Börsenblatt Young Excellence Award

Minitta Kandlbauer: Gute Nachrichten aus Wien

18. Juni 2026
Nele Marggraf

Minitta Kandlbauer hat das geschafft, wovon viele träumen: Die junge Wienerin hat all ihre Interessen und Hobbys zum Beruf gemacht. Sie ist Autorin, Fotografin, Herstellungsleiterin und Grafikerin bei Goldegg, Antirassismustrainerin – und für den #yeaward26 nominiert.

Minitta Kandlbauer stützt sich auf einen Bücherstapel und lächelt freundlich

Minitta Kandlbauer

Perfektes Timing

In ihrer Kindheit hat Minitta Kandlbauer nur einen Traumjob – Schriftstellerin. "Ich hatte damals eine sehr unrealistische und romantisierte Vorstellung davon, was es heißt, Autorin zu sein", stellt Minitta heute fest. Nach der Schule war für sie klar, dass sie Germanistik studieren und nebenbei im Verlagswesen arbeiten will. "Parallel habe ich eine Fotografieausbildung gemacht, um zusätzlich etwas Praktisches zu machen." Doch das ist ihr noch lange nicht genug: "Bei Goldegg Training, die Erwachsenenbildung im Verlagswesen anbieten, habe ich dann noch eine Ausbildung in "Buch & Verlag" absolviert. So habe ich damals meine heutigen Chefs kennengelernt." Während dieser Ausbildung schreibt der Goldegg Verlag eine Stelle als Buchgestalterin aus – ein Bereich, mit dem Minitta zu diesem Zeitpunkt noch keine Berührungspunkte hat. "Ich habe dann 2022 zusätzlich noch einen akademischen Lehrgang in Buchgestaltung gemacht – und tatsächlich wurde der Job noch einmal ausgeschrieben. Das war perfektes Timing, da bin ich dem Universum bis heute sehr dankbar", freut sie sich. "So bin ich bei Goldegg gelandet und mache dort inzwischen die Herstellungsleitung und Grafik."

Ich hatte damals eine sehr unrealistische und romantisierte Vorstellung davon, was es heißt, Autorin zu sein.

Antirassismus-Handbuch

Zusätzlich zu ihrer Arbeit im Verlagswesen und als selbstständige Fotografin ist sie Autorin beim Leykam Verlag. Im September erscheint dort mit "Wer sagt dir, was normal ist?" ihr drittes Kindersachbuch, das Kinder dazu einladen soll, die Welt neugierig zu hinterfragen und eigene, kritische Perspektiven zu entwickeln. Die Idee für ihr erstes Buch entsteht durch das erste Antirassismus-Volksbegehren “Black Voices“ in Österreich: "Ich war dort als Fotografin tätig und der Leykam Verlag hat bei der Initiative angefragt, ob wir nicht ein Antirassismus-Handbuch machen wollen", erklärt Minitta. "Und dadurch, dass ich halt die meiste Erfahrung im Literaturbereich hatte, habe ich das Projektmanagement übernommen und war dann auch Mitherausgeberin." "War das jetzt rassistisch?" erscheint 2022 und versammelt über 20 Leute aus den verschiedensten Communities. Der Band behandelt Alltagsfragen wie "Darf ich deine Haare anfassen?" oder "Woher kommst du wirklich?", denen People of Color tagtäglich ausgesetzt sind. Ihr erstes Buch ist gleichzeitig Minittas Abschlussarbeit im Lehrgang Buchgestaltung: "Das war sehr praktisch. Für das Volksbegehren war es toll, durch das Buch so viel Pressearbeit und Publicity zu haben. Es wird auch immer noch für Workshops verwendet."

Die Bedeutung von Repräsentation

Ein weiterer Teil ihres breitefächerten Jobrepertoires sind die Workshops, die sie zusammen mit ihrer Schwester anbietet. Gemeinsam mit ihr hat sie auch ihr zweites Buch veröffentlicht: "Durch unsere Bildungsarbeit zu Antirassismus in Schulen und Institutionen haben wir uns sehr viel mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt. Man beschäftigt sich dadurch mit viel Negativem ", erinnert sie sich. "Da haben wir uns gedacht, dass es etwas Positives braucht. Dass wir uns doch auch einfach mal mit guten Dingen umgeben können." Inspiriert von dieser Idee entwickeln sie das Konzept für ihr Kinderbuch "Gute Nachrichten aus aller Welt", das 2024 erscheint. "Meine Schwester und ich reisen sehr viel gemeinsam und oft werden Länder in den Medien ganz anders dargestellt, als sie eigentlich sind. Und wenn man über ein Land nur Negatives weiß, dann weiß man zu wenig. Deswegen haben wir positive Nachrichten und Geschichten aus diesen Ländern gesammelt und veröffentlicht." Was Minitta an diesem Projekt am meisten begeistert, sind die Reaktionen von Schüler:innen auf die Geschichten: "Unsere Schulklassen sind sehr divers. Oft sind eben Kinder dabei, die selbst leider auch fast nur Negatives über ihr Land mitbekommen und wissen. Dann sprechen wir über Positives aus diesen Ländern und sie sagen so etwas wie: ‘Ja, ich komme auch aus Ägypten!‘ Und dann sind sie immer ganz stolz. Das gibt mir wirklich viel."

