Das Buchbranchen-Update

S. Fischer verlässt Frankfurt ++ Selfpublisher-Umfrage ++ Golden Shop vs. Weimer

22. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Das große Thema diese Woche: S. Fischer verlässt Frankfurt. Der Selfpublisher-Verband hat eine Umfrage ausgewertet, wie viele Autor:innen vom Schreiben leben können. Und es gibt eine neue Buchhandlung, die auf Romance spezialisiert ist. 

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S. Fischer verlässt Frankfurt

Noch ein Verlag weniger in Frankfurt am Main? Nach Suhrkamps Weggang 2010 folgt nun S. Fischer nach Berlin. Der Hauptsitz zieht im Sommer nächstes Jahr in die Hauptstadt um. Der Verlag kehrt damit auch an seinen Gründungsort zurück und stellt sich nach eigenen Angaben strategisch für die Zukunft auf. Die Programmleitungen arbeiten schon heute in Berlin. Künftig sollen dort die verlegerischen und marktnahen Bereiche gebündelt werden, also vor allem Geschäftsführung, Marketing, Vertrieb sowie Presse und Veranstaltungen. Ziel sind kürzere Entscheidungswege und ein engeres Zusammenspiel von Programm und Vermarktung.

Der Verlag betont, die Entscheidung sei keine gegen Frankfurt. Neben dem Frankfurter Lektorat sollen auch die kaufmännischen Bereiche dort bleiben. Verlagsleiter Oliver Vogel sagt in einem Interview mit der FAZ, der Umzug sei eine Investition und kein Sparprogramm, ausdrücklich nicht mit dem Ziel von Personalabbau. Gleichzeitig ist klar: Für Mitarbeitende ist das ein großer Einschnitt. Der Verlag will allen Angebote für einen Wechsel nach Berlin machen, und Vogel rechnet damit, dass in Frankfurt in einigen Jahren deutlich weniger Menschen für S. Fischer arbeiten werden als heute.

Und noch ein Umzug in der Fischer-Gruppe steht an: Fischer Sauerländer zieht im Januar nach München. Der Kinder- und Jugendbuchverlag begründet das mit Wachstum, einem dichten Branchen-Netzwerk und der Möglichkeit, einen stärker auf Kinder- und Jugendbücher ausgerichteten Vertrieb aufzubauen.

Zahlen zum Self-Publishing

Nimmt der Professionalisierungsgrad im Self-Publishing ab? Das legt zumindest eine Umfrage des Selfpublisherverbands nahe. Demnach können oder wollen elf Prozent der Autor:innen ihre Bücher keinem Genre zuordnen. Rund 80 Prozent der befragten Self-Publisher:innen verdienen weniger als 200 Euro im Monat mit ihren Büchern, weniger als sieben Prozent verdienen 2.500 Euro im Monat oder mehr. 40 Prozent der Profi-Schreibenden sind hybrid unterwegs, veröffentlichen also auch in Verlagen. Für Self-Publishing entschieden sie sich vor allem wegen der kreativen Kontrolle, aber auch wegen besserer Verdienstmöglichkeiten. Die meisten Profis sind im Genre Liebesroman oder Romance unterwegs und schreiben in Reihen oder Serien. Nur ein Drittel der Profis gibt mehr als 2.000 Euro pro Buchveröffentlichung aus. Zwei Drittel sparen also am Lektorat oder am professionellen Cover. Der Großteil der Bücher wird im Preissegment zwischen drei und fünf Euro vermarktet, als Kanal dominiert weiterhin klar das E-Book.

Buchhandel: Golden Shop und Neueröffnung in Berlin

In Bremen hat die Buchhandlung Golden Shop ihre Fassade neu gestaltet, wie unter anderem die taz ausführlich berichtet hat. Das ist eine ironische Antwort auf den Ärger um den Deutschen Buchhandlungspreis, bei dem der Laden von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ausgeschlossen wurde. Jetzt hängt vorne am Laden eine riesige Stoffplane mit Weimer-Zitaten wie "Das Konventionelle ist die neue Avantgarde" oder "Das ist überhaupt nicht als Kulturkampf gedacht". Und auch das Schaufenster ist umdekoriert. Dort stehen Weimers eigene Bücher, sogar Lyrik. Sie bleiben dort aber zur reinen Dekoration, über die Ladentheke gehen sie nicht. "So einen Scheiß verkaufen wir nicht", sagte Inhaberin Ausma Zvidrina zur taz. Staatsminister Weimer hatte die Fassade des Ladens öffentlich immer wieder als Beleg für vermeintliche extremistische Ansichten ins Spiel gebracht, um den Ausschluss des Ladens beim Buchhandlungspreis zu rechtfertigen. Mittlerweile ist gerichtlich geklärt, dass Weimer Buchhändler:innen aber nicht als Extremist:innen bezeichnen darf. Belege für seine Behauptung blieb er bis heute schuldig – genauso wie eine Entschuldigung.

 

Verlage: Ravensburger steigt bei Steiff ein

Wer kennt sie nicht, die Plüschtiere mit Knopf im Ohr? Jetzt übernimmt die Ravensburger AG eine Mehrheitsbeteiligung am Traditionsunternehmen Steiff und steigt als strategischer Investor ein. Steiff soll dabei weiterhin eigenständig bleiben und am Standort Giengen an der Brenz geführt werden. Verkäufer ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft der Erben von Margarete Steiff. Auf Steiff-Seite heißt es: Entscheidend sei gewesen, die Firma in verantwortungsvolle unternehmerische Hände zu geben, die Werte und Geschichte respektieren. Der Vollzug der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.

Neuer Romance-Buchladen in Berlin

In Berlin-Schöneberg hat Ende Mai The Naughty Chapter eröffnet. Hinter dem neuen Buchladen steht Maxi Schwabe. Sie ist Quereinsteigerin und hatte die Idee zur eigenen Buchhandlung vor drei Jahren in New York, als sie dort zum ersten Mal einen auf Romance spezialisierten Laden gesehen hat. Auf rund 50 Quadratmetern gibt es Liebesromane und New-Adult-Titel. Branchenwissen eignete sich Schwabe gezielt an, unter anderem in einem Workshop beim Großhändler Libri und mit Unterstützung der Verbundgruppe eBuch.

Logistik: Libri setzt auf E-LKWs

Libri stellt beim Bücherwagendienst BOOXpress die Fernstrecken schrittweise auf Elektro-LKWs um. Los geht’s ab Bad Hersfeld Richtung Dortmund, Hannover, Bremen und München. Die Reichweite liegt laut Libri bei rund 550 Kilometern, geladen wird unterwegs öffentlich und am Standort mit eigener Infrastruktur. In Dortmund läuft außerdem ein Test, die Buchhandlungen im Nahverkehr mit Elektro-Transportern zu beliefern. Wenn das gut funktioniert, will Libri das auch an anderen Umschlagpunkten prüfen.

Buchhandlung: 75 Jahre Schmetz am Dom

Die Buchhandlung Schmetz am Dom in Aachen ist 75 geworden und hat am Samstag gefeiert. Gegründet wurde der Laden Anfang der Fünfzigerjahre von Karl Schmetz, übernommen haben ihn Barbara Hoppe-Vennen und Walter Vennen in den Neunzigerjahren. Zum Jahreswechsel ist Marcel Emonds-Pool als Geschäftsführer dazugestoßen. Zum Jubiläum las Walter Vennen stündlich vor der Buchhandlung Kurztexte rund ums Buchhändler- und Bücherleben, passend zur Reihe "Wort sucht Ort".

Börsenverein: Beschlüsse in Wiesbaden und IGUV-Tagung

Am 15. Juni trafen sich die Mitglieder des Börsenvereins Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in Wiesbaden. Lothar Wekel wurde dabei zum Geschäftsführer bestellt. Außerdem hat die Mitgliederversammlung eine neue Veranstaltungsförderung für unabhängige Buchhandlungen und Verlage beschlossen. Dafür stellt der Landesverband 270.000 Euro aus dem Vereinsvermögen bereit. Einstimmig angenommen wurde außerdem ein Initiativantrag zur Prüfung besserer Rahmenbedingungen im Schulbuchgeschäft in Rheinland-Pfalz.

Bei der Jahrestagung der IG Unabhängige Verlage kamen Anfang Juni rund 70 Teilnehmende in Frankfurt am Main zusammen. Im Fokus stand die Frage, wie kleine Verlage mehr Sichtbarkeit erreichen. Eine Umfrage unter Kleinverlagen zeigte dabei, dass in knapp 60 Prozent der Häuser nur ein bis zwei Personen tätig sind, und dass viele für dieses Jahr eher gleichbleibende oder schlechtere Umsätze erwarten. In den Talkrunden ging es dann ganz praktisch um den Kontakt zum Handel, um Einkauf und Remissionen und darum, welche Infos Buchhandlungen wirklich brauchen. Börsenverein-Vorsteher Sebastian Guggolz rief den Unabhängigen zu: "Bleibt vehement, lasst Euch nicht einschüchtern." Die Berichte zu beiden Tagungen könnt ihr auf boersenblatt.net lesen.

Recht: Urteil zu Googles KI-Übersichten

Zwei deutsche Verlage haben vor dem Landgericht München gegen Google gewonnen. Es geht um die KI-Übersichten in der Suche. Dort wurden die Verlage in einem KI-generierten Text zu Unrecht mit Betrugsmaschen und unseriösen Geschäftspraktiken in Verbindung gebracht. Die Verlage beantragten eine einstweilige Verfügung, Google sah dagegen keinen Unterlassungsanspruch und argumentierte unter anderem, man mache sich die Inhalte nicht zu eigen und sei als Suchmaschine nicht verantwortlich. Das Landgericht sieht das anders. Die Kammer sagt: Auch Unternehmen sind über das deutsche Äußerungsrecht geschützt. Und die KI-Übersichten seien kein bloßes Verlinken, sondern ein eigener, Google zurechenbarer Inhalt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Google kann Berufung einlegen.

Leseförderung: Lesestart 1-2-3

Das Programm "Lesestart 1-2-3" soll Ende des Jahres auslaufen und ab dann kein Geld mehr aus dem Bundesfamilienministerium bekommen. Verbände und die Stiftung Lesen kritisieren das und verweisen auf die besondere Reichweite über kinderärztliche Vorsorgeuntersuchungen. Das Ministerium hält dagegen, Projektförderung sei befristet, und verweist auf andere Vorhaben zur frühen Leseförderung.

Kurz notiert

Der mit 25.000 Euro dotierte Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur geht an die portugiesische Autorin Lídia Jorge. Die Jury würdigt ihr Gesamtwerk. Über 2.300 Kinder und Familien waren bei Lesungen und Aktionen der Erfurter Kinderbuchtage dabei. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Staatsbibliothek zu Berlin mit rund 1,2 Millionen Euro, um 10.000 Monografien aus kolonialen Kontexten zu digitalisieren. Die Werke sollen danach drei Jahre lang frei im Open Access zugänglich sein. Die Stiftung Buchkunst hat die "Schönsten Deutschen Bücher" bekanntgegeben: Aus rund 600 Einsendungen wurden 25 Titel ausgezeichnet. Die Liste der Gewinner findet ihr auf boersenblatt.net.