avj-Presseseminar

"Wir müssen unsere Kommunikation neu denken"

1. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Am 26. und 27. Juni diskutierten 20 Teilnehmende aus den Pressestellen von Kinder- und Jugendbuchverlagen beim avj-Presseseminar auf dem Mediacampus Frankfurt zentrale Fragen der modernen Verlagskommunikation. Impulse gab Referent Matthias Kutzscher.

Blick in den Seminarraum am Mediacampus Frankfurt

Blick in den Seminarraum am Mediacampus Frankfurt

Wie effizient ist die eigene Kommunikation noch? Welche Formate, Medien und Kanäle gewinnen an Bedeutung? Was bleibt wichtig, was verändert sich? Und welche Rolle spielen klassische PR-Instrumente wie Aussendungen, Mailings und Newsletter künftig? Die Einschätzung von Redakteur und Dozent Matthias Kutzscher lautet: "Die Medienlandschaft verändert sich dramatisch. Redaktionen finden kaum noch Platz für Besprechungen. Daher werden ihre digitalen Portale und Social-Media-Plattformen immer wichtiger. Denn KI drängt als Produktionsmaschine immer weiter in die Redaktionen und daher müssen wir unsere Kommunikation neu denken."

Zugleich eröffneten sich durch digitale Plattformen, KI-gestützte Prozesse und neue redaktionelle Formate auch zusätzliche Chancen für Verlage, ihre Themen sichtbar zu machen und Zielgruppen direkter zu erreichen. Kutzscher prophezeit: "2033 wird es keine gedruckte Tageszeitung mehr geben."

"Nicht nur Menschen, sondern auch Algorithmen erreichen"

Statt klassischer PR gehe es laut Kutzscher heute um algorithmische PR, die sich durch eine strategische Gestaltung von Kommunikation auszeichne. Pressesprecher:innen müssten heute nicht nur Menschen, sondern auch die Algorithmen digitaler Plattformen erreichen. Texte müssten für Menschen attraktiv und für die KI lesbar sein.

Seine Empfehlung: "Statt reiner Produkt-PR sollten Sie themenbezogen denken, modularen Content schaffen und die eigene Webpage entern." Gerade darin liege für die Pressearbeit der Kinder- und Jugendbuchverlage viel Potenzial: Inhalte könnten vielfältiger aufbereitet, über unterschiedliche Kanäle ausgespielt und für Medien, Handel, Social Media, Events und direkte Zielgruppenkommunikation nutzbar gemacht werden. Kommunikation werde damit vernetzter, strategischer und näher an den Themen, die Kinder, Familien, Buchhandlungen, Pädagog:innen und Medien bewegen.

Teilnehmende des avj-Presseseminars 2026

Teilnehmende des avj-Presseseminars 2026 aus den Verlagen arsEdition, Beltz, Bohem Press, Coppenrath, Dorling Kindersley, dtv, Fischer Sauerländer, Kindermann, Klett Kinderbuch, Loewe, Mixtvision, Moritz, Tessloff, Thienemann-Esslinger, Freies Geistesleben und Herder

Persönlicher Austausch bleibt wichtig

Bei allen Algorithmen dürften die Pressestellen jedoch ihre Ansprechpersonen nicht aus den Augen verlieren. "Solange wir Kontakte haben, sollten wir diese pflegen", war die einhellige Meinung unter den Teilnehmenden. "Telefonate, Messen, Pressebörsen – der persönliche Austausch ist noch immer der beste Weg, Bücher ins Gespräch zu bringen, Themen zu erkennen sowie Autorinnen und Autoren sichtbar zu machen", betont Tomas Rensing von der AG Kommunikation in der avj.