Als Harriet Dohmeyer ihrem Dozenten nach den Sommer-Semesterferien erzählt, dass sie einen Printverlag gründet, reagiert dieser zunächst überrascht. Sie studiert Digitale Kommunikation, ist entsprechend viel im Digitalen unterwegs – und entscheidet sich trotzdem für das gedruckte Buch. Für Dohmeyer stellt das keinen Widerspruch dar. Im Gegenteil. Gerade weil sie die digitale Welt gut kennt, weiß sie den Wert von Büchern zu schätzen. Seit inzwischen neun Jahren leitet sie den Ankerwechsel Verlag in Hamburg – die meiste Zeit davon allein, seit einem Jahr mit zusätzlicher Unterstützung durch eine Teilzeitassistenz, Andrea Wandinger. Außerdem arbeitet sie mit freien Mitarbeiter:innen zusammen, denen sie einzelne Aufgaben überträgt, sowie mit der Berliner Presseagentur Kirchner Kommunikation.
Geboren im niedersächsischen Buchholz im Hamburger Umland, fängt Dohmeyer nach dem Abitur im Alter von 18 Jahren an zu studieren. Technische Betriebswirtschaftslehre und Marketing. Eigentlich hätte sie aus dem persönlichen Interesse heraus gern Fotografie studiert, aber: "Von außen habe ich viel gehört: Mach was Ordentliches statt einer brotlosen Kunst!" Das hat zur Folge, dass sie sich während des Studiums oft fragt: "Was mache ich hier eigentlich?" Erst später, nach der Gründung des Verlags, zeigt sich für sie der rote Faden in ihrem Lebenslauf. Initial dafür ist der Wunsch, ein eigenes Buch zu veröffentlichen.
Neben dem Bachelor-Studium macht sie ein Praktikum im Marketing bei Gruner und Jahr und stellt fest, dass die Einblicke in Print-Magazine für sie sehr spannend sind. Außerdem bloggt sie schon seit der Schulzeit, postet auch viel über Städte und die Menschen und Orte, die in ihnen eine Rolle spielen. In den Sommer-Semesterferien ihres Masters denkt sie immer öfter über die Idee nach, ein Buch über Hamburg zu schreiben. Wieso direkt im eigenen Verlag? "Von vielen anderen Bloggern habe ich mitbekommen, dass sie unzufrieden mit den Entscheidungen des Verlags waren. Deshalb wollte ich alles selbst gestalten. Auch wenn ich inzwischen natürlich weiß, wieso ein Verlag so viel mitzureden hat."