Fachkräftemangel

Verband fordert bessere Berufsberatung

23. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Verband Bildungsmedien fordert eine Modernisierung der beruflichen Bildung. 2025 ist die Zahl neuer Ausbildungsverträge erneut gesunken – die Abbrecherquote bleibt hoch.

Zwei junge Frauen stehen lächelnd zwischen Bücherregalen in einer Buchhandlung; die Frau im Vordergrund streckt den Arm aus und zeigt nach links, während beide Bücher im Arm halten.

Mehr Tempo gefordert

Der Verband Bildungsmedien fordert mehr Tempo bei der Modernisierung der dualen Berufsausbildung. Das geht aus einem Dossier des Verbands zur beruflichen Bildung hervor. Die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule bleibe ein Erfolgsmodell. Sie müsse aber schneller auf Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz reagieren.

Weniger neue Verträge

Die Lage ist angespannt. 2025 haben rund 461.800 Personen in Deutschland einen neuen Ausbildungsvertrag in der dualen Berufsausbildung abgeschlossen. Das waren 2,8 % weniger als im Vorjahr. In absoluten Zahlen sind das rund 13.300 Verträge weniger. Für 2024 nennt der Verband 475.100 neue Ausbildungsverträge.

Zum Jahresende 2025 befanden sich rund 1.207.900 Personen in einer dualen Berufsausbildung. Zugleich macht der Fachkräftemangel die Ausbildung wichtiger. Für Betriebe wird sie aber schwieriger. Der Verband verweist darauf, dass Betriebe ihre Anforderungen an Bewerber:innen senken müssten, wenn sie nicht alle Plätze besetzen könnten. Hinzu komme die wachsende Konkurrenz durch neue Studiengänge.

Beratung früher starten

Der Verband setzt deshalb stark auf Berufsorientierung. Die Zahlen, die er nennt, sind deutlich: 30 bis 50 % der Studierenden brechen ihr Studium ab. Bei Auszubildenden werden zwischen 25 % und 50 % der Ausbildungsverhältnisse vor dem Abschluss gelöst.

Der Verband sieht darin ein Warnsignal. Viele junge Menschen finden offenbar nicht direkt den passenden Weg. In einem Positionspapier vom Juni fordert der Ausschuss Berufliche Bildung im Verband Bildungsmedien e. V. deshalb bessere Berufsorientierung. Eltern und Lehrkräfte sollen stärker einbezogen werden. Auch Ausbildungsbetriebe werden in die Verantwortung genommen.

Konkret nennt der Verband online-gestützte Eignungstests. Dazu soll kostenlose Unterstützung durch Berufs-Coaches kommen. Außerdem fordert er mehr Aufklärung darüber, wie durchlässig betriebliche und akademische Ausbildung sind. Ausbildung und Studium sollen nicht als Gegensätze verstanden werden.

Berufe schneller erneuern

Auch die Politik soll handeln. Bundestag und Bundesregierung könnten nach Auffassung des Verbands die Modernisierung der Beruflichen Bildung vorantreiben. Berufsbilder müssten laufend an neue Anforderungen aus Industrie und Wirtschaft angepasst werden. Auch Ausbildungs- und Aufstiegsordnungen müssten modernisiert werden.

Der Verband fordert zudem genug Geld für Bildungsmedien und Bildungskonzepte im beruflichen Bereich. Auch Schulen und Betriebe bräuchten eine bessere Ausstattung. Der Digitalpakt Schule und der Digitalpakt 2.0 seien Schritte in diese Richtung. Aus Sicht des Verbands reicht Ausstattung allein aber nicht. Auch Lehrende und Ausbildende müssten weitergebildet werden.

Verlage als Partner

Bildungsmedienanbieter sieht der Verband als Partner der beruflichen Bildung. Sie entwickelten "Gesamtlösungen für das Duale Berufsbildungssystem". Dazu gehörten Lehrmittel, Übungen, Prüfungsvorbereitung und digital weiterentwickelte Lern- und Lehrkonzepte.

Wichtig sei die enge Verbindung von Schule und Praxis. Nur wenn Berufsschulen, Betriebe, Ausbilder:innen, Auszubildende, Verlage und Politik zusammenwirkten, könne berufliche Bildung aus Sicht des Verbands auch künftig zu den Anforderungen passen.