Umfrage des Selfpublisher-Verbands

Selfpublishing 2026: Was erfolgreiche Autor:innen unterscheidet

23. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Selfpublisher-Umfrage 2026 zeigt eine große Spannweite zwischen niedrigen Monatsumsätzen und einer kleinen Gruppe gutverdienender Autor:innen. Profis und Laien unterscheiden sich in ihren Strategien demnach deutlich.

Mann sitzt in einem Café und schreibt am Laptop

Viele Umsätze bleiben niedrig

Der Selfpublisher-Verband e.V. hat zum dritten Mal eine große Umfrage unter verlagsunabhängigen Autor:innen durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.389 Personen teil, davon waren 1.247 bereits im Selfpublishing tätig. Ausgewertet wurde die Umfrage von Melissa Ratsch.

Finanziell bleibt Selfpublishing für die Mehrheit ganz klar ein Nebenverdienst: 61 % der Befragten lagen 2025 bei einem durchschnittlichen Monatsumsatz von unter 50 € brutto, weitere knapp 17 % zwischen 50 und 199 €. Zusammengenommen erzielten damit knapp 78 % weniger als 200 € brutto pro Monat.

Eine kleinere Gruppe erreicht deutlich höhere Umsätze. In der "Best Practice"-Auswertung betrachtet der Verband 95 Teilnehmende, die einen durchschnittlichen Monatsumsatz von 2.500 € oder mehr angaben. Der Verband nennt diese Gruppe zur Vereinfachung "Profis".

Genre-Zuordnung bleibt ein Thema

Bei allen Teilnehmenden lagen Sach-/Fachbuch mit 18 %, Fantasy mit 13 % und Liebesroman mit 11 % vorn. Auffällig ist die Antwort "anderes Genre": Sie wurde 2026 von 11 % gewählt, nach 5 % im Vorjahr. Die Studie verweist darauf, dass das Hauptgenre für Marketing und Ansprache der Leserschaft wichtig ist – es dränge sich die Frage auf, ob hier ein mangelndes Branchenverständnis vorliegt. Der steigende Wert könnte bedeuten, dass beim Professionalisierungsgrad unter den Selfpublisher:innen gerade die Schere weit auseinandergeht.

  • Bei den "Profis" zeigt sich ein anderes Bild: Dort blieben Liebesromane (Romance), Krimi und Fantasy die Top 3 der Hauptgenres.
  • 72 % dieser Gruppe veröffentlichen überwiegend Reihen oder Serien,
  • nur 15 % überwiegend Einzeltitel.
  • 40 % veröffentlichen zudem hybrid, also auch in Verlagen.

Pricing: Niedrige Preise

Bei den Pricing-Strategien zeigt sich vor allem eine Konzentration auf mittlere eBook-Preise, wie viele Plattformen es nahelegen. Unter allen Befragten wurde der Bereich 3,00–4,99 € am häufigsten genannt; bei den umsatzstarken Selfpublisher:innen liegt dieser Preisbereich mit 79 % noch deutlicher vorn. Die meisten setzen zudem keine unterschiedlichen Preise für verschiedene Genres an. Bei den Profis folgt als zweithäufigste Preiskategorie 5,00–6,99 €, während 2,99 € oder weniger seltener genannt wird. Preisaktionen waren in dieser Abfrage ausdrücklich ausgenommen.

Gründe fürs Selfpublishing

Warum wählen Autor:innen den Weg des Selfpublishings? Die Top-Gründe für Selfpublishing laut Umfrage sind nicht etwa "Keinen Verlag gefunden" - es geht den meisten um Kontrolle:

  1. Kreative Kontrolle69 %
  2. Schnelligkeit im Veröffentlichungsprozess48 %
  3. Flexibilität beim Veröffentlichen44 %
  4. Preis selbst festlegen38 %
  5. Höhere Verdienstmöglichkeiten27 %