Jugendbuchverlage

Vertical Drama - und die KI geht shoppen

19. Juni 2026
Susanna Wengeler und Stefan Hauck

"snackable", Mikroserien, KI-getrieben: Welche aktuellen Trends gibt es in den Medien und was steht bei den Kinderbuchverlagen gerade auf der Tagesordnung? Am 18. Juni hat in Frankfurt am Main die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) getagt.

Die Kinder- und Jugendbuchverleger:innen stimmen mit ihren Stimmkarten auf der Jahreshauptversammlung 2026 ab

Klares Votum: Die Kinder- und Jugendbuchverleger:innen stimmen auf der Jahreshauptversammlung 2026 ab

Anderthalb-Minuten-Storys

"Vertical Drama" ist einer der aktuellen Medientrends, der aus China kommend auch die deutschen Smartphones erobert: kurze, serielle Episoden fürs Handy-Hochformat produziert, stark auf Cliffhanger, klare Szenenwechsel und unmittelbare Emotionalität getrimmt, oft so konzipiert, dass es für unterwegs in sehr kleinen Zeiteinheiten (etwa anderthalb Minuten) funktioniert. Mit einem schnellen Einstieg und wenig "Anlauf" ist man sofort in der Geschichte, die Szenen sind so gebaut, dass man ihnen auch mit Ablenkung folgen kann, berichtete Magnus Gebauer vom MedienNetzwerk Bayern. Angefixt seien viele Nutzer auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, es gebe Insta-Reels oder YouTube Shorts, inzwischen aber auch spezialisierte Vertical‑Drama-Apps wie Reel Short, DramaBox oder Crisp Momentum. Short Content werde gerade gezielt gesucht.

Online-Shoppen: Die KI sucht, nicht der Mensch

Als weiteren Medientrend benannte Gebauer den Kinder- und Jugendbuchverleger:innen, die sich am 18. Juni im Haus des Buches in Frankfurt am Main getroffen hatten, Closed Commerce. Beim Zero‑Click‑Shopping etwa sind es Einkaufserlebnisse, bei denen Nutzer:innen ohne klassischen Checkout-Prozess kaufen – also ohne Warenkorb, ohne mehrere Formulareingaben und oft ohne erneutes Einloggen. Im Idealfall reicht ein Tap, weil Zahlung, Lieferadresse und Präferenzen bereits hinterlegt sind. "Der KI-Assistent sucht nach entsprechenden Anbietern und Objekten", so Gebauer, er macht drei Vorschläge statt 30 Treffer anzuzeigen. Der Assistent ersetzt also Teile von Suche und Navigation durch einen Dialog; ein Beispiel wäre:

  • "Ich brauche ein Geburtstagsgeschenk für eine 12‑Jährige, liest Fantasy."
  • Es kommen Rückfragen nach Budget, Lieferdatum, Format
  • Die KI schärft, zum Beispiel: "Meinst du das Buch oder den Film? Hardcover oder E‑Book?"

2025 haben 36 % der Nutzer ChatGPT oder andere KI-Assistenten zum Shoppen benutzt, berichtete Gebauer, 57 % aus der GenZ, 48 % von den Millenials, 30 % aus der GenX usw. 

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