Bonnier-Statement zur Einstellung der Förderung von Lesestart 1-2-3

"Ein verheerendes Signal"

22. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Mit dem geplanten Ende der Förderung von Lesestart 1-2-3 droht nach Ansicht der Kinderbuchverlage der Bonnier-Gruppe ein Rückschlag für die frühkindliche Leseförderung. Die Verlage sprechen von einem "verheerenden Signal" für Chancengleichheit und Bildungserfolg.

Mutter mit Kleinkind, die zusammen lesen

Das Bundesministerium für Bildung und Familie hat angekündigt, die finanzielle Unterstützung des Projekts Lesestart 1-2-3 zum Ende des Jahres einzustellen. Die Kinderbuchverlage der Bonnier-Gruppe (Adrian & Wimmelbuchverlag, arsEdition, Carlsen Verlag, Thienemann-Esslinger Verlag) kritisieren die Entscheidung deutlich:

"Das ist ein verheerendes Signal.

Das Projekt zur Sprach- und Leseförderung im frühen Kindesalter wird seit 2011 von der Stiftung Lesen bundesweit umgesetzt und erreicht über die Vorsorgeuntersuchungen in Kinderarztpraxen Familien mit Kindern von ein bis drei Jahren – unabhängig von Einkommen, Bildungsgrad oder Herkunft.

Durch den Erhalt der Lesestart-Tasche, die Pappbilderbücher und eine mehrsprachige Broschüre mit Tipps zum gemeinsamen Anschauen von Bilderbüchern und zum Vorlesen enthält, haben alle Kinder und ihre Familien eine Chance, den Zugang zu Büchern und zum (Vor)lesen zu finden.

Kein anderes Förderprogramm zur Entwicklung der Lern- und Lesekompetenz setzt im so frühen Alter an. Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass Kinder, die schon bald nach der Geburt regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorgelesen bekommen, später sehr viel leichter und besser lesen lernen – und damit elementare Voraussetzungen erlangen, um selbstbestimmt am Leben teilzunehmen und unsere Gesellschaft mitzugestalten.

Auch der aktuelle Nationale Bildungsbericht weist auf die fundamentale Bedeutung der Frühförderung für den Bildungserfolg hin – und stellt zugleich eine Schieflage fest: denn die meisten Programme setzen erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Entwicklung der Kinder an.

Der finanzielle Bedarf von Lesestart 1-2-3 beträgt der Stiftung Lesen zufolge pro Jahrgang etwa 2,5 Millionen Euro. Dass das Bildungs- und Familienministerium diese Unterstützung aufkündigen will, berührt die Grundlagen von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit.

Als Kinder- und Jugendbuchverlage haben wir nicht nur die Freude, die Entwicklung junger Menschen mit den Büchern und Bildern unserer Autor:innen und Illustrator:innen zu begleiten. Wir sehen darin auch unseren gesellschaftlichen Auftrag und eine Verantwortung: Leseförderung von Anfang an ist uns ein zentrales Anliegen. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir seit Jahren die Initiative der Stiftung Lesen. Damit jedes Kind die Chance hat, vorgelesen zu bekommen."