Druckerei Pustet

Das läuft ja wie gedruckt

28. Juli 2026
Petra Gass

Quantensprung in der Druckerei Pustet: Der Dienstleister aus Regensburg hat mehrere Millionen Euro in eine Digitaldruckmaschine mit Weiterverarbeitung investiert.

Druckerei Pustet

Die Digitaldruckmaschine wartet im Hintergrund: Millimetergenaues Maßnehmen ist notwendig für den Aufbau der Produktionslinie

Für das mittelständische familiengeführte Unternehmen Pustet mit einem Produktionsvolumen von rund 8 Millionen Büchern pro Jahr ist die Investition in eine neue Produk­tionslinie für Digitaldruck ein Meilenstein in der mehr als 200-jährigen Geschichte.  

Quantensprünge ähnlicher Bedeutung gab es zuletzt 1990 mit dem Einstieg in den Offset-Rotationsdruck und zuvor in den 1960er Jahren – da wurde vom Hochdruck auf Offsetdruck umgesattelt. "Pustet konzentrierte sich bisher auf den Offsetdruck. Doch die Situation bei den Verlagen hat sich strukturell verändert, man möchte häufiger kleine Auflagen und diese wirtschaftlicher produzieren lassen. Da liefert der Digitaldruck die richtige Antwort!", so Jakob Pustet. "Die Entscheidung haben wir im Team mit den Kundenbetreuer:innen, dem Betriebsleiter und mit den anderen Mitarbeitenden diskutiert – denn sie können den Markt gut einschätzen." Jakob und sein Vater Friedrich (Fritz) Pustet bilden die Geschäftsleitung der Druckerei – die jetzt gleich mit mehreren Neuerungen aufwarten kann: An eine Digitaldruckmaschine von HP (Page Wide Web Press T490) schließt sich eine Weiterverarbeitungseinheit von Müller Martini (Sigma Line III) an und diese mündet in die Palettierung über ein Solema-Modul. "Mit der Automatisierung sowie integrierter Weiterverarbeitung und Palettierung haben wir nun schnellere Produktionsabläufe.  Wir bekommen als Endprodukt schon den hilfsverleimten oder mit einer Banderole gehaltenen Buchblock auf die Paletten – ohne Zwischenschritte", erläutert Jakob Pustet. "Wir arbeiten dadurch mit weniger Personal, senken Kosten und machen den Digitaldruck im Bereich kleiner bis mittlerer Auflagen ­kosteneffizienter." Für Auflagen zwischen 200 und 8.000 Stück sei die Anlage ideal. "Und im Anschluss können wir fast alle Ver­arbeitungs- und Veredelungsmöglichkeiten in unserem eigenen Betrieb anbieten", ergänzt Fritz Pustet. 

Druckerei Pustet

Spannende Zeit: Aufbau und Konfigu­ration der Druckstraße.

Sturm stoppt Schwertransport

Fünf Millionen Euro investierte der grafische Großbetrieb in das Projekt Digitaldruck. Das Herzstück der Anlage, die Digitaldruckmaschine, wurde aus den USA angeliefert. Allerdings stoppte die Auslieferung dort erst mal zwei Wochen lang wegen eines Schneesturms im Februar, dann folgte die Atlantik-­Überfahrt, und im März rollten endlich 16 LKW auf den Hof der Druckerei. Es begann eine intensive Aufbau- und Anpassungsphase. Eine Arbeitsgruppe war über mehrere Monate mit dem Projekt befasst. Es galt, eine Lagerfläche in eine Produktionsfläche umzuwandeln, die Installationen für Druckluft und Abluft vorzubereiten, mit den Servicetechnikern für die neuen Module zusammenzuarbeiten und nebenbei auch noch laufende Druckaufträge fertigzustellen. Der Teamgeist hat unter der Mehrfachbelastung nicht gelitten. "Mithilfe unserer eigenen Betriebstechnik, die das Ganze begleitet hat, waren wir immer im Zeitplan", berichtet Jakob Pustet. "Der ein oder andere Projektabschnitt wurde deshalb mit einem kleinen Grillfest gefeiert."

Druckerei Pustet

Auflage, bitte: Seit Anfang Juli ist die fertige Einheit in Betrieb.

Kurz vor der Hochsaison

Seit Anfang Juli werden nun auf der neuen Anlage verkaufsfertige Bücher hergestellt – damit ist sie gerade rechtzeitig zur Hochphase vor der Frankfurter Buchmesse betriebsbereit. Das starke Saisongeschäft der Frühjahrs- und Herbstprogramme ist für Pustet Druck immer wieder Thema. "Im Bemühen, eng gesteckte Termine halten zu können, zeigen wir ein hohes Maß an Flexibilität – was auch unsere Kunden zu schätzen wissen", umreißt Fritz Pustet das Verhältnis zu den etwa 70 Verlagen, mit denen die Druckerei teilweise seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. "Eine gute Grundauslastung das ganze Jahr über würden wir natürlich bevorzugen", so Jakob Pustet. Doch das Thema sei vielschichtig – ­Druckereien schließen, Druckkapazitäten gehen zurück, Aufträge werden ins Ausland vergeben. "Wir tun unser Bestes, dass wir in den Spitzenzeiten so viel wie möglich an Produktion rausholen, und sprechen frühzeitig auch mit den Verlagen, sodass wir gut planen und produzieren können." Bei Pustet hat jeder Verlag einen eigenen Ansprechpartner: "Da landet man in keiner Hotline, sondern wir nehmen uns wirklich der Sorgen und der Themen der Hersteller:innen an und versuchen zu beraten, wie man in diesen Zeiten wirtschaftlich produzieren kann".

Die neue Digitaldruckanlage soll das Pustet-Angebot komplettieren, und die Pustet-Großfamilie richtet schon die nächste Feier aus: "Im Rahmen eines kleinen Events möchten wir die Produktionslinie unseren Verlagskunden vorstellen. Wir sind schon stolz darauf, was wir gemeinsam in den vergangenen Monaten geschafft haben."

Familientradition und Modernisierung

Jakob und Friedrich Pustet

Familie und ­Unternehmen: Friedrich Pustet, der sechste Friedrich in der Familien-­Firmengeschichte, bevorzugt den Rufnamen "Fritz". Sein Sohn Jakob ist seit fast zwei Jahren Mitglied der Geschäftsleitung.

Sechs Generationen Buchhandel, Druck und Verlag im Familienbesitz, und das in den wilden Wechselfällen der Geschichte: "Bisher folgte immer ein Friedrich auf einen Friedrich, ich bin nun der erste Jakob", sagt Jakob Pustet. Mit dem Einstieg des 34-Jährigen hat 2024 die siebte Generation im Familienunternehmen angefangen – kurz bevor die Entscheidung für die neue Digitaldruckanlage getroffen wurde. "Bei einem Generationenwechsel steckt man in gewisser Weise in einer Art Transformation drin", meint Jakob Pustet. "Wie auch bei der Einführung des Digitaldrucks sind dann die Entwicklungsschritte größer als zu anderen Zeiten. Ich glaube, da spürt man die Stärke unseres Familienbetriebs: so an einem Strang zu ziehen, dass Leute Lust bekommen, bei dem ein oder anderen Thema mitzugehen." 

Sein Vater Fritz Pustet, der seit 1988 den Verlag leitet und 2021 die Geschäftsführung von seiner Schwester Ursula Pustet übernommen hat, blickt in beide Richtungen der Firmengeschichte: "Wir haben als Unternehmen und als Familie gewisse Werte, die wir vertreten und für die wir einstehen, selbst wenn man dafür – in seltenen, aber begründeten Fällen – Geschäftsbeziehungen auf den Prüfstein stellen muss. Sich um seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern, dafür zu sorgen, dass das Klima gut ist, und sich ebenso um die Kunden zu bemühen, sie ernst zu nehmen und gemeinsam Lösungen zu finden – all das sind Dinge, die immer schon wichtig waren. Und die man in der siebten Generation genauso weiterpflegen muss."

Die Druckerei

Friedrich Pustet 
GmbH & Co. KG
Gutenbergstraße 8 
93051 Regensburg
Tel. 0941 9424 – 0
www.pustet-druck.de

Produktionsvolumen: ca. 8 Mio. Bücher pro Jahr. Hauseigene Buchbinderei, Veredelungen jeder Art

Geschäftsleitung: Fritz und Jakob Pustet 

Die Druckerei Pustet. Das Buch (Leitung: Florian Hetzenecker), der Verlag Friedrich Pustet (Verlagsleitung: Fritz Pustet) und die 11 Bücher-Pustet-Filialen in acht bayerischen Städten (Leitung: Anton Neugirg) gehören zur Pustet GmbH & Go. KG. Die Geschäftsführung liegt bei Friedrich (Fritz) Pustet. Insgesamt beschäftigt die Gruppe 380 Mitarbeitende. 

Das Unternehmen geht auf die 1820 gegründete Buchhandlung Friedrich Pustet zurück, aus der sich im Lauf der Firmengeschichte der Verlag, die Druckerei und zeitweise sogar auch noch eine Papierherstellung entwickelten. 

Jede der drei Sparten im Familienunternehmen – Buchhandel, Verlag und Druckerei – muss jeweils erfolgreich für sich selbst wirtschaften, so die Maxime der Familie. Dennoch habe es sich in der Firmen­geschichte ausgezahlt, drei­gleisig zu fahren: In den Pandemiejahren beispielsweise konnten sich die drei Bereiche gegenseitig stützen. Während die Buchhandlungen schließen mussten, hatte die Druckerei eine überaus gute Auftragslage, das hat in dieser Zeit geholfen.