Ein zentrales Spannungsfeld des Gesprächs ist die Sprache. Raidt betont, dass sie nicht mit Begriffen wie Oberschicht und Unterschicht arbeiten wollte. "Man darf nicht sagen, die einen sind oben, die anderen sind unten", sagt sie. Entscheidend sei gewesen, Kinder im Kopf zu behalten, die das Buch lesen und sich nicht gekränkt fühlen dürfen.
Auch das Lektorat mit Monika Osberghaus habe stark darauf geachtet, ob eine Formulierung verletzen, beleidigen oder zynisch wirken könnte. Raidt beschreibt soziale Ungleichheit nicht als Rangordnung, sondern als unterschiedliche Startbedingungen auf derselben Ebene. "Also in Wirklichkeit sind ja die Leute nicht oben", sagt sie. Alle bewegten sich auf der gleichen Ebene; das Bild von oben und unten mache "tatsächlich was im Kopf".
Dr. Stefan findet dafür im Buch ein prägnantes Bild: den Wettkampf. Alle starten auf einem Feld, aber nicht alle von derselben Linie. Die Buchstaben des Wortes Start liegen unterschiedlich weit vorn oder hinten, manche Figuren tragen Gepäck. Die Metapher macht sichtbar, was schwer zu erklären ist: nicht mangelnder Wille entscheidet allein, sondern auch, wo jemand losläuft und was jemand mittragen muss. So illustriert Raidt es auch in ihrem Buch sehr anschaulich.