Wenn man über ein Land nur Negatives weiß, dann weiß man zu wenig.

Für mehr Diversität in der Buchbranche

"Ich habe den Eindruck, dass es gerade ein gesteigertes Interesse an Diversität gibt – die Buchhandlungen wollen ein diverseres Programm. Nur schauen sie sich halt dann das Verlagsprogramm an und finden nicht wirklich passende Bücher – da muss sich einfach etwas auf der Verlgsebene ändern", findet Minitta. "Ich bin tatsächlich, meines Wissens nach, die einzige Schwarze Person, die in Österreich bei einem Verlag angestellt ist. Im Vergleich zu anderen Kulturbereichen gibt es in der österreichischen Buchbranche leider nur wenige People of Color." Aus diesem Grund gründet sie gemeinsam mit ihrer Schwester den Verein "Zwischen den Zeilen“, der sich mit dem Thema literarische Diversität auseinandersetzt. Sie wollen die Sichtbarkeit von BIPoC-Autor:innen und ihren Werken im deutschsprachigen Raum verbessern und veranstalten Formate für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Auch für das Thema Mehrsprachigkeit wünscht sich Minitta mehr Aufmerksamkeit: "Da gibt es ja auch einen Nominierten, Ruben Höppner, der was zu dem Thema macht in seinem Verlag. Und das ist halt auch voll interessant und wichtig!"

Ich habe den Eindruck, dass es gerade ein gesteigertes Interesse an Diversität gibt – die Buchhandlungen wollen ein diverseres Programm.

Work-Life-Balance

Auf die Frage, wie viele Stunden Schlaf sie bei ihren vielen Jobs durchschnittlich pro Nacht kommt, hat sie keine klare Antwort: "Wenn ich 60 Stunden arbeite, kommt das schon manchmal zu kurz", antwortet sie lachend. "Aber wenn ich nicht mehr kann, mache ich auch einfach mal Pause und arbeite für eine Weile nur bei Goldegg. Ich kann mir natürlich in der Selbstständigkeit aussuchen, wie viel ich arbeite." Und was macht jemand in seiner Freizeit, die schon all ihre Leidenschaften zum Beruf gemacht hat? "Das ist eine gute Frage. Ich habe nämlich tatsächlich alle meine Hobbys zu meinem Job gemacht – und dann hatte ich plötzlich keine Hobbys mehr. Inzwischen habe ich ein Sportabo, mit dem man in ganz Wien unterschiedliche Kurse besuchen kann. Ich gehe viel zu Tanzkursen, was wirklich ein Game Changer für mich ist."

Kurzvita

Minitta Kandlbauer
1995: Geboren Steiermark Österreich 
2016: Abschluss Ausbildung zur diplomierten Berufsfotografin am Wifi, Wien
2019:

Abschluss Ausbildung: Verlagswirtschaft und Medienmanagement,

Goldegg Training Akademie

2020: Selbstständige Tätigkeit: Fotografin 
2022: Abschluss Masterstudium: Deutsche Philologie an der Universität Wien
2022: Abschluss Akademischer Lehrgang: Buchgestaltung an der NDU
Seit 2022: Goldegg Verlage: Herstellungsleiterin & Grafikerin
2022: Sachbuch: "War das jetzt rassistisch?" – Leykam (2022)
2024: Kindersachbuch "Gute Nachrichten aus aller Welt" – Leykam (2024)
2026: Gründung Verein "Zwischen den Zeilen – Institut für literarische Diversität und kritisches Denken" (Obfrau)
2026: Kindersachbuch "Wer sagt dir, was normal ist?" – Leykam (2026)

 

Über den Börsenblatt Young Excellence Award 

Der Börsenblatt Young Excellence Award ehrt herausragende Persönlichkeiten bis 35 Jahre, die in der Buchbranche etwas bewegen – sei es in einer Buchhandlung, im Verlag, bei einem Dienstleistungsunternehmen oder in Selbständigkeit. Das Fachmagazin Börsenblatt vergibt die Auszeichnung zusammen mit den Unternehmen der Börsenvereinsgruppe: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Frankfurter Buchmesse, Mediacampus Frankfurt und MVB. Die future!publish unterstützt den #yeaward26 als Partner. 10 Young Professionals sind nominiert: www.young-excellence-award.de