Eine besondere Challenge hat Ayla Uluçam den Moderator:innen Simón Albers und JuKi im Vorfeld des Finales mitgebracht. Aus "Das fliegende Klassenzimmer" von Erich Kästner sollten die beiden in der Achterbahn vorlesen – und zwar fehlerfrei. Geklappt hat das natürlich nicht, wie die Zuschauer:innen in der Pause auf den Bildschirmen mitverfolgen dürfen. Loopings zum Trotz versuchten sie, die Stelle vorzutragen; heraus kam dabei eher ein Schreien und Stottern.
Nach der Pause geht es direkt weiter mit Henri Wüstenberg aus Nordrhein-Westfalen (Städt. Max-Planck-Gymnasium). Er geht richtig mit, die gesamte Mimik zeigt, wie er sich in die Figuren einfühlt. Ausgewählt hat er ein hochsensible Situation, die er einfühlsam vermittelt: Man könnte eine Stecknadel fallen hören. "Keinen Fehler gefunden", hat die Jury in seinem Vortrag. "Das hast du wunderbar gemacht!", so Tim Gailus. Henri ermuntert die anderen Finalist:innen, die noch nach ihm dran sind: "Die Aufregung ist schnell verflogen. Ihr müsst euch keinen Stress machen!" Aus Bayern liest Sara Meryem Önem (Klenze-Gymnasium). Unaufgeregt und textsicher nimmt Sara die Zuhörer:innen mit in die Welt von Siobhan McDermotts "Paper Dragons" – "Gänsehaut", konstatiert Yuki als Reaktionen aus dem Publikum.
Die längste Anreise hatte Lotte Prinzler (Goethe-Gymnasium) aus Mecklenburg-Vorpommern – 14 Stunden hat die Fahrt gedauert. "Als du erzählt hast, wie lange ihr hierher gebraucht habt, dachte ich, du bist aus Los Angeles angereist", staunt Simón Albers. Ihre Energie hat Lotte dennoch nicht verloren: Direkt die ersten Worte schreit sie mit Kommandoton ins Mikrofon, sodass das Publikum zusammenzuckt, dann erschrocken auflacht. Als herrische Küchenmeisterin aus Ann Sei Lins "Rebel Skies" (arsEdition) erweckt sie die unangenehm bedrohliche Situation zum Leben. "Ich dachte, ich kriege hier den Anschiss und ich habe einen Fehler gemacht", sagt Josi Wismar; so stark wurde sie von Lotte in die Geschichte hineingezogen. Auch Milena Wagner aus Hessen (Gesamtschule Solms) schreit, allerdings den letzten Satz ihrer Textstelle. Vorher passte die hessische Landessiegerin Lesegeschwindigkeit, Tempo und Spontanität jedem Satz gemäß an. Wie schnell sie dabei die Stimmlagen wechseln kann – von keifend-hell bis piepsig-naiv –, nötigt Respekt ab. "Lies sie weg!", steht auf den Schildern, mit denen ihre Klasse Milena anfeuert. "Du hast das nicht nur gelesen, sondern vorgetragen und vorgelebt. Man merkt, dass du auch Theater spielst", ist Juror Wolfram Kons voll des Lobs.