11 Fragen an...

"Wir haben eine gewisse Sammelwut"

24. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

In der Tradition des Proustschen Fragebogens bitten wir in jeder Börsenblattausgabe Persönlichkeiten aus der Branche um ihre Antworten. Hier werden die 11 Fragen von Iny Lorentz beantwortet.

Iny Lorentz

Elmar Wohlrath und Iny Klocke.

 

Iny Lorentz

Iny Lorentz ist das Pseudonym des Autorenehepaars Iny Klocke und Elmar Wohlrath, das seit mehr als zwei Jahrzehnten historische Bestsellerromane schreibt, mit einer Gesamtauflage von mehr als 20 Millionen Exemplaren. Viele ihrer Romane wurden in andere Sprachen übersetzt, auf die Bühne gebracht und verfilmt. Im September erscheint bei Knaur "Priesterin von Thera"; der Roman spielt in Griechenland um 1600 v. Chr.

Cover Iny Lorentz, Priesterin von Thera

Ihre Heldin im Alltag?

Iny: Unsere Postbotin. Sie schleppt bei Regen und Sturm, Schnee und Eis und bei größter Hitze die Pakete mit unseren Belegexemplaren zu uns.

Elmar: Meine Ehefrau. Für sie ist es nicht immer leicht mit einem Ehemann, der einen großen Teil seiner Zeit nicht in dieser, sondern in einer fiktiven Welt weilt und sich mehr mit dem Roman beschäftigt, an dem er gerade arbeitet, als eine ausgebrannte Glühbirne auszuwechseln oder dieser oder jenes zu tun, was dringend gemacht werden müsste.

Unsere Postbotin schleppt bei Regen und Sturm, Schnee und Eis und bei größter Hitze die Pakete mit unseren Belegexemplaren zu uns. Sie ist meine Heldin im Alltag.

Iny Klocke

Welche Gabe würden Sie gern besitzen?

Iny: Smalltalk reden, um auf diese Weise besser auf Menschen zugehen zu können.

Elmar: Die Zeit zu dehnen, damit mir mehr Zeit zum Schreiben bleibt.

Ihr Traumberuf als Kind?

Iny: Ich kannte keine Berufe, da ich mal heiraten sollte, "wie es sich für ein Mädchen gehört". Angesicht meines Lesehungers habe ich mir einfach gewünscht, selbst mal Geschichten schreiben zu können, die von anderen gelesen werden.

Elmar: Mein Traumberuf als Kind war Schriftsteller. Seit ich lesen konnte, war ich von Büchern fasziniert und stellte mir vor, wie ich die gelesenen Kinderbücher fortsetzen oder neu schreiben könnte. Von da war es nicht mehr weit, bis ich mir eigene Geschichten ausgedacht und teilweise auch aufgeschrieben habe.

Das Überraschendste, was Ihnen je begegnet ist?

Iny: Mein jetziger Ehemann. Als ich ihn kennenlernte, bekam ich es das erste Mal mit einem Menschen zu tun, der auf der gleichen Wellenlänge funktionierte und mit dem ich mich verstand.

Elmar: Meine größte Überraschung war der ungeheure Erfolg der Wanderhure. Für mich war es, als würde ich als Fußballspieler aus der Kreisliga auf einmal in die Bundesliga geholt. So ganz habe ich es bis jetzt noch nicht begriffen.

Das Schönste an Poing?

Iny: Poing ist ein ganz normaler Ort ohne besondere Baudenkmäler oder so. Aber er ist höchst lebendig und bietet dem, der es ausnutzen kann, ein vielfältiges Gesellschaftsleben und reiche Abwechslung.

Elmar: Unser kleines Häuschen mit seinem Gärtchen ist für mich eine stille Oase, in der ich mich unseren Romanen widmen kann. Dazu gibt es schöne Spazierwege sowie einen kleinen Badesee, der von seinen Temperaturen allerdings mehr für Pinguine als für Menschen geeignet scheint, aber sehr schön angelegt ist.

Eine Marotte von Ihnen?

Iny: Ebenso wie Elmar habe ich eine gewisse Sammelwut. Das betrifft Bücher ebenso wie kleine Andenken von unseren Reisen und andere hübsche Dinge.

Elmar: Wie bei Iny eine gewisse Sammelwut für alles Mögliche und Unmögliche. Dies gilt vor allem für Bücher, selbst wenn ich nur eine Zeile davon brauchen kann.

Total überbewertet finde ich ...

Iny: Übertriebene Statussymbole wie das größere Auto, den teureren Urlaub und ähnliche Dinge.

Elmar: Die besonders gute Meinung, die manche Leute von sich haben. Bei allem Selbstbewusstsein würde ein Hauch Demut nicht schaden.

Der ungeheure Erfolg der Wanderhure war eine große Überraschung. Für mich war es, als würde ich als Fußballspieler aus der Kreisliga auf einmal in die Bundesliga geholt. So ganz habe ich es bis jetzt noch nicht begriffen.

 

Elmar Wohlrath

Geschichte bedeutet für mich …

Iny:  Immer wieder neue Aspekte, wie Menschen gelebt und überlebt haben, welche Lösungen sie für ihre Probleme fanden und wie Übermut und Hybris vieles wieder zerstört haben.

Elmar: Geschichte ist für mich ein gewaltiger Fundus an Anregungen, Ideen und Möglichkeiten, um in dem von mir gewählten Umfeld einen guten, spannenden und auch emotionalen Text schreiben zu können.

Der schönste Moment beim Schreiben?

Iny: Elmars ersten Entwurf zu lesen. Zwar kenne ich die Geschichte, weil ich bei den Überlegungen und Recherchen aktiv beteiligt war, aber die Umsetzung und die vielen kleinen Szenen, die die Geschichte erst farbig machen und weiterbringen, genieße ich sehr. 

Elmar: Mein schönster Moment beim Schreiben ist der, wenn Iny mit dem, was ich geschrieben habe, zufrieden ist. Der zweitschönste ist die Begegnung mit den Protagonisten, die in den nächsten Wochen und Monaten zu guten Freunden werden.

Die größte Herausforderung beim Schreiben?

Iny: Die Entscheidung, ob ein interessant klingendes Thema wirklich das hergibt, was einen fesselnden Roman ausmacht.

Elmar: Ich sehe Schreiben nicht als Herausforderung an, sondern als Berufung. Doch wenn man mich so direkt fragt, ist die größte Herausforderung der Abschied jener in meiner Fantasie entstandenen Heldinnen und Helden, wenn ich das entsprechende Buch fertig geschrieben habe. Für mich ist es, als müsse ich von lieb gewordenen Freunden Abschied nehmen.

 

Wo klappt Offline besser als Online?

Iny: Bei den Recherchen. Wir tragen für jeden Roman einen Stapel Sach- und Fachbücher zusammen, die ersten schon, bevor die Entscheidung gefallen ist, ob wir das Thema in der nächsten Zeit in Angriff nehmen.

Elmar: Beim Schreiben bin ich immer offline. Ich will weder durch neue E-Mails noch durch andere Dinge gestört werden. Für die Recherche ziehe ich immer noch gedruckte Bücher vor. Allerdings greife ich gelegentlich online auf spezielle Fachseiten zu.