Frankfurter Buchmesse: Young Professionals Day

"Man spricht über Geld"

13. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Selbstständig in der Buchbranche: Eine Verbindung aus Leidenschaft und Risiko. Was gibt es zu beachten und woher kann man Unterstützung erhalten? Ein Austausch, der zeigt, dass nicht immer alles "perfekt" laufen muss.

Podiumsgespräch auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Motto „Viele Wege führen zum Buch“. Fünf Personen sitzen auf weißen Stühlen, lächeln sich zu und unterhalten sich offen. Eine Teilnehmerin hält ein Mikrofon. Im Hintergrund zeigt eine Leinwand die Programmdetails und Namen der Sprechenden. Die Stimmung ist locker, herzlich und lebendig.

Marij Hartwig, Ruben Höppner, Harriet Dohmeyer, Leonie Haas und Janneke de Vries (von links nach rechts)

Vielfalt ist in der Buchbranche ein zentrales Thema. Doch der Weg ist nicht immer einfach. Ob Verlagsgründung, die Übernahme einer Buchhandlung oder der Einstieg in die Literaturübersetzung – bei all diesen Wegen spielen Mut, Improvisation und die Bereitschaft eine Rolle, sich in neue Aufgaben einzuarbeiten. Offen unterhielten sich die Beteiligten einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Young Professionals Day über finanzielle Risiken, geringe Einkommen und die schwierige Vereinbarkeit von Selbstständigkeit, Familie und Beruf.

Janneke de Vries moderierte das Gespräch. Sie nannte es: "Freunden eine Bühne geben". Denn genau das vermittelten die vier Gäste: ein Austausch, der nicht von Konkurrenz lebte, sondern davon, gemeinsam miteinander zu wachsen. 

Mit Mut voran

Zu Beginn ihres Studiums wusste Harriet Dohmeyer noch nicht genau, wie ihre Zukunft aussehen würde; sie interessierte sich für vieles: Redaktionelles, Digitales, doch schließlich gründete sie mit Ankerwechsel einen eigenen Verlag. Auch Ruben Höppner war sich während seines Studiums noch unsicher – eher durch einen Zufall übernahm er 2024 den Anthea Verlag: "Ich bin da so ohne Vorwissen reingeschlittert", sagte er. Bereuen tut er diese Entscheidung nicht.

Der Schritt zur Selbstständigkeit kam für Leonie Haas plötzlich. Während ihres letzten Ausbildungsjahres wurde sie schwanger. Was eigentlich nur die Suche nach einem Minijob war, wurde zum Fund einer Buchhandlung: "Wir übernehmen jetzt diese Buchhandlung", eine Entscheidung, die noch am selben Tag getroffen wurde. Marij Hartwig stürzte sich hoffnungsvoll in die Literaturübersetzung: "Es hat sehr viel Mut gebraucht, sich das zu trauen", sagte sie, denn gerade in diesem Bereich sei die Selbstständigkeit herausfordernd. 

Finanzielle Realitäten

Neben Mut und Leidenschaft ging es im Gespräch um die finanziellen Realitäten der Branche. Die Teilnehmer:innen berichteten von Krediten, privaten Investitionen, unsicheren Einkommen und von der Herausforderung, Familie, Mitarbeiter:innen und den eigenen Lebensunterhalt abzusichern. „Man spricht über Geld“, betonte Höppner. Denn genau das helfe, Ungleichheiten in der Branche sichtbar zu machen und nicht noch weiter zu vergrößern. Harriet Dohmeyer erzählte offen, dass sie nach neun Jahren als Verlegerin von ihrer Tätigkeit leben kann. Außerhalb der Verlage spielt die finanzielle Lage ebenfalls eine große Rolle: Leonie Haas berichtete, dass sie zusammen mit ihrem Mann noch viel privat in die Buchhandlung investieren musste. Marij Hartwig ergänzte zudem, dass sie sich zunächst zu viel vorgenommen hatte und der Start in die Selbstständigkeit daher nicht ganz planmäßig verlief. 

Netzwerke als Rückhalt

Die Beteiligten sprachen viel über gegenseitige Unterstützung. Für Marij Hartwig sei Reichweite ausschlaggebend. Neben der Sichtbarkeit auf Büchern, wie beispielsweise durch die Nennung von Übersetzer:innen auf den Covern, sei ein Netzwerk entscheidend. Dabei spricht sie nicht nur von einem Netzwerk nach außen: "Es ist viel wichtiger, sich unter Kolleg:innen zu vernetzen", sagte sie. Aufträge würden oft weitergereicht werden, oder es würden sich Möglichkeiten für Tandemübersetzungen eröffnen. Auch im Buchhandel helfe der direkte Austausch. Haas berichtete von WhatsApp-Gruppen, Einkaufsgemeinschaften und Kontakten zu anderen unabhängigen Buchhandlungen. Ihr Rat an den Branchennachwuchs lautete: "Macht das, stellt Fragen, man kann nichts verlieren – höchstens gewinnen wir an Erfahrung."

Bei der Verlagsgründung können Kontakte eine große Unterstützung sein. Sowohl Höppner als auch Dohmeyer teilten ihre Erfahrungen – zu den Anlaufstellen, die sie empfahlen, gehörten vor allem der Börsenverein und die Kurt Wolff Stiftung. "Einfach mit den Leuten sprechen", sagte Höppner – vor Rückschlägen nicht zurückschrecken und ehrlich sagen, dass man keine Ahnung hat. "Einen Verlag zu machen ist Typsache", sagte Dohmeyer; jede:r arbeitet anders, doch der Austausch helfe jedem. 

Die Gesprächsrunde zeigte nicht nur, wie vielfältig die Wege in die Buchbranche sein können, sondern auch, wie viele Herausforderungen mit ihnen verbunden sind. Janneke de Vries beschrieb die Atmosphäre als „ein gemeinsames Wachsen“. Für die Beteiligten bedeutet das, klare Grenzen im Arbeitsalltag zu setzen und offen darüber zu sprechen, wie sich Familie, Privatleben und berufliche Verantwortung miteinander vereinbaren lassen. Ein transparenter Umgang mit Geld und die Bereitschaft, die Branche gemeinsam weiterzuentwickeln, gehören außerdem dazu.