Kampa übernimmt Kanon
Starten wir mit einer Meldung aus der Indie-Szene: Kampa übernimmt den Kanon Verlag. Gründer Gunnar Cynybulk gibt seine Anteile ab, bleibt aber bis zum Herbstprogramm beratend dabei. Er sagt: "Daniel Kampa und die Libert waren unsere erste Wahl, um die Zukunft von Kanon zu sichern."
Kanon bleibt als eigenständiges Label erhalten. Gegründet wurde der Verlag 2020, seit 2021 sind über 100 Titel erschienen, darunter Bücher von Stine Pilgaard, Bov Bjerg, Tim Staffel; dazu die erfolgreichen Tagebücher von Manfred Krug. Kanon hat 2023 und 2025 den Deutschen Verlagspreis gewonnen.
Daniel Kampa lobt die "starke Verlagsmarke" und kündigt für den Herbst einen neuen Tagebuchband von Manfred Krug an.
Kampa hat in den vergangenen Jahren mehrere bekannte Indieverlage übernommen, darunter Schöffling, Dörlemann sowie Jung und Jung, außerdem hat er mit Libert eine Vertriebsgemeinschaft gegründet.
Egmont übernimmt Gmeiner
Bleiben wir kurz beim Thema Übernahmen. Egmont übernimmt den Gmeiner Verlag – ein Haus, das seit 1986 für Regionalkrimis und Sachbuch steht. Armin Gmeiner bleibt Geschäftsführer und sagt, entscheidend sei ein Partner, "der die verlegerische Identität respektiert". Die Häuser arbeiten bereits seit Jahren bei Hörbuchrechten zusammen.
Saga Egmont bündelt künftig Hörbuchrechte gruppenweit. Team, Programm und Vertrieb bleiben bestehen.
Frank & Hugendubel
Jetzt zum Handel: Die Buchhandlung Frank kooperiert mit Hugendubel – ohne ihre Unabhängigkeit aufzugeben. Die sechs Filialen in Rheinland-Pfalz und Hessen bleiben im Besitz von Andreas Frank, Beratung und Team bleiben vor Ort.
Neu ist vor allem das Onlinegeschäft: Es läuft künftig über hugendubel.de. Nina Hugendubel spricht von einem Modell, das unabhängigen Läden Rückhalt geben kann.
Für manche Buchläden mit Nachfolgefragen könnte das tatsächlich ein Weg sein: lokal bleiben, digital andocken. Der Konkurrent Thalia geht bereits seit Jahren diesen Weg und hat dabei einige seiner kleinen Partner schließlich in Filialen verwandelt.
Verlage: Pfaueninsel, Lampe, Zuckersüß, Buchclub
Pfaueninsel heißt das neue Imprint von Bastei Lübbe. Bekannt war: Es geht um Romane und erzählende Sachbücher für Leser:innen ab 45. Jetzt sind Details zum ersten Programm bekannt. Jean-Luc Bannalec liefert zum Start einen historischen Roman, Florian Illies das erzählende Sachbuch "Träume aus Feuer – Der Alchemist von der Pfaueninsel".
Ebenfalls neu ist der Lampe Verlag aus Berlin. Christiane Lahusen und Viktor Hilgemann setzen auf schicke Kurzgeschichten-Schuber im A6-Format – thematisch sortiert, mit Stimmen von Judith Hermann bis Daniel Kehlmann.
Und Zuckersüß meldet ein starkes Jahr: 1 Million Euro Umsatz im Direktgeschäft, doppelt so viel wie 2023. Die Community trägt: 145.000 Follower hat der Verlag, besonders groß ist die Nachfrage nach Aufklärungstiteln wie "Mut zum Blut".
Thalia und die FAZ kooperieren immer wieder. Jetzt starten sie gemeinsam einen Buchclub. Basis dafür ist die von Thalia initiierte Online-Plattform "Thalia Book Circle". Die FAZ spielt die Titel im Feuilleton und in Newslettern, Thalia betreut die Leserunde und bietet ein Abschlussevent. Den Auftakt macht der Roman "Trag das Feuer weiter" (Luchterhand) von Leïla Slimani.
Deutschland liest ein Buch – KiWi & ZEIT
KiWi startet die bundesweite Aktion "Deutschland liest ein Buch" – im Mittelpunkt steht Rachel Khongs "Real Americans". Ziel ist, Lesende ins Gespräch zu bringen, offline wie online. Partner ist die ZEIT-Verlagsgruppe.
Rachel Khong kommt ab Mai für Veranstaltungen nach Deutschland.
Buchhandel: JLL-Bericht, Buchwert, Libri
Die JLL-Zahlen für 2025 zeigen: Der Einzelhandel wächst. Mode, Kosmetik und Gastronomie prägen die Vermietungen, Berlin meldet +120 Prozent. Die Spitzenmieten in Toplagen bleiben hoch, in Kleinstädten entspannten sich die Mietpreise leicht.
Die Gemeinschaft Buchwert meldet 16 neue Mitgliedsbuchhandlungen, über 300 Läden nutzen inzwischen die Zentralregulierung. Außerdem wurden neue Verlagspartner gewonnen wie Penguin Random House, Suhrkamp und Ueberreuter.
Der Großhändler Libri hat im vergangenen Jahr 57 Gründungen und Übernahmen im stationären Handel begleitet. Trotz Krisengerede zeigt das: Nachfolgen und Neustarts sind möglich.
Und sonst? – Debütfrühling 2026
Auf boersenblatt.net haben wir uns für euch nach Debüts junger Autor:innen umgeschaut. Wir haben eine breite Palette neuer Stimmen gefunden: Coming-of-Age, Familiengeschichten, feministische Themen, experimentelle Formen. Auffällig ist der hohe Anteil junger Autorinnen und die starke Verankerung im Schreibschul-Umfeld.
Dazu gibt's eine Einschätzung aus Verlagen, was Debüts so reizvoll und so riskant macht. Den Link findet ihr den Shownotes.
Literaturpreise
Für den Paul-Celan-Preis 2026 können Verlage bis Ende Februar Übersetzungen einreichen. Preisgeld: 25.000 Euro.
Die Jury für den Deutschen Sachbuchpreis 2026 steht: 212 Titel wurden eingereicht. Jurysprecher ist Pascal Mathäus. Preisverleihung ist im Juni in der Elbphilharmonie.
Der Deutsche Cartoonpreis 2025 geht an BECK für seinen Cartoon "Außenhandelsdefizit". Der Publikumspreis geht an meta bene mit den "nachdenklichen Vögeln".
Wir kommen zu kurz notiert
Books at Berlinale präsentiert zehn internationale Romane mit Verfilmungspotenzial. Sie werden am 16. Februar in einer moderierten Pitch-Veranstaltung beim Berlinale Co-Production Market vorgestellt.
Im Januar laufen die Antiquariatsmessen in Stuttgart (vom 23. bis 25. Januar) und Ludwigsburg (vom 22. bis 24. Januar).
Die Spielwarenmesse findet vom 27. Januar bis 31. Januar in Nürnberg statt. Die Jugendbuchmesse Bologna will mit einem Stand die Branchen vernetzen. Ein Panel am 30. Januar beleuchtet den Medienkonsum junger Zielgruppen.
Die Thienemann Verlage schaffen eine Stabsstelle für KI.
Die Stiftung Buchkunst sucht Einreichungen für "Die Schönsten Deutschen Bücher".
26 Auszubildende haben beim Azubitag hinter die Kulissen von "kiwi space" geblickt.