Monika Drummers Rede #yeaward26

"Türen öffnen sich nicht für alle gleich leicht"

13. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Literaturagentin Monika Drummer hat auf der Frankfurter Buchmesse den Börsenblatt Young Excellence Award entgegengenommen. In ihrer Rede machte sie auf fehlende Chancengleichheit in der Verlagswelt aufmerksam und sprach darüber, wie sich "Mutmuskeln" eigentlich trainieren lassen.

Monika Drummer mit dem #yeaward-Pokal auf der Frankfurter Buchmesse

Monika Drummer mit dem #yeaward-Pokal auf der Frankfurter Buchmesse

Monika Drummer war eine von zehn Nominierten beim Börsenblatt Young Excellence Award 2026 der Börsenvereinsgruppe. In einer Onlinewahl wurde sie zur Preisträgerin bestimmt.

Am 8. Oktober konnte sie den Börsenblatt-Young-Excellence-Award-Pokal aus den Händen von Buchhändler Tobias Groß entgegennehmen, der 2025 mit dem #yeaward ausgezeichnet wurde.

Wir veröffentlichen ihre Rede hier im Wortlaut.   

Mut wird zu einem Muskel

Danke, dass ihr alle da seid und danke ans Börsenblatt für die tolle Organisation und dass es diesen Award jährlich gibt. 

Hätte man mir als Zehnjährige gesagt, dass ich irgendwann hier stehe und eine Rede halte, hätte ich vermutlich Schnappatmung bekommen.

In meiner Kindheit und Jugend hatte ich genau eine einzige Konstante in meinem Leben – Bücher. Alles andere war dauerhaft im Wandel und alles andere als beständig. Ich war auf neun verschiedenen Schulen, sechs davon in verschiedenen deutschen Städten, drei davon in England. War achtmal die “Neue” in der Klasse, was für ein introvertiertes Mädchen ein absoluter Albtraum war. Einmal gab es auf meinem Weg massive Sprachschwierigkeiten, ein paar Jahre später große Probleme, als der Schulwechsel aus dem britischen System zurück ins deutsche unüberwindbar wirkte.

Aber wenn man ständig ins kalte Wasser geworfen wird, passiert etwas Spannendes: Mut wird zu einem Muskel, den man zwangsläufig trainiert.

Heute bin ich fast 30 und die Angst ist immer noch da. Seltsamerweise bin ich fast schon süchtig geworden nach diesem Gefühl, dieser Angst ins Gesicht zu blicken. Fast schon ist es eine morbide Faszination, als wäre ich eine Figur bei den SIMS und ich schaue selbst von außen auf mein Leben und lasse mich in Situationen begeben, die sich viel zu groß anfühlen. Und insgeheim warte ich immer auf den Knall – dass mir das alles vor die Füße fällt. Aber … es passiert nie. 

Aber wenn man ständig ins kalte Wasser geworfen wird, passiert etwas Spannendes: Mut wird zu einem Muskel, den man zwangsläufig trainiert.

Stattdessen öffnen sich mehr und mehr Türen und ich habe verstanden, dass niemand kommt, um einem sein Wunschleben zu schenken, wenn man nicht selbst alles in Bewegung setzt, um sich a) erstmal darüber klar zu werden, was man eigentlich möchte, und b) einfach danach zu fragen. Sich einen Plan zu machen, wie die kleinen Teilschritte auf dem Weg zum großen Ganzen aussehen.

Was soll schon schiefgehen? Im worst case blamiert man sich völlig, begeht einen Fehler nach dem nächsten. Und dann? Zieht man seine Schlüsse daraus und versucht es weiter. 

Aus dieser Überzeugung heraus habe ich mich mit meiner eigenen Literaturagentur selbstständig gemacht. Vorgestern war ich Teil eines internationalen Panels vor vielen Menschen und fühle mich magisch angezogen von diesem globalen Buchmarkt, den ich mir gerade nach und nach zu erschließen versuche. Ich betreibe Trendforschung und sammle Daten, um Expertin auf diesem Gebiet zu werden, Autor:innen bestmöglich zu betreuen und Verlage bestmöglich zu beraten. Das alles erfüllt mich gerade sehr und macht mich stolz, insbesondere wenn diese Initiative gesehen und wertgeschätzt wird.

Pokalübergabe: Tobias Groß überreicht Monika Drummer einen Pokal, Kai Vogt präsentiert die Urkunde

Pokalübergabe: #yeaward-25-Sieger Tobias Groß überreicht Monika Drummer (Mitte) den Pokal, Börsenblatt-Redakteur Kai Vogt präsentiert die Urkunde

Aber – und das ist mir auch sehr wichtig: zu behaupten, jeder könne alles schaffen, wenn er nur will, ist natürlich trotzdem Quatsch. Dass ich diesen Preis entgegennehme, hat natürlich mit Mut zu tun. Aber es hat auch verdammt viel mit Privilegien zu tun. Wir reden in unserer Branche oft über Leidenschaft. Aber Leidenschaft muss man sich leisten können. Wer kann sich erlauben, unbezahlte Praktika zu machen? Wer hatte vielleicht ein Elternhaus, das in Bildung investiert hat? Talent und Mut sind wichtig – aber Türen öffnen sich nicht für alle gleich leicht. Und das dürfen wir nie vergessen, wenn wir über Erfolg sprechen.

Genau deshalb fühlt sich dieser Preis für mich nicht wie eine Auszeichnung an, die ich allein für mich beanspruchen kann. An alle Nominierten – Harriet, Ruben, Susann, Minitta, Melina, Larissa, Karo, Clara und Josephine – die Arbeit, die Energie und das Herzblut, das ihr in diese Branche steckt, inspirieren mich riesig. Es ist ein Privileg, neben euch auf dieser Liste gestanden zu haben.

Dass ich diesen Mut-Muskel heute so einsetzen kann, habe ich auch ganz wunderbaren Menschen zu verdanken, die an mich glauben und mich darin unterstützen: Ben (meinem Mann), meinen Eltern, meinen Freundinnen, meiner Gründungscoachin Dr. Bernet, US-Scoutin Kelly Farber, US-Agent Farley Chase, Nina Sahm und noch einigen mehr.

Ein ganz besonderes Danke geht an meine Autorinnen Christine, Lisa, Sandra, Michaela und Pia, von denen heute auch die ein oder andere hier ist. Danke für euer Vertrauen. Eure großartigen Projekte zu vertreten, ist mir eine große Ehre.

Talent und Mut sind wichtig – aber Türen öffnen sich nicht für alle gleich leicht. Und das dürfen wir nie vergessen, wenn wir über Erfolg sprechen.

Und wie geht es weiter? Da ich To-Do-Listen, Kalender und Zeitpläne über alles liebe, habe ich schon eine ganze Agenda, auf die ich mich nach der Messe stürzen möchte. Ich möchte mich für Fellowships bewerben und in andere Länder reisen, um andere book markets besser zu verstehen. Ich will noch mehr lernen und noch bessere Fragen stellen. Und gemeinsam mit Ben Trendanalysen vorantreiben, um die Kausalitäten unseres Buchmarktes noch tiefer zu durchdringen.

Lasst uns also weiterhin mutig sein – aber lasst uns auch dafür sorgen, dass der Raum für Mut für alle da ist.

Vielen Dank!