2020 Corona. Kultur nicht systemrelevant. Schales Gefühl nach tausend Sonntagsreden von ihrer Unverzichtbarkeit; naiv genug, es geglaubt zu haben. Aber ein Grund aufzuhören? Ein Anlass vielleicht.
Schreiben war immer meine Arbeit, mein Handwerk, nie meine Berufung. Ich war nie ein bedingungsloser Schriftsteller. Ich schrieb nur zehn magere Jahre durch, bis zehn fette kamen. Ein Grund aufzuhören? Eine Möglichkeit immerhin.
Ob im Radio, auf der Bühne oder bei einer Lesung – für mein Publikum war ich nach einer Stunde wieder weg: ein Ein-Stunden-Spaßmacher in anschwellendem Lärm. Und Teil davon, oh ja. Ein Grund aufzuhören. Oder schlechtgelaunte Selbstwahrnehmung.
Was braucht das Schreiben, um wahrgenommen zu werden? Den Kulturbetrieb oder den Markt. Der Markt ist marktförmig, der Kulturbetrieb kulturbetriebsförmig, beide erwarten vom – selbstverständlich – freien Künstler die Einhaltung ihrer Regeln. Aber ein Grund aufzuhören? Ach.