Käuferrückgang

Und was können die Verlage tun?

13. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Fest steht: Die Zahl junger Buchkäufer:innen und das Engagement der Bildungspolitik sind zurückgegangen. Offen bleibt die Frage, ob Verlage nicht eine andere Art von Büchern entwickeln müssen. Loewe-Verleger Christoph Gondrom fordert eine selbstkritische Debatte in der Branche.

Loewe-Verleger Christoph Gondrom

Loewe-Verleger Christoph Gondrom

In Bezug auf den am 9. Juli veröffentlichten Bericht "Buchmarkt kompakt 2025/2026" des Börsenvereins geht Loewe-Verleger Christoph Gondrom auf die Entwicklung bei den 10- bis 15-Jährigen ein: Hier ist die Zahl der Buchkäufer:innen um 30,6 Prozent zurückgegangen. In der aktuellen Debatte stünden vor allem sinkende Lesekompetenz und Versäumnisse der Bildungspolitik im Mittelpunkt – beides sei ernst zu nehmen, greife aber zu kurz, wenn die Branche ihre Antwort allein von Schulen, Eltern und Politik erwarte. "Das Medienumfeld von Kindern entwickelt sich heute rasanter denn je. Deshalb dürfen wir nicht in erster Linie darauf warten, dass die Politik das Problem löst", meint Gondrom. "Die entscheidende Frage an uns Verlage lautet: Entwickeln wir genügend Bücher, die im Wettbewerb um Aufmerksamkeit tatsächlich bestehen können?"

Konsequenter aus der Perspektive der Kinder denken

Das Buch konkurriere heute nicht mehr nur mit anderen Büchern. "Es konkurriert mit Kurzvideos, Games und seriellen Smartphone-Dramen, die auf unmittelbare Einstiege, hohe Taktung und fortlaufende Reize setzen." Gerade für Kinder, die noch keine stabile Leseroutine entwickelt haben, könne der Einstieg in ein Buch dagegen zunächst anstrengender sein. "Appelle allein werden dieses Gefälle nicht überwinden. Verlage müssen deshalb stärker darüber nachdenken, wie Geschichten schneller greifen, früh Erfolgserlebnisse bieten und leichter zugänglich werden – ohne inhaltliche Ansprüche zu senken."

Die Antwort liegt aus Gondroms Sicht weder in der bloßen Nachahmung digitaler Formate noch in weniger anspruchsvollen Büchern. "Unmittelbare Einstiege, klare Dramaturgie, visuelles Erzählen, kurze Etappen und serielle Spannung sind keine Erfindungen des Smartphones, sondern klassische Mittel guter Geschichten", so Christoph Gondrom. Bildstarke Konzepte seien eine Möglichkeit, wie Text und Bild gemeinsam Wege ins Lesen öffnen. Die aktuellen Marktzahlen seien damit nicht nur ein Auftrag an Politik, Schulen und Familien: "Sie sind auch eine Aufforderung an die Verlagsbranche, ihre Bücher konsequenter aus der Perspektive der Kinder zu denken. Lesenlernen braucht Förderung. Lesenwollen braucht Bücher, die begeistern."

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