternehmens- oder Einzelplatzlizenzen.  

  • 20 % nutzen noch selbstgebaute oder "unklare Lösungen"  

  • Die Verlagsbranche konzentriert sich weitestgehend auf "Effizienz- und Analysepotenziale" – nur wenige (meist mittlere oder große Verlage) auf neue Geschäftsmodelle oder das Thema Kundenzufriedenheit 

  • Bei der Entwicklung von KI-Lösungen bleiben Partner wichtig: Der Anteil hauseigener Entwicklungen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (24,5 % → 32,8 %), 39–40 % arbeiten hingen mit externen Partnern bei der Entwicklung zusammen.  

Status Quo: Wie wird KI heute in Verlagen eingesetzt?

Die Verlagsbranche nutzt KI vor allem als Content-Werkzeug. Entsprechend setzen die Unternehmen die Technologie in vielfältigen Bereichen ein: 

  • Contentgenerierung und -bearbeitung: 69 Prozent der Verlage nutzen KI bei Erstellung neuer Inhalte, z.B. zur Unterstützung des Korrektorats, Plagiats- & Quellenprüfung sowie für neue Audioformate 

  • Sparring und Brainstorming: 66 % verwenden KI-Tools für Ideenfindung und Recherche. 

  • Contentrecherche und -aggregation: 56 % setzen KI zur schnellen Sammlung und Analyse von Informationen ein. 

  • Marketing und Vertrieb: 49 % nutzen KI für die Analyse von Markttrends, personalisierte Angebote und automatisierte Zielgruppenansprache. 

  • Prozessoptimierung: 42 % implementieren KI zur Automatisierung von Workflows und Effizienzsteigerung in der Produktion. 

  • Rechtliche Fragestellungen: 29 % verwenden KI für Lizenzprüfung, Copyright-Checks und Compliance-Aufgaben. 

  • Produktentwicklung und neue Formate: 24 % nutzen KI für Innovation in neuen Produkten und Formaten. 

  • Backoffice: 18 % profitieren von KI in internen Abläufen. 

  • Kund:innenservice: 14 % nutzen KI, z.B. für automatisierte Antworten und Self-Service-Portale. 

    Im Durchschnitt werden pro teilnehmendem Verlag etwa 3,7 verschiedene KI-Anwendungsfälle genutzt oder geplant. 

    Die Studie hält fest: "KI wird in 2026 vor allem als produktives Werkzeug eingesetzt und entwickelt sich zum durchgängigen Produktivitätsmotor in Verlagen." 

KI wird in 2026 vor allem als produktives Werkzeug eingesetzt und entwickelt sich zum durchgängigen Produktivitätsmotor in Verlagen.

Studie: Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Highberg: KI-Studie der IG Digital 2026

Zukunftspotenzial: Welche Chancen sehen die Verlage?

Das Potenzial zur Effizienzsteigerung und Automatisierung wird von den meisten Unternehmen als hoch eingeschätzt. Dabei sehen Verlage die größten Chancen insbesondere in folgenden Bereichen: 

  • Prozesseffizienz: Große Verlage bewerten das Potenzial mit einem Mittelwert von 4,2, mittlere Verlage mit 3,7 und kleine Verlage mit 3,3 (Skala 1 = sehr gering bis 5 = sehr hoch). 

  • Markt- und Trendanalysen: Die Bewertung reicht von 3,9 (große Verlage) bis 2,7 (kleine Verlage). 

  • Produktivität der Mitarbeitenden: Mittelwert von 4,0 (große Verlage) bis 3,1 (kleine Verlage). 

  • Personalisierung von Angeboten: Zwischen 3,8 und 2,7. 

  • Wettbewerbsvorteile, Erschließung neuer Geschäftsmodelle und Kund:innenzufriedenheit: Große Verlage bewerten diese strategischen Chancen jeweils deutlich höher. 

Mit steigender Unternehmensgröße steigen laut Studie die erwarteten Chancen durch KI in allen betrachteten Bereichen. Insbesondere bei strategischen Themen wie Marktanalysen, Prozesseffizienz und Produktivität sehen große Häuser weitergehende Möglichkeiten – kleinere Verlage hingegen zeigen sich teils desillusioniert und kommen zu anderen Schlüssen: Für 33 % der kleinen Verlage (Jahresumsatz unter 1 Mio. Euro) überwiegen die Risiken beim KI-Einsatz die Chancen (Vorjahr: 10 %). 

Genau andersherum äußerten sich große Verlage mit einem Jahresumsatz über 100 Mio. Euro: "Chancen überwiegen die Risiken deutlich" fanden 53 % (Vorjahr: 39 %); bei den mittleren Verlagen waren es 22 % (Vorjahr 26).  

Insbesondere rechtliche Unsicherheiten (56 %), die Datenqualität intern (45 %) und die Output-Qualität von KIs (38 %) gelten bei den befragten Verlagen als größte Hemmnisse bei der Entwicklung, wobei die großen Verlage ihre Daten erwartungsgemäß besser im Griff haben. 

Know-How wächst - kaum Fachkräfte von außen vorhanden

  • Nur 31 % der Verlage haben in der Studie angegeben, dass ihr Haus über eine KI-Strategie verfügt – ein weiteres Drittel gab an, eine Strategie sei "in Planung" – ähnlich sieht es mit KI-Richtlinien aus. 

  • Rund 28 % kennzeichnen KI-Einsatz im Impressum, in Produkten oder auf Websites 

  • 37 % setzen noch keinen Nutzungsvorbehalt (TDM Opt-Out) ein 

Wenn es um Kompetenzen in Sachen KI geht, setzen Verlage vor allem auf Austausch im Unternehmen (61 %), Austausch innerhalb der Branche (49 %) oder Fortbildungen / Schulungen (55 %) – erst 6 % der Verlage rekrutieren gezielt KI-erfahrene Fachkräfte – Highberg wertet das als "mögliches strategisches Defizit" mit Blick auf langfristige Strategieentwicklungen. 

Fazit und Ausblick

Die KI-Nutzung in deutschen Verlagen ist 2026 Realität und nimmt weiter zu. Die Diskrepanz zwischen kleinen und großen Unternehmen wächst hinsichtlich der Einschätzung des Potenzials und der Einsatzbereiche von KI. Während große Verlage den strategischen Wert der Technologie immer stärker betonen und eine vielfältige Nutzung realisieren, bleibt bei kleinen Unternehmen der Fokus noch auf die operative Effizienzsteigerung beschränkt, viele unstrukturierte KI-Experimente sind im Sand verlaufen. Auch rechtliche Unsicherheiten lassen Verlage zögern.  

Die Studie hält fest: "Mit steigender Unternehmensgröße steigt nicht nur die Vielfalt der KI-Anwendungen, sondern auch die Einschätzung des Potenzials in Bezug auf strategische Themen." Es ist davon auszugehen, dass vor allem größere Verlagshäuser und Gruppen eigene, innovative KI-Lösungen entwickeln werden. 

Über die Studie

Die Ergebnisse basieren auf einer offenen, anonymisierten Online-Umfrage unter Mitarbeiter:innen von Buchverlagen. Die Befragung wurde im Dezember 2025 und Januar 2026 durchgeführt. 

Insgesamt flossen 196 vollständige Datensätze in die Auswertung ein.  

  1. Die Verteilung der teilnehmenden Verlage hat sich im Vergleich zur Vorjahresstudie deutlich verändert:  

  • 2026 nahmen mehr kleine und mittlere Verlage teil  

  • Der Anteil der Verlage mit Umsätzen über 10 Mio. € ist spürbar gesunken