Das Buch konkurriere heute nicht mehr nur mit anderen Büchern. "Es konkurriert mit Kurzvideos, Games und seriellen Smartphone-Dramen, die auf unmittelbare Einstiege, hohe Taktung und fortlaufende Reize setzen." Gerade für Kinder, die noch keine stabile Leseroutine entwickelt haben, könne der Einstieg in ein Buch dagegen zunächst anstrengender sein. "Appelle allein werden dieses Gefälle nicht überwinden. Verlage müssen deshalb stärker darüber nachdenken, wie Geschichten schneller greifen, früh Erfolgserlebnisse bieten und leichter zugänglich werden – ohne inhaltliche Ansprüche zu senken."
Die Antwort liegt aus Gondroms Sicht weder in der bloßen Nachahmung digitaler Formate noch in weniger anspruchsvollen Büchern. "Unmittelbare Einstiege, klare Dramaturgie, visuelles Erzählen, kurze Etappen und serielle Spannung sind keine Erfindungen des Smartphones, sondern klassische Mittel guter Geschichten", so Christoph Gondrom. Bildstarke Konzepte seien eine Möglichkeit, wie Text und Bild gemeinsam Wege ins Lesen öffnen. Die aktuellen Marktzahlen seien damit nicht nur ein Auftrag an Politik, Schulen und Familien: "Sie sind auch eine Aufforderung an die Verlagsbranche, ihre Bücher konsequenter aus der Perspektive der Kinder zu denken. Lesenlernen braucht Förderung. Lesenwollen braucht Bücher, die begeistern